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Elijah Wood als Frodo in: Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs
Elijah Wood über die ewige Dankbarkeit
Interview: Geweint wie nie zuvor!
Die Rolle des kleinen Hobbits Frodo Beutlin machte Elijah Wood zu einem weltbekannten Star. Mit "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" geht die lange Reise der Gefährten am 17. Dezember zu Ende. Das Finale ist mit 198 Spielzeit die längste und rundeste Episode der Trilogie. 198 Minuten ohne Längen, keine Szene wirkt aufgesetzt. Grund genug, Bilanz zu ziehen. Wir sprachen mit dem inzwischen 22 Jahre alten Sonnyboy über seine Gefühle und Erlebnisse.
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  13. Dezember 2003
Vor der Schlacht: Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs
Ricore Medien: Elijah, wie hast du dich gefühlt, als nach den jahrelangen Dreharbeiten auch die allerletzte Szene dieser Trilogie im Kasten war?

Elijah Wood: Ich konnte nur schwer begreifen, dass wir am Ende unserer vierjährigen Reise angekommen waren. Der Augenblick war sehr ergreifend, vor allem, weil ich das neuseeländische Team zum letzten Mal sah.

Ricore: Wie hat sich während dieser Reise für dich geändert?

Wood: Zu Beginn der Dreharbeiten war ich 18, jetzt bin ich 22 Jahre alt. In dieser Zeit hat sich natürlich einiges verändert. Inzwischen bin ich recht bekannt, treffe überall Fans, sogar auf der Straße nennt man mich Frodo. Abgesehen davon hat dieses gewaltige Projekt natürlich jeden einzelnen von uns geprägt: Wir waren sechzehn Monate in Neuseeland und gingen voll und ganz in unseren einzelnen Rollen auf. Für die Freundschaften, die ich dort schließen durfte, werde ich ewig dankbar sein.

Ricore: Was war dein schönstes Erlebnis?

Wood: Zum Beispiel ein Ausflug mit Orlando Bloom und Billy Boyd. Das Surfen im Ozean. Und so viele andere Erlebnisse. Die schönsten Erinnerungen habe ich an die gemeinsamen Stunden unter uns Hobbits. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen.

Ricore: Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Wood: Die nötige Ausdauer. Wir haben täglich fünfzehn Stunden lang gedreht, sechs Tage die Woche. Sich für eine Arbeit zu begeistern, ist leicht. Aber es ist sehr schwer, gute Leistung zu bringen, wenn man total erschöpft ist.

Ricore: Welche Szene hat dich am meisten berührt?

Wood: Wenn Sam mich trägt. Ich atme kaum, bin dem Tode nahe, und Sam versucht mich zurückzuholen. Sam sagt: "Den Ring kann ich nicht tragen, aber dich schon, Frodo". Jedes Mal wenn ich diese Szene sehe, heule ich wie ein kleines Kind.

Ricore: Wie viele Hobbit-Fußattrappen hast du im Verlauf der Dreharbeiten verschlissen?

Wood: Ich habe an den Füßen immer sehr stark geschwitzt, so dass der Kleber aufweichte und die ganze Konstruktion instabil wurde. Meine Attrappen mussten deshalb wesentlich öfter zur Reparatur als andere. Das letzte Paar habe ich dann gleich ganz behalten dürfen.
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Elijah Wood als mutiger Hobbit Frodo
Ricore: Was für Andenken hast du sonst noch behalten?

Wood: Den Ring und mein Schwert natürlich!

Ricore: Wo liegt der Ring jetzt?

Wood: Er liegt gut versteckt in einer Holzschachtel. Ich will ihn nicht sehen oder herzeigen. Dort ist er gut verstaut.

Ricore: Was symbolisiert der Ring deiner Meinung nach?

Wood: Die Versuchung uneingeschränkter Macht. Angeblich ermöglicht er dem Ringhalter alle nur erdenklichen Dinge, doch in Wirklichkeit bringt er Tod und Zerstörung.

Ricore: Glaubst du an Magie?

Wood: Ein bisschen schon. Menschen vollbringen doch immer wieder magische Dinge mit ganz normalen, menschlichen Methoden. Wir alle sind zu ein bisschen Magie fähig.

Ricore: Die Dreharbeiten von "Der Herr der Ringe" wurden hermetisch von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Wurden die Nachdrehs später auch so sehr gesichert?

Wood: Eigentlich wollten wir so viel wie möglich geheim halten, doch mit einem übergroßen Kampfelefanten auf dem Parkplatz war das gar nicht so einfach. Es wurden auch nicht alle Sicherheitslöcher gestopft, aber was macht das schon? Für den ersten Teil war der Überraschungseffekt sinnvoll, doch inzwischen kennt jeder den Stil der Filme. Aber natürlich durften wir den Drehort trotzdem nicht mit unseren Kostümen verlassen.

Ricore: Im Verlauf der Trilogie hast du es mit verschiedenen im Computer animierten Kreaturen zu tun. Wie wurde dieses Problem bei den Dreharbeiten gelöst?

Wood: Wenn überhaupt, dann hatte ich einige schwarze Markierungspunkte. Zum Beispiel wusste man beim Drehen noch gar nicht, wie die Spinne im letzten Teil aussehen würde. Ich musste meine eigene Vorstellungskraft benutzen. Die Animatoren hatten es da leichter: Sie bekamen für die Animation der Riesenspinne immerhin eine aufblasbare Attrappe.
Im Kampf gegen die Orks: Karl Urban
Ricore: Peter Jackson lief während der Dreharbeiten meistens barfuß herum. Welche Rückschlüsse zogen die Schauspieler aus den Eigenarten ihres Regisseurs?

Wood: Sein Enthusiasmus und seine Kreativität haben mich inspiriert, bis an meine Grenzen zu gehen. Wenn der Regisseur so exzentrisch ist, dass er sogar im Schneetreiben mit kurzen Hosen und ohne Schuhe durch die Gegend läuft, muss man ihm einfach vertrauen. Und ich erkannte nach und nach die Ähnlichkeiten zwischen ihm und Frodo: Pete ist ein lebender Hobbit, klarer Fall.

Ricore: Und was hast du mit den Hobbits gemeinsam?

Wood: Die liebvolle Einstellung zu Freunden. Außerdem esse und trinke ich sehr gerne. Oh ja, damit kann ich mich gut identifizieren. (lacht)

Ricore: Gerüchten zufolge soll Peter Jackson bei einer deiner Szenen sogar geweint haben.

Wood: Stimmt. Ich war schwer beeindruckt, seine Tränen waren so ehrlich. Gleichzeitig gab es mir die Bestätigung, dass ich mit meiner Arbeit auf dem richtigen Weg bin.

Ricore: Hast du damals von Frodo geträumt?

Wood: Ich träume zwar nicht von meinen Rollen, aber sehr wohl von meiner Arbeit am Set. Eigentlich ständig. Einfach so damit abschließen, das geht nicht.

Ricore: Wie schwer war es dann für dich, nach den Dreharbeiten wieder im normalen Leben Fuß zu fassen?

Wood: Die ersten sechs Monate habe ich zu Hause größtenteils mit Schlafen verbracht. Mein Leben war durchtränkt von den Erlebnissen und Bekanntschaften, die ich in Neuseeland gemacht hatte. Ich wusste nicht mehr, was mir das Leben außerhalb dieser Zeit bedeutete. Die Erfahrungen waren einfach zu intensiv.

Ricore: Hast du dich beim Dreh auch mal verletzt?

Wood: Nichts Ernsthaftes. Einmal bin ich hingefallen und habe mich an der Klinge meines Schwerts geschnitten. Die häufigsten Verletzungen waren blaue Flecken und Schnittwunden.
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Elijah Wood alias Frodo auf dem beschwerlichen Weg nach Mordor
Ricore: Was macht den Stoff von "Der Herr der Ringe" so beliebt?

Wood: Gerade in unserer heutigen Zeit findet man sehr viele Parallelen zur Thematik von "Herr der Ringe". Eine mögliche Interpretation: Der technische Fortschritt bedroht unsere Natur. Mordor wäre in diesem Fall die Technologie. Doch es gibt Millionen Auslegungsmöglichkeiten. Denn die Thematik beinhaltet zeitlose und klassische Aussagen, wie den Kampf zwischen Gut und Böse, oder auch die Erkenntnis, dass man die Hilfe von Freunden braucht, wenn man etwas erreichen will.

Ricore: Trotz seiner Freunde gerät Frodo im dritten Teil der Geschichte immer stärker in die Fänge des Ringes. Wie bist du damit zurechtgekommen?

Wood: Am schwierigsten war es, die finsteren Mächte zu zeigen, die Frodo zum Ende des Films hin übermannen. Realistisch sollte es wirken, nicht zu übertrieben. Es hat mir Spaß gemacht, die Rolle in allen Facetten zu analysieren.

Ricore: Wie entwickelt sich Gollums Schizophrenie?

Wood: Gollum wird wesentlich stärker als Smiegel. Erste Anzeichen dafür findet man bereits gegen Ende des zweiten Teils. Gollums Gier nach dem Ring wird immer größer, er wird ungeduldig und manipuliert Frodo immer stärker. Gegen Gollum ist Smiegel machtlos. Aber obwohl Frodo seine Täuschungsmanöver erkennt, kann er ihn nicht von sich weisen: Er braucht ihn als Führer.

Ricore: Fazit? Wird der dritte Teil den hohen Ansprüchen gerecht?

Wood: Bisher habe ich zwar nur die letzte Stunde von Teil 3 gesehen, doch ich musste dabei so viel weinen wie niemals zuvor. Er ist noch intensiver, erschütternder und düsterer als die beiden ersten Filme. Von Anfang an war das unser Lieblingsteil, und das sieht man auch auf der Leinwand. Glauben Sie mir.
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  13. Dezember 2003
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