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Interview

Vin Diesel in "Fast & Furious Five"

Universal Pictures (UPI)

Action-Held mit Herz

Vin Diesels sensible Seite

Sieht man ihn auf der Leinwand, wirkt Vin Diesel oft wie der typische Macho. Ein muskelbepackter Action-Held, der zuerst drauf haut und dann fragt. Auch in seinem aktuellen Film "Fast & Furious Five" geht es hart zur Sache. Nichtsdestotrotz zeigt Diesel als flüchtender Gesetzloser auch sanftere, fürsorgliche Facetten. Beim Interview läuft es ähnlich ab. Mit seiner dunklen Sonnenbrille und der tiefen, brummenden Stimme wirkt er wie seine Filmfigur Dom, cool und knallhart. Im Laufe des Gesprächs mit Filmreporter.de relativiert sich dieser Eindruck. Das gilt vor allem, wenn Diesel über seine Kinder redet.

Vin Diesel und Paul Walker auf der "Fast & Furious Five"-Premiere

Universal

Ricore: Was macht das "Fast & Furious"-Franchise nach wie vor so populär?

Vin Diesel: Das liegt an der grundlegenden Richtungsänderung nach "Tokyo Drift".

Ricore: Mochten Sie den Teil der Reihe nicht?

Diesel: Doch, ich hatte darin auch einen Cameo-Auftritt. Aber es war kein Teil der Saga. Er steht stellvertretend dafür, wie die ersten drei Teile gehandhabt wurden. Sie hatten keinen Zusammenhang. Nun ist das nicht mehr so. Die erste Szene in "Fast & Furious Five" setzt die letzte Szene aus dem vierten Teil fort.

Ricore: Welchen Einfluss hatten Sie auf die Geschichte?

Diesel: Als man mir den Cameo-Auftritt in "Tokyo Drift" angeboten hatte, sagte man mir, dass noch nicht klar sei, ob Interesse daran bestünde, das Franchise fortzusetzen. Man hatte erst recht kein Interesse daran, das Franchise ohne mich weiterzuführen. Also bot man mir an, einen Teil zu produzieren. Und ich sagte: "Wie wäre es, wenn ich drei produziere?" Zuerst hielt man das für verrückt. Doch die Idee dahinter war, die nächsten drei Teile wie eine Saga zu produzieren, als fortlaufende Geschichte. In "Fast & Furious Five" gibt es Elemente aus dem vorherigen Teil, die für die Action nicht notwendig sind. Warum sollte Dom ins Haus der Polizistin einbrechen, nur um sich seine Kette zurückzuholen? Auch auf Rio als neuer Schauplatz wurde bereits in Teil vier verwiesen. Auf diese Weise kann man das Franchise als Ganzes genießen.


Vin Diesel auf der "Fast & Furious Five"-Premiere

Universal

Ricore: Nach "Fast & Furious Five" wird es also noch einen Teil geben.

Diesel: Ja, es gibt noch eine Geschichte zu erzählen. Das war von Anfang an das Ziel. Obwohl es eigentlich Teil fünf ist, betrachte ich den aktuellen Film als Teil zwei einer Trilogie. Deshalb hieß der vierte Teil in Amerika auch nur "Fast & Furious", ohne Nummer. Damit sollte zum Ausdruck kommen, dass es ein neuer Anfang ist.

Ricore: Sie schauspielern nicht nur, sondern produzieren auch und arbeiten als Regisseur. Auf welche Tätigkeit wollen Sie sich in Zukunft konzentrieren?

Diesel: Das wichtigste für mich ist momentan, bei "Hannibal" Regie zu führen. Das ist ein Traum von mir. Hoffentlich wird die Umsetzung von "Fast & Furious" als Trilogie dabei helfen, auch "Hannibal" als Trilogie realisieren zu können.

Ricore: Was fasziniert Sie so an Hannibal?

Diesel: Gute Frage. Ich weiß nicht, warum ich mich bereits neun Jahre damit beschäftige. Ich weiß nicht, warum ich dafür nach Ägypten gereist bin und auf unbeholfene Weise auf afrikanischen Elefanten, den gefährlichsten der Welt geritten bin. Oder warum ich die letzten acht Jahre immer wieder der Presse sage, dass ich "Hannibal" machen will und immer noch nicht machen kann. Ich weiß es nicht. Es gibt sicherlich eine Menge Gründe. Ich könnte anführen, dass die Geschichte Hannibals die Lieblingsgeschichte meines Großvaters war, als ich ein Kind war. Ich könnte darüber reden, wie multikulturell und interessant es ist, dass er als erster eine mehrsprachige Armee zusammenstellte. Auch "Fast & Furious Five" ist ein multikultureller Film, worauf ich stolz bin und was ich sehr schätze.


Vin Diesel gewohnt brachial in "Fast & Furious Five"

Universal Pictures (UPI)

Ricore: Ist Rassismus nach wie vor ein Problem in Hollywood?

Diesel: Für mich war es ein riesiges Problem. Aus diesem Grund habe ich "Multi-Facial" gemacht. Das ist ein Kurzfilm, der sich damit auseinandersetzt, wie es ist, aufgrund des multikulturellen Hintergrundes nicht in dieser Industrie arbeiten zu können. Ich denke, wir haben bereits einiges erreicht. Dass ich als Schauspieler Arbeit finde, ist ein Beleg dafür. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor Rassismus in Hollywood.

Ricore: In der Öffentlichkeit werden Sie meist als muskulöser Macho-Typ wahrgenommen. Haben sie auch eine feminine Seite?

Diesel: Sicher, wir haben alle eine feminine, einfühlsame Seite. Die braucht man als Schauspieler. Wenn man eine Tochter hat, bringt das zudem ganz andere Seiten in dir zum Vorschein. Zu Ostern habe ich meiner kleinen Tochter ein Video von mir aus Russland geschickt. Sie hat sich das Video immer wieder angeschaut und gesagt: "Daddy, du bist mein Leben." Das von einer Dreijährigen zu hören, ist ziemlich umwerfend.

Ricore: War beim Spielen der Szene in "Fast & Furious Five", als Dom von Mias Schwangerschaft erfährt, Ihre eigene Vaterrolle hilfreich für Sie?

Diesel: Das war eine schwierige Szene. Wie würde Dom darauf reagieren? Darüber mussten wir lange nachdenken. Die Ironie daran ist, dass während des Drehs dieser Szene in Puerto Rico mein Sohn geboren wurde, der inzwischen achteinhalb Monate alt ist. Die Vaterschaftsdiskussion passte also. Es ist interessant, dass Vaterschaft ein Thema bei diesem Film wurde, schließlich ist es ein Action-Film. Doch Action allein reicht nicht, die Zuschauer wollen mehr.


Vin Diesel und Tyrese auf der "Fast & Furious Five"-Premiere

Universal

Ricore: Wie schwer ist es für Sie, von Ihrer Familie getrennt zu sein, während Sie für den Film unterwegs sind?

Diesel: Es ist sehr hart. Es lässt dich darüber nachdenken, wie lange du das machen willst. Einen erfolgreichen Film zu machen, der von Herzen kommt, ist eine wirklich wundervolle Sache. Aber wenn deine Tochter nachts weint, weil du unterwegs bist und sie nicht schlafen kann, weil du nicht zu Hause bist, ist sehr hart. Du bekommst diese Momente nicht zurück.

Ricore: Offensichtlich haben Sie sowohl privat als auch in kreativer Hinsicht eine Sensibilität, die der öffentlichen Wahrnehmung Ihrer Person als simpler Haudrauf-Held widerspricht. Wie gehen Sie mit diesem Image um?

Diesel: In gewisser Weise begrüße ich es. Es ist nicht immer von Vorteil, wenn jeder weiß, wie sehr man alles durchdenkt. Vielleicht liege ich falsch, aber ich brauche nicht mehr Bestätigung. Um in Hollywood wirklich erfolgreich zu sein, muss man oft die eigenen Verdienste zurückstellen. Auch wenn es der eigenen Intuition widerspricht: Wenn du eine brillante Idee hast, überlasse sie jemand anderem und tu so, als hättest du nie davon gehört. Dann wird sie verwirklicht. Wenn du dagegen versuchst, sie festzuhalten, kommt es oft nicht dazu, auch wenn es eigentlich keinen Sinn macht.

Ricore: Paul Walker wünscht sich, dass der nächste "Fast & Furious"-Teil sehr düster werden soll.

Diesel: Er liegt richtig. Der nächste Teil wird sehr viel düsterer. Er wird in Europa spielen und eines will ich schon mal verraten: Während "Fast & Furious Five" die beste Kampfszene seit langem hatte, wird der nächste Teil die beste Sex-Szene haben. [lacht]

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.

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