Buena Vista International
Cuba Gooding Jr.
Oscar-Preisträger Cuba Gooding Jr. über Boote, Hunde, Schülersprecher und 'Jerry Maguire'
Interview: Einfach cool
Cuba Gooding Jr. ist nach Blockbustern wie "Jerry Maguire" und "Pearl Harbor" in den Komödien "Snow Dogs - Acht Helden auf vier Pfoten" und "Boat Trip" zu sehen. Wir trafen den 34-jährigen Oscar-Preisträger in Los Angeles und sprachen mit ihm über seine Jugend, Hunde und Karriere.
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Cuba Gooding Jr. in "Snow Dogs"
Ricore Medien: Mr. Gooding, wann haben Sie Ihren ersten Hund bekommen?

Cuba Gooding Jr.: Ich war auf jeden Fall sehr jung. Ein Leben ohne Hunde kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Wir hatten Huskys, Pit-Bull-Terrier, Doggen und Dackel. KennenSie diesen uralten Film "Benji"? Genau so einen Köter hatten wir auch. Zeitweise liefen bei mir zu Hause bis zu drei Hunde herum. Jetzt habe ich nur noch einen, dafür wiegt der 190 Pfund! Sie merken schon, ich bin vernarrt in diese Tiere.

Ricore: Bei Ihnen ist vieles extrem: Sie gingen auf vier Highschools und waren zweimal Schülersprecher...
Cuba Gooding Jr. in: Snow Dogs
Gooding Jr.: Kurz vor einer Wahl zum Schülersprecher gab es eine Veranstaltung auf dem Football-Platz, bei der sich alle Kandidaten vorstellen mussten. Ein Mädchen wollte das Amt unbedingt haben und hielt 45 Minuten lang eine ziemlich pathetische Rede. Dann war ich an der Reihe. Ich ging auf die Bühne und benahm mich dreißig Sekunden lang wie der größte Clown. Etwa so, als ob ich gerade einen Oscar gewonnen hätte. Daraufhin wählte man mich dann zum Schülersprecher.

Ricore: Oh je.

Gooding Jr.: Halb wo schlimm: Das Mädchen, das gegen mich verloren hatte, wurde dann eine meiner Helferinnen. Sie war so ehrgeizig und engagiert, dass ich mich getrost zurücklehnen konnte. Mir war das natürlich recht.
Cuba Gooding Jr. in: Snow Dogs
Ricore: Wie wurde aus dem Schülersprecher dann ein Schauspieler?

Gooding Jr.: Ich spielte auf der Highschool eine Rolle in dem Theaterstück "Tom Jones". Die Mutter eines Mitschülers sah das Stück und fand mich gut. Sie war Agentin und wollte mich in ihre Kartei aufnehmen. Vier Jahre später, das war 1991, gelang mir dann der Durchbruch: Ich bekam eine der Hauptrollen in "Boyz N the Hood".

Ricore: Danach wurde es still um Sie. Erst fünf Jahre nach "Boyz N the Hood" haben Sie mit "Jerry Maguire" Ihren nächsten Kassenhit gelandet.

Gooding Jr.: Das ist nur zum Teil richtig, denn in der Zeit dazwischen spielte in sage und schreibe zehn Filme mit! Leider waren sie nicht besonders erfolgreich. Aber meine Aufgabe als Schauspieler ist ja in erster Linie, überhaupt Filme zu drehen. Du hoffst natürlich, dass deine Arbeit Anklang beim Publikum findet, aber manchmal läuft es eben anders als erwartet.
Concorde Filmverleih
Szene aus: Boat Trip
Ricore: Wie kam es zu "Jerry Maguire"?

Gooding Jr.: Ich wurde zu einem Vorsprechen eingeladen und bekam das Drehbuch erst wenige Stunden vorher zugeschickt. Mein Partner beim Casting war Robin Williams, und ich war überhaupt nicht vorbereitet. Trotzdem lief es toll, und ich wurde zu weiteren Vorsprechen bestellt. Erst später erfuhr ich, dass Williams nur ausgeholfen hatte und ich im Film an der Seite von Tom Cruise spielen würde. Ich bekam beinahe einen hysterischen Anfall, so sehr freute ich mich über die Zusage. Zu Recht: Immerhin bekam ich dafür später einen Oscar!

Ricore: Hat Ihnen dieser Oscar viele zusätzliche Rollenangebote eingebracht?

Gooding Jr.: Vor "Jerry Maguire" musste ich befürchten, dass meine Karriere bei billigen Fernsehfilmen enden würde. Nach dem Oscar aber arbeite ich mit Superstars wie Robin Williams und Anthony Hopkins zusammen. Besser hätte es für mich nicht laufen können. Seien wir mal ehrlich: Es ist einfach cool, einen Oscar zu gewinnen!
Concorde Filmverleih
Szene aus: Boat Trip
Gooding Jr.: Nein. Meine Karriere begann mit achtzehn Jahren. Wenn meine Kinder volljährig sind, können sie diese Entscheidung selbstverständlich selber treffen. Aber vorher möchte ich das nicht. Meine Kinder sollen behütet aufwachsen.

Ricore: Während Ihrer Kindheit ließen sich Ihre Eltern scheiden, kamen später aber wieder zusammen. Was war das für ein Gefühl?

Gooding Jr.: Es war einfach fantastisch! Stellen Sie sich vor: Dreizehn Jahre nach ihrer Trennung fanden sie wieder zusammen. Eigentlich wurde ich nur von meiner Mutter großgezogen. Zu meinem Vater habe ich erst sehr viel später einen Draht gefunden. Als ich erwachsen war, gab er mir dafür Ratschläge fürs Leben.
Concorde Filmverleih
Szene aus: Boat Trip
Ricore: Was macht für Sie ein guter Vater aus?

Gooding Jr.: Für mich ist es enorm wichtig, mit meinen Kindern in ständigem Dialog zu stehen. Kinder sind geistig sehr viel weiter, als man ihnen zutraut. Sie werden so schnell erwachsen. Es bringt überhaupt nichts, sie anzubrüllen oder gar zu schlagen. Das fordert nur ihren Widerstand heraus.

Ricore: Sie spielen momentan in sehr vielen Komödien mit. Wie kamen Sie zu der Rolle in "Boat Trip", einem in Deutschland gedrehten Film?

Gooding Jr.: Ich habe eine Wette verloren! (lacht) Nein, es war einfach das witzigste Drehbuch, das ich je gelesen habe: Die Geschichte von zwei heterosexuellen Männern, die sich auf ein Kreuzfahrtschiff mit schwulen Passagieren verirren. Diesen Film musste ich einfach machen.
Von  Rico Pfirstinger/Filmreporter.de,  6. Februar 2003
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