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Interview

Johnny Depp auf der "Lone Ranger"-Pressekonferenz in Berlin
Disney and Jerry Bruckheimer, Inc.

Ein bisschen Politik in Disney-Land

Johnny Depps Wiedergutmachung
Johnny Depp ist in seiner Rolle als Indianer im Neowestern "Lone Ranger" kaum wiederzuerkennen. Wie in der "Fluch der Karibik"-Filmreihe verschwindet der Schauspieler weitgehend hinter einer Maske, wie dort geht er auch hier wieder ganz in seiner Rolle auf. Damit ist auch eine besondere Identifikation des 50-Jährigen mit dem Charakter gemeint. Für Depp ist seine Darstellung Tontos ein kleiner Beitrag zur Wiedergutmachung an den amerikanischen Ureinwohnern, die von Hollywood immer schlecht behandelt wurden. Das verriet Johnny Depp in Las Vegas im Gespräch mit Filmreporter.de. Außerdem sprach er von seinem neuen Projekt als Regisseur, seiner Leidenschaft für die Musik und seinen Unfall bei den Dreharbeiten zu "Lone Ranger".
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de,  7. August 2013
Johnny Depp und Armie Hammer in "Lone Ranger"
Disney and Jerry Bruckheimer, Inc.
Johnny Depp und Armie Hammer in "Lone Ranger"

Inkognito mit Bandanas und Nasenprothese...

Ricore Text: Sie sind in Ihrer neuen Rolle als Indianer Tonto kaum wiederzuerkennen. Haben Sie sich jemals gewünscht, unter einer Maske zu verschwinden, damit die Menschen Sie nicht erkennen?

Johnny Depp: Ich habe tatsächlich in der Öffentlichkeit schon Masken getragen. Das ist kein Scherz. Ich trug auf dem Kopf Bandanas und hatte mir sogar mal eine Nasenprothese machen lassen.

Ricore: Wie ist es, Johnny Depp zu sein?

Depp: Schwer zu sagen. Es ist schön, noch immer im Spiel zu sein, ohne es noch wirklich spielen zu müssen. Ich habe dieses Hollywood-Spiel nie wirklich gespielt. Stattdessen habe ich immer mein eigenes Ding durchgezogen.

Ricore: Tonto, ihre Figur in "Lone Rangers", heißt übersetzt "blöd" bzw. "dumpf". Haben Sie sich jemals so gefühlt?

Depp: Ja, der Name ist sehr präzise. Das bin ich. Ehrlich gesagt, dachte ich nie, dass ich besonders klug sei.

Ricore: Stimmt es, dass Sie von amerikanischen Ureinwohnern während der Arbeit an "Lone Rangers" mit einem Preis ausgezeichnet wurden?

Depp: Ja, die Produktion wurde von den Stämmen der Navaho und der Comanchen gesegnet. Sie waren sehr großzügig. Eine Comanche-Anführerin wollte mich in ihrer Familie und ihrem Stamm aufnehmen. Das wird für immer die größte Ehre sein, die mir jemals zuteil wurde.

Ricore: Haben Sie sich mit Ihren eigenen Wurzeln auseinandergesetzt?

Depp: Es macht keinen Sinn, meine Herkunft zurückzuverfolgen. Es würde auf den Zeitpunkt hinauslaufen, als ein Vorfahre das Produkt einer Vergewaltigung wurde. Ich meine eine echte Vergewaltigung, nicht die durch Hollywood.

Ricore: Inwiefern könnte Tonto für die heutige Zeit eine Relevanz haben?

Depp: Er ist wichtig, weil die amerikanischen Ureinwohner von Hollywood immer schlecht behandelt wurden. Als Wilde wurden sie dargestellt. Ich wollte Tonto nicht als Sidekick zur Hauptfigur darstellen, sondern als Krieger. Ich wollte ihn als einen Mann von Integrität und Würde zeigen. Das ist mein kleiner Beitrag zur Wiedergutmachung.


Wilder Krieger: Johnny Depp in "Lone Ranger"
Disney and Jerry Bruckheimer, Inc.
Wilder Krieger: Johnny Depp in "Lone Ranger"

Krähe auf dem Kopf: Johnny Depp als indianischer Krieger

Ricore: Konnten Sie bei der äußeren Erscheinung der Figur ein Wörtchen mitreden?

Depp: Ich sah ein Gemälde eines Kriegers, der mit senkrechten Streifen auf seinem Gesicht versehen war. Das fesselte mich sehr. Auf dem Gemälde war auch eine Krähe zu sehen. Davon ausgehend entschied ich mich für einen toten Vogel als spirituellen Führer von Tonto. Das sollte jeder mal ausprobieren, das hat was.

Ricore: Welche Bedeutung hat das Make-up sonst?

Depp: Das Make-up bedeutet einfach alles. Durch Make-up ersetzt man das eigene Gesicht mit dem des Charakters. Ich saß täglich stundenlang in der Maske. Manchmal bin ich damit nach Hause gegangen. Es sah komisch aus und fühlte sich nicht besonders bequem an. Meine Kinder mochten es.

Ricore: Wie schwer fiel es Ihnen, Jack Sparrow zu verlassen?

Depp: Er ist immer noch da, war nie wirklich weg. Er ist Teil meiner Persönlichkeit. Das könnte eines Tages vielleicht zu einem Problem in meinem Leben werden. Aber noch mache ich mir deswegen keine Sorgen.

Ricore: Stimmt das Gerücht, dass Sie sich Ihre eigenen Filme niemals ansehen?

Depp: Ich habe vor langer Zeit entschieden, dass es besser ist, wenn ich mir meine Filme nicht ansehe. Das schadet mir nur. Es ist besser, ich bleibe so ignorant wie möglich. Ich liebe den kreativen Prozess und nehme diese Erfahrung gerne mit. Jemand hat mal ein Zusammenschnitt der unterschiedlichsten Filmen erstellt, die ich gemacht habe. Als ich all die Charaktere nochmal vor mir sah, war ich erstaunt darüber, wie viele es waren. Und dass ich überhaupt noch Arbeit bekomme. Ich war wirklich schockiert.

Ricore: Wie stehen Sie dazu, dieses Jahr 50 Jahre alt geworden zu sein?

Depp: Es wäre schlimmer, nicht 50 Jahre geworden zu sein. Es macht mir nichts aus. Altern ist die einzige Konstante, die uns in unserem Leben bleibt, bis wir sterben.


Johnny Depp auf der "Lone Ranger"-Premiere in Berlin
Disney and Jerry Bruckheimer, Inc.
Johnny Depp auf der "Lone Ranger"-Premiere in Berlin

Dokumentation über Keith Richard

Ricore: Werden Sie jemals wieder Regie führen?

Depp: Ja, ich arbeite seit einem Jahr an einer Dokumentation über Keith Richards. Ich will ihn von einer Seite zeigen, welche man noch nicht kennt. Keith ist ein außergewöhnlicher Mensch. Der Film handelt davon, wie wir beide nur dasitzen und uns unterhalten. Es geht um den Sinn des Lebens.

Ricore: Erzählen Sie bitte von dem Unfall, den Sie während der Dreharbeiten hatten?

Depp: Oh Mann, das Pferd hatte es auf mich abgesehen. Wir hatten die Pferde an dem Tag ganz schön hart rangenommen. Mein Pferd Scout wollte über ein Hindernis springen, dann passierte es. Es ging alles sehr schnell und langsam zugleich.

Ricore: Sind Sie vom Pferd gefallen?

Depp: Fast und das war auch schon der beängstigende Teil daran. Das Pferd war sehr muskulös und schnell. Nach dem Sprung rutschte ich von seinem Rücken, konnte mich aber noch an der Mähne festhalten. An einem bestimmten Punkt musste ich aber eine Entscheidung treffen. Soll ich warten oder soll ich mich fallen lassen? Ich entschied mich, loszulassen und so fiel ich runter. Ich hatte großes Glück, das Pferd hätte mich tottrampeln können.

Ricore: Haben Sie sich verletzt?

Depp: Ich konnte gleich aufstehen. Der Schmerz wird vielleicht später kommen.

Ricore: Welche Rolle spielt Musik heute in Ihrem Leben?

Depp: Musik war meine erste Liebe. Ich mache seit meiner Kindheit Musik und habe damit nie wirklich aufgehört. Ich werde oft gefragt, auf der Bühne zu spielen. Einige, die mich gesehen haben, glauben, ich könnte Gitarre spielen. Ich liebe es auf der Bühne Musik zu machen. Ich mache jeden Tag Musik. Meine Kinder lieben auch Musik. Lilly Rose summte neulich zu Hause die Melodie eines meiner Songs.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de,  7. August 2013

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