Jean-François Martin/Ricore Text
Steven Spielberg
Konkurrenz neuer Anbieter belebt das Geschäft
Feature: Digitalisierung revolutioniert die Unterhaltungsindustrie
Nun auch noch Steven Spielberg. Im Juni 2021 wird bekannt, dass dessen Produktionsfirma Amblin mit Netflix einen Vertrag über die Produktion mehrerer Filme pro Jahr geschlossen haben. Die Fans fürchten, dass weitere Auftritte von Indiana Jones oder E.T. nur beim Streaminganbieter folgen. Doch Spielberg, bislang eher ein erbitterter Gegner der neuen Anbieter, gibt Entwarnung. Er strebe eine Koexistenz an. Mit seinen großen Filmen bleibe er dem Kino treu.
erschienen am 5. Juli 2021
Nicola Turri/Ricore Text
Museum Lichtspiele Muenchen
Piraterie macht Druck, legale digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln
Netflix, Amazon, MUBI oder Disney+ sind ebenso wie Spotify und unzählige Online-Games-Seiten aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Streaming-Dienste bedienen den Wunsch nach der ständigen Verfügbarkeit von Inhalten. Ihren Siegeszug verdanken sie dem ständigen Fortschritt bei der Digitalisierung. Vorbei sind die Zeiten, in denen lange Übertragungszeiten, eingefrorene Bilder und ruckelnde Szenen die User nervten. Die Erhöhung der Schnelligkeit der Übertragungen ermöglicht es ihnen heute, ihrem Hobby auf allen Endgeräten jederzeit zu frönen.

Bei der Schaffung legaler Downloadangebote und Musikdienste wird die Branche auch von illegalen Angeboten getrieben, insbesondere im Musikbereich. Die Urheberrechte der Musiker und Musikerinnen interessieren weder die ersten selbst ernannten Piraten, die in den illegalen Downloads bald ein profitables Geschäftsmodell entdecken, noch die Musikliebhaber, die ihre Lieblingstitel endlich kostenfrei und jederzeit genießen.

Die Schaffung eines legalen Marktes erschwert zudem, dass die Eigner von Plattformen wie YouTube in den USA sitzen. Sie verstehen sich ausschließlich als Verbreiter von Inhalten und wollen keine Verantwortung für die Achtung der Urheberrechte übernehmen. Und auch bei den Kunden setzt sich erst langsam die Einsicht durch, für das Hören von Musiktiteln oder das Herunterladen zu zahlen, damit Musiker leben und neue Werke schaffen können.
The Walt Disney Company (Germany)
Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (4K Ultra HD + Blu-ray + Bonus Disc)
Regiestars wechseln zu Streaming-Anbietern
Die Anbieter von Online-Games kämpfen anfangs mit anderen Anlaufschwierigkeiten. Die ersten Spiele und ihre Grafiken sind eher einfach gehalten. Mit der Vervollkommnung der digitalen Technik, die heute phantasievolle Wunderwelten erschafft oder Menschen und Tierwelt real abbildet, steigt der Reiz für die Spieler. Sie finden heute wie hier eine große Auswahl an perfekt kreierten Angeboten für alle Altersklassen, die in fremde Welten entführen, an bekannte Mythen und Märchen anknüpfen oder virtuelle Fußballspiele möglich machen. Dank der schnellen Internetverbindungen sind die Spieler längst nicht mehr an den eigenen Umkreis gebunden und finden weltweit Mitspieler.

Auch die Streaminganbieter krempeln ihre digitalen Angebote um. Ihren Erfolg verdanken sie auch der Bräsigkeit des Programmangebots der Fernsehsender und den Veränderungen im Spielfilmangebot: Hollywood setzt verstärkt auf Fantasy-Spektakel und das Arthouse-Kino tut sich mit erschwerten Produktionsbedingungen in vielen Ländern schwer. Andererseits beflügelt der Zuspruch für die neuen Anbieter die Produktion und stachelt die traditionellen Anbieter an, künstlerische Risiken einzugehen.

Auch renommierte Regisseure ziehen die Konsequenz aus der Einseitigkeit der Hollywood-Maschinerie, die im vergangenen Jahrzehnt vor allem auf Blockbuster aus dem Marvel-Boom, der nächsten Folge des "Star Wars"-Franchise oder Sequels zu Kinohits setzt. Gegenüber Meistern wie Martin Scorcese oder Steven Soderbergh zeigen sich die Studiobosse dagegen geizig bei der Finanzierung neuer Vorhaben. Viele Regisseure produzieren immer mehr Filme für Streamingdienste, die sie mit offenen Armen empfangen.
La Biennale
Palazzo del Cinema 2006
Filmperlen auf Streamingportalen erzürnen Festivals und Kinobetreiber
Die Distribution ihrer Filme stellt die Filmbranche vor ein Dilemma. Beim Festival von Cannes sorgt die Einladung der von den Streaming-Diensten produzierten Filme ebenso für heftige Diskussionen wie in Berlin oder Venedig und den Oscar-Verleihungen. Ebenso heftig wird regelmäßig um den Einsatz der Filme im Kino im Vorfeld der Streaming-Auswertung gerungen. Lange werden Abgrenzung und Konkurrenz beschworen. Dabei ist es längst eine Binsenweisheit, dass eifrige Kinogänger überdurchschnittlich auch Streaming-Abos nutzen. Zudem ist davon auszugehen, dass DVDs, Blu-Rays und Co. an Popularität einbüßen werden.

Längst zeigen die Streaminganbieter nicht nur auf Filme und Serien made in USA. Konsequent setzen sie auf Inhalte aus aller Herren Länder - so wird die deutsche Serie "Lost" ein Hit in 198 Ländern und Omar Sy bezirzt weltweit die Zuschauer als "Arsene Lupin" in der französischen Neuauflage des Klassikers. Alleine Netflix gibt weltweit Content im dreistelligen Millionenbereich in Auftrag, darunter auch manche Arthouse-Produktionen.

Sie stoßen in eine Lücke, die sich der deutsche Kinomarkt selbst schuf. In den Neuen Bundesländern schließen nach der Wende drei Viertel der Filmtheater, dafür öffnet in Günthersdorf zwischen Halle und Leipzig 1991 das erste Multiplex Deutschlands. Seitdem erblühen in größeren Städten wieder Arthouse-Pflänzchen, doch in vielen Regionen wird das Angebot schmerzlich vermisst. Außerdem wird bei der Digitalisierung der Kinos die Chance verpasst, sich aus jahrzehntelang bewährten Strukturen zu lösen, die mit dem Transport der analogen Filmkopie verbunden sind. Die deutschen Verleiher setzen weiterhin auf eine wöchentliche Programmierung, was die Kinos hindert, beim Angebot von mehr als 600 Filmen im Jahr aus dem Vollen zu schöpfen.
The Walt Disney Company (Germany)
Mulan (2020)
Kino an der Ecke, Multiplexe und Sender reagieren
Mittlerweile setzt die digitale Konkurrenz in den USA das Kino extrem unter Druck. Disney wertet während der Corona-Kinoschließungen seinen potentiellen Hit "Mulan" mit Ausnahme Chinas nur digital aus, weitere Titel folgten zum Ärger der Kinobesitzer. Andere Verleiher starten ihre Blockbuster zeitlich digital und im Kino oder verkürzen die exklusive Auswertungszeit für die Filmtheater auf wenige Wochen. Diese Politik hat Auswirkungen auf den europäischen Markt. Seit der Digitalisierung und dem Auftauchen der ersten Raubkopien im Internet starten die Blockbuster zeitgleich auf beiden Seiten des Atlantiks.

Für Aufsehen sorgten die Streaming-Dienste zunächst weniger mit Spielfilmen als mit ihren Serien, die die Sehnsucht der Zuschauer nach epischer Breite und dem Eintauchen in fremde Welten erfüllen. Sie nehmen sich die Zeit, die Gefühle ihrer Figuren auszubreiten und nicht von einem Ereignis zum nächsten zu hetzen. Dieses Erfolgsrezept spricht sich rum und gab der Serienproduktion weltweit einen Qualitätsschub. Wobei die Grenzen zwischen Pay-TV, privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern durchlässiger werden. Die Verantwortlichen haben erkannt, dass sie nebeneinander existieren können.
erschienen am 5. Juli 2021
Zum Thema
Steven Spielberg ist der wohl erfolgreichste Regisseur aller Zeiten. Er studiert Englisch am California State College, Long Beach Kalifornien. Im Jahr 1960 gewinnt er mit seinem 40-minütigen Kurzfilm "Escape to Nowhere" einen Amateurfilmwettbewerb. In den späten 60er Jahren ist er als Serien- und Film -Regisseur im TV-Bereich bei Universal tätig. 1974 macht er mit "Sugarland Express" sein Debüt in den Kinos. Mit "Der weiße Hai" gelingt ihm bereits ein Jahr später der erste Blockbuster, der..
Mulan 3D (Kinofilm)
Die Legende von Mulan entstand im China des 4. oder 5. Jahrhunderts. 1998 wurde es zur Vorlage eines Zeichentrickfilms von Aladdin" oder "Dumbo" nochmals zu verfilmen. Beim "König der Löwen" blieben die Macher so nahe am Original, dass manch Fan dachte, er könne jede Szene mitspielen.
Weitere Features
Mumien, wie Hollywood sie sieht
Hollywood setzt auf Starpower
2021