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Hunger

Originaltitel
Hunger
Genre
Drama, Historienfilm
 
Großbritannien 2008
 
100 min, ab 16 Jahren (fsk)
Kinostart
13.08.2009 (D) bei
Fugu
Regie
Darsteller
Homepage
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brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
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Hunger""
Ascot Elite
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Freiheitskämpfer hungert für eine bessere Welt

IRA-Aktivist Davey Gillen (Brian Milligan) wird 1981 im berüchtigten H-Block des Maze-Gefängnisses in Nordirland inhaftiert. Dort sind ausschließlich Häftlinge untergebracht, die als nicht kooperativ gelten. Für die Einweisung in den H-Block reicht es allerdings auch, den Status eines politischen Inhaftierten einzufordern. Zu hundert Prozent der Sträflingen handelt es sich um Anhänger der Irisch-Republikanischen Armee (IRA), die ein gemeinsames Ziel haben: Sie wollen nicht als gewöhnliche Kriminelle behandelt werden, sondern als Menschen, die aufgrund ihrer politischen Überzeugungen eingesperrt sind. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und gegen die inhumanen Zustände im Gefängnis zu protestieren, gehen sie an die Grenze ihrer physischen und psychischen Konstitution. Seit Monaten befinden sie sich in einem 'Blanket'- und 'No Wash'-Protest. Sie verweigern die Häftlings-Kluft und waschen sich nicht mehr. Um den Gestank zu verschlimmern, sammeln sie ihren Urin in Eimern. Auf Kommando lassen sie diesen durch die Spalte ihre Zellentür auf den Gang laufen. Die Aufseher, die dieses Szenario täglich miterleben, sind mit den Nerven am Ende. Sie lassen bei jeder Gelegenheit ihren Frust an den Insassen aus. Ein Einlenken der britischen Regierung im weit entfernten London ist nicht in Sicht, als IRA-Anführer Bobby Sands (Michael Fassbender) eine folgenschwere Entscheidung trifft.


"Hunger" setzt auf einen eindringlichen Weg, um Brutalität und Unmenschlichkeit darzustellen. Steve McQueen verzichtet darauf, den Effekt der Gewalt und des Ekels durch übermäßige Steigerung oder Wiederholung zu verstärken. Nur dieser Aspekt macht sein Drama erträglich. Die wahllosen Prügel werden durch die geschundenen, halbnackten Körper der Häftlinge ausreichend vor Augen geführt. Es ist nicht nötig, ständig zu zeigen, was jeder Zuschauer sowieso weiß. McQueen legt den Fokus auf die kleinen Nuancen, um das Grauen und die Unmenschlichkeit des politisch motivierten Strafvollzugs zu zeigen. So etwa die erniedrigende Weise, wie alle Körperöffnungen an den Besuchstagen kontrolliert werden, um zu vermeiden, dass Nachrichten vor bzw. hinter die Gefängnismauern dringen. McQueen traut sich Bilder zu benutzen, die dem Leid und Elend diametral entgegenstehen und trotzdem irgendwie passen. Er ist in erster Linie Künstler und deswegen ist sein Filmdebüt in hohem Maße künstlerisch konzipiert. Im einzigen längeren Dialog des Dramas wird sein anthropologischer Anspruch als Kunstschaffender deutlich: Die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit, das eigene Leben als politisches Instrument zu benutzen. Eindrucksvoll balanciert Michael Fassbender in seiner Darstellung von IRA-Anführer Bobby Sands diesen Konflikt aus. Der Zuschauer leidet auf dessen Weg des Widerstands bis zuletzt mit. Trotzdem gibt es in dieser filmischen Auseinandersetzung mit der britischen Politik in Bezug auf Nordirland keine Polarität Gut gegen Böse. McQueen urteilt nicht, er fühlt mit und versetzt sich in die Protagonisten hinein. Er hat es geschafft, sein Film lässt niemanden kalt.
Hunger
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Galerie: Hunger
Mit "Hunger" liefert der britische Künstler Steve McQueen sein Leinwanddebüt. Das verstörend eindringliche Drama spiegelt Ereignisse aus dem Jahre 1981 wieder. mehr
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