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Stilles Chaos

Originaltitel
Caos calmo
Alternativ
Quiet Chaos (Festivaltitel)
Genre
Drama
 
Italien 2008
 
112 min
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
19.06.2009 ( D | CH | A ) bei Filmladen
 
 
Regie
Darsteller
Links
|0  katastrophal
brilliant  10|
6,3 (3 User)
7,0 (Filmreporter)
Caos calmo (Szene 01)
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenMeinungenNewsTrailerGalerienDVDsbewerten

Kann eine Parkbank der Trauerbewältigung dienen?

Pietro (Nanni Moretti) verbringt mit seinem Bruder Carlo (Alessandro Gassman) einen geruhsamen Nachmittag am Strand. Doch dann ertönen Hilferufe aus dem Wasser. Eine Frau ist dem Ertrinken nahe. Geistesgegenwärtig springen die Männer ins Meer und ziehen die Frau heraus. Für einen kurzen Moment fühlen sie sich als Helden. Doch als sie zum Haus zurückkehren, werden sie auf den harten Boden der Realität zurückgeworfen. Pietros Frau zog sich bei einem Sturz tödliche Verletzungen zu. Seine kleine Tochter Claudia frägt ihn immer wieder, wo er denn gewesen sei, sie hätte ihn nicht finden können. Dieser Moment verändert Pietros Leben nachhaltig. Der Topmanager, für den der Beruf über allem stand, meidet fortan sein Büro. Es interessiert ihn wenig, dass seine Firma kurz vor der Fusion mit einem amerikanischen Unternehmen steht. Lieber begleitet er seine Tochter in die Schule und wartet im angrenzenden Park, bis sie am Abend das Gebäude verlässt. Sein gesamtes Leben findet fortan auf der Parkbank vor Claudias Schule statt. Für das Mädchen ist es nicht einfach, doch Pietro will sie nie wieder alleine lassen. Doch auch für ihn kommt der Moment des Loslassens.


Regisseur und Schauspieler Nanni Moretti ist in Italien seit vielen Jahren ein Star. Filmfans vergöttern ihn, sie lieben seine Filme - ob er als Schauspieler mitwirkt oder als Regisseur. Er spricht den gebildeten Italienern aus den Herzen und reißt sie aus ihrer faden Alltag heraus. Daher verwundert seine Teilnahme in "Stilles Chaos" doppelt. Inhaltlich ähnelt die Geschichte stark seinem 2001 entstandenem "Zimmer meines Sohnes", bei dem er nicht nur die Regie führte, sondern auch die Hauptrolle übernahm. Erneut geht es wieder um Trauerbewältigung, und wie man reagiert, wenn ein Familienmitglied verstirbt. Wie vor sieben Jahren besitzt auch "Stilles Chaos" seine eigene Dynamik. Die Herausforderung von Regisseur Antonio Luigi Grimaldi bestand darin, dass der Großteil des Films auf einer Parkbank stattfand. Und das über einen langen Zeitraum und alle Jahreszeiten hinweg. Zwangläufig begegnet er unterschiedlichen Persönlichkeiten, schließt Freundschaft mit dem nahen Kioskbesitzer und kennt die Namen der Gassi gehenden Hunde der Gegend. Der ruhige Erzählton schafft es dennoch, die Aufmerksamkeit des Betrachters für sich zu gewinnen. Zudem beinhaltet der Film witzige Elemente, die sich aus kleinen, skurrilen Situationen ergeben. Gegen Ende überrascht Moretti ein zweites Mal. Es kommt zu einer offenherzigen Sex-Szene, die in Italien und dem Vatikan Empörung auslöste. Grund dafür mag vielleicht die Überlänge des sexuellen Zusammentreffens, die unromantischen Situation oder die viele nackte Haut sein, so genau kann man dies nicht beurteilen. Jedenfalls hat man in einem katholischen Land wie Italien Moretti nicht zugetraut, dass dieser seinen nackten Hintern frech der Kamera entgegenstrecken würde. Wie das Drama mit einem derart starken Finale im Ausland funktioniert, bleibt abzuwarten. Der Geschmack der Leute ist ja zum Glück bekanntlich unterschiedlich.
Caos calmo
Caos calmo (Szene 01)
Trailer: Stilles Chaos
Pietro (Nanni Moretti) ist vielbeschäftigter Topmanager. Für seine Familie hat er nur begrenzt Zeit. Das ändert sich schlagartig, als seine Frau im Sommerurlaub verstirbt.  Clip starten

Galerien: Stilles Chaos
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