Paramount Pictures
James Caan in "Spieler ohne Skrupel" ("The Gambler", 1974)
Intellektuelle im Casino
Feature: Große Denker, tragische Glücksspieler
Ins Casino gehen alle Klassen und Bildungsgrade. Auch kluge und sensible Menschen zieht es an die Glückstische. Nachfolgend thematisieren wir Filme zum Thema und sprechen über Persönlichkeiten, die nicht nur große Denker, sondern auch Glücksspieler waren.
erschienen am 1. Oktober 2020
Paramount Pictures
Kinoposter zu "Spieler ohne Skrupel" ("The Gambler", 1974)
Online-Casinos boomen
Heute haben es Glücksspieler leicht. Mit dem Phänomen Online-Casino kann die Glücksjagd online stattfinden. Und das Glück scheint zum Greifen nah. Das heißt: Man kann jederzeit und überall spielen - im Wohnzimmer, in der U-Bahn, während der Arbeitspause. Alles was es dafür braucht, ist ein internetfähiges Gerät und die entsprechende Glücksspielseite - so wie das Schweizer Portal Casino777.

Mit den Online-Casinos hat sich die Gefahr des sozialen Verrufs minimiert. Denn manche Gesellschaftsgruppen riskieren an Glückspieltischen nicht nur, ihr Geld zu verlieren, sondern auch ihr Ansehen. Vor allem bei Intellektuellen ist die Fallhöhe groß. Mit gutem Grund werden spielende Geistesgrößen in Literatur und Film gerne zum Thema gemacht: Ein Künstler oder ein Schriftsteller, ein Mathematiker oder Naturwissenschaftler, der seiner Leidenschaft wegen aus der sozialen Mitte geworfen wird - das ist bestes dramaturgisches Schmiermittel.
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James Caan in "Spieler ohne Skrupel" ("The Gambler", 1974)
Filmklassiker "Spieler ohne Skrupel"
Das zeigt auch das Filmdrama Drama "Spieler ohne Skrupel" von Karel Reisz mit James Caan in der Hauptrolle. Der Klassiker aus dem Jahr 1974 kreist um einen Schriftsteller und Professor für englische Literatur (Caan) mit einem ausgesprochenen Hang zum Glücksspiel. Die Leidenschaft des Intellektuellen wird zur Sucht, die für ihn wiederum soziale Folgen hat. Er häuft immer mehr Schulden hat, er belügt seine Familie, er gefährdet sein Beziehung - all das ist harter Tobak und doch nur der Anfang seines steten sozialen Abstiegs.

"Spieler ohne Skrupel" zeigt nicht nur, wie künstlerisch tauglich ein solcher Stoff ist, sondern auch wie verankert er in der Wirklichkeit ist. Der Film basiert auf dem Leben seines Drehbuchautors James Toback, der selbst lange ein Doppelleben führt als Literaturdozent auf der einen Seite und als Spielsüchtiger auf der anderen.

Damit Toback kein Einzelfall, aber symptomatisch dafür, wie nah auch Intellektuelle dem Glücksspiel bisweilen kommen können. Mehr noch: Vielleicht neigen gerade sie, die Klugen und Gebildeten also, die besonders Empfindsamen und Sensiblen zu diesem Laster. Glücksspiel hat schließlich nicht nur mit Glück zu tun, dafür braucht es auch Köpfchen, man muss sich Zahlen und Karten merken, Wahrscheinlichkeiten ausrechnen. Und: Hier kann man in Abgründe blicken, die im Alltag schon mal unentdeckt bleiben. Vor allem für Künstler mag das verlockend sein, geht es ihnen doch auch und allen voran um die Erkenntnis und die Vermittlung verborgener und nicht gerade lehrbuchtauglicher Wahrheiten.

Auch der Glücksspiel-Intellektuelle in "Spieler ohne Skrupel" blickt in einen Abgrund, der eine Wahrheit ist - eine Wahrheit über das Wesen des Glücksspiels, des Glücksspielers und die Natur des Menschen. Er spiele nicht um des Gewinnens willen, sagt er einmal, die eigentliche Triebfeder sei vielmehr, verlieren zu wollen. Glückspiel? Nein, eher Pechspiel!
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James Caan in "Spieler ohne Skrupel" ("The Gambler", 1974)
Toback kein Einzelfall - Bekannte Glücksspieler
Klar, dass das nicht die einzige Motivation ist. Sicher ist aber, dass die Intellektuellen und die Künstler ebenso beharrlich dem Glücksspiel erliegen wie die Otto Normalverbraucher. So ist das heute, und so war das schon immer. Etwa im 19. Jahrhundert, als es einen gewissen Fjodor M. Dostojewski regelmäßig an die Glückstische zieht. Der Schöpfer literarischer Meisterwerke wie "Der Idiot", "Schuld und Sühne" (oder: "Verbrechen und Strafe") und "Die Brüder Karamasow" ist auch ein passionierter und leidgeprüfter Glücksspieler. Seine Erfahrung verarbeitet der Russe in dem Kurzroman "Der Spieler", der übrigens Toback für "Spieler ohne Skrupel" Pate steht.

So deutlich wie bei Dostojewski finden sich die Glückssiel-Spuren im Werk Gotthold Ephraim Lessings zwar nicht, doch auch der deutsche Klassiker ist spielsüchtig. In Frankreich erwischt es ungefähr zur gleichen Zeit, also im 18. Jahrhundert, den Philosophen und Schriftsteller Voltaire. In Italien betet – wiederum im selben Jahrhundert - Frauenheld Giacomo Casanova neben dem schwachen Geschlecht vor so manche rollende Roulettekugel an. Von ihm und den anderen genannten Geistesgrößen unterscheiden sich Winston Churchill und Harry S. Truman darin, dass sie hauptberuflich Politiker sind. Was sie mit den anderen aber eint: Auch sie sind bekennende Glücksspieler. Beim Poker treten sie angeblich sogar einmal gegeneinander an. Truman soll gewonnen haben.
erschienen am 1. Oktober 2020
Zum Thema
Karel Reisz' Klassiker aus dem Jahr 1974 kreist um einen Schriftsteller und Professor für Englische Literatur (James Caan) mit einem ausgesprochenen Hang zum Glücksspiel. Die Leidenschaft des Intellektuellen wird zur Sucht, die für ihn wiederum soziale Folgen hat.
US-amerikanischer Charakterdarsteller, geboren in New York. Nach zahlreichen Theaterrollen erster Auftritt vor der Kamera in der Serie "Gnadenlose Stadt". In Howard Hawks' Westernklassiker "El Dorado" ist er an der Seite der Schauspiel-Ikonen John Wayne und Robert Mitchum zu sehen. Für die Nebenrolle in Francis Ford Coppolas Gangsterepos "Der Pate" erhält er seine erste und einzige Scott Caan, der ebenfalls Schauspieler ist.
Weitere Features
Mit Dopingsündern im Sattel
Mit Lara Croft auf Entdeckungsreise
2022