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RETRO Feature
Die Braut kam per Nachnahme
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Hollywoodlegende James Cagney

Der tanzende Gangster

Mit seinen Rollen als Ganove in Filmen wie "Der öffentliche Feind" oder "Leichtes Geld" ist James Cagney dem älteren Kinopublikum immer noch im Gedächtnis. In Liebeskomödien wie "Schönste der Stadt" zeigte Cagney aber auch seine sanfte Seite auf der Leinwand. Und sogar in Kleidern tanzen konnte der kleine Schauspieler, wer hätte das gedacht?
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de,  5. August 2020
Helden der Lüfte
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Helden der Lüfte

Märchen der Traumfabrik?

James Francis Cagney, Jr. wurde am 17. Juli 1899 in New York geboren. Das Leben des späteren Hollywoodstars liest sich wie ein Märchen aus der Traumfabrik. Zu Beginn seiner Karriere hielt sich der Sohn eines Iren und einer Norwegerin mit Gelegenheitsjobs, so auch als Nachtpförtner, über Wasser. Sein erstes Engagement hatte er 1919 in der Bühnenrevue "Every Sailor". In dem Stück trat der talentierte Tänzer in Frauenkleidern auf. Mit seinem starken Ehrgeiz schaffte Cagney bald den Sprung zum Film. Zu der Zeit, als er "Pitter Patter" spielte, verliebte er sich in die Tänzerin Frances Willard "Billie" Vernon. Das Paar heiratete 1922. In den folgenden Jahren trat der fleißige Cagney in zahlreichen Bühnenproduktionen auf und leitete zusammen mit seiner Frau in New York die 'Cagney School of Dancing'.


Chester übertrifft sich selbst
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Gangster-Ikonen

Seine erste größere Kinorolle bekam Cagney 1930 in "The Doorway to Hell". Der Erfolg stellte sich schnell ein. Gerade noch ein unbekannter und schlecht bezahlter Vertragsschauspieler von Warner Bros., unterzeichnete Cagney bereits ein Jahr später einen sieben-Jahres-Vertrag mit dem Studio. Als Lohn wurde ihm die heute lächerlich anmutende Gage von 400 Dollar pro Woche zugesichert. Die berufliche Beziehung zu Warner sollte sich, mit einigen Unterbrechungen, über Cagneys gesamte Karriere halten. Dennoch verklagte er das Filmstudio einmal wegen Vertragsbruchs - und gewann.

1931 wurde er mit dem Gangsterfilm "Der öffentliche Feind" endgültig zum Filmstar. Mit der Darstellung des brutalen Gangsterbosses Tom Powers schuf Cagney eine der eindrucksvollsten Figuren des amerikanischen Kinos der 1930er Jahre. In einer der bekanntesten Szenen des Films zerdrückt er seiner Geliebten (Mae Clarke) eine Grapefrucht im Gesicht. Noch im selben Jahr drehte er zusammen mit Edward G. Robinson "Leichtes Geld", in dem Warner seine zwei Gangster-Stars zusammen auf die Leinwand brachte. Mit diesen zwei Rollen war Cagney zum Inbegriff des Ganoven geworden, doch wollte er sich nicht auf diesen Charakter festlegen lassen.


Der Schrei der Masse
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Cagney kann auch anders

Während seiner Filmkarriere spielte Cagney nicht nur fiese Ganoven und charmante Gauner, sondern auch Boxer, Arbeiter, Seemänner, Polizisten und Reporter. Er trat in Komödien und Dramen auf. So entführte er 1941 Bette Davis in der romantischen Komödie "Die Braut kam per Nachnahme". 1942 erhielt Cagney für die Darstellung des Komponisten George M. Cohan in "Yankee Doodle Dandy" den Oscar als bester Darsteller. In Billy Wilders in Berlin gedrehter Komödie "Eins, Zwei, Drei" spielte er 1961 Coca-Cola-Boss C.R. MacNamara.

Über die Dreharbeiten sagte Cagney: "Ich hatte zuvor niemals Probleme mit anderen Schauspielern am Set. Bis zu 'Eins,Zwei, Drei'. Horst Buchholz versuchte während der Dreharbeiten alle möglichen Mätzchen, um mir die Schau zu stehlen. Ich war kurz davor, ihn in den Allerwertesten zu treten!" Vermutlich lag es nicht an dem deutschen Schauspieler, doch die Rolle in "Eins, Zwei, Drei" sollte vorerst Cagneys letzter Leinwandauftritt sein. Nach den Dreharbeiten beschloss er, seine Schauspielkarriere zu beenden.


Lady Killer
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Leinwandstar wird Farmer

Zusammen mit seiner Frau zog er sich auf seine Farm im Staat New York zurück, die er bereits 1955 für 100.000 Dollar gekauft hatte. Cagney wollte seinen Ruhestand nicht mit Nichtstun verbringen. In den kommenden Jahren wuchs seine Farm von 120 auf 750 Morgen an. So züchtete er auch Pferde. Zusammen mit seiner Frau, mit der er bis zu seinem Tod verheiratet war, hatte er zwei Kinder adoptiert. 1974 wurde er als erster Schauspieler mit dem Life Achivement Award des American Film Institute ausgezeichnet. 1975 veröffentlichte er seine Autobiografie "Cagney by Cagney". Nach einem Schlaganfall im Jahr 1977, war er nicht mehr fähig seine Hobbys Reiten, Tanzen und Malen auszuführen. Cagney wurde zunehmend depressiv. 1981 gelang es seiner Frau, ihn zu einer kleinen Rolle in für Milos Formans Drama "Ragtime" zu überreden. Seine letzte Rolle spielte Cagney schließlich im Jahr 1984 in dem Fernsehfilm "Nick sitzt in der Klemme". Zwei Jahre später starb James Cagney am 30. März an den Folgen eines Herzinfarkts. Viele Stars des amerikanischen Kinos trauerten um ihn. Präsident Ronald Reagan hielt bei der Trauerfeier die Grabrede.
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de,  5. August 2020

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