Retro-Starportrait: B.B. alias Brigitte Bardot | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Brigitte Bardot
Ein Leben in Lieblosigkeit

B.B. alias Brigitte Bardot

B.B. steht für wohlproportionierte, weibliche Formen und deren Reize. B.B. steht für Männerfantasien. B.B. gilt als Institution in Frankreich. Der Mensch hinter diesen Initialen wird oft ausgeblendet. Die sensible Brigitte Bardot geht hinter ihrem Image fast vollends verloren. Trotz vieler Männer und großer Umschwärmtheit führt sie ein Leben ohne viel Liebe. Aus der Schauspielerin wurde mit der Zeit eine von den Menschen enttäuschte engagierte Tierschützerin.
Von  Daniela Truttmann/Filmreporter.de, 10. Oktober 2018

Fühlt sich von Männern ausgenutzt

Fühlt sich von Männern ausgenutzt

Kein glückliches Leben?
"Ich glaube nicht, dass ich ein glückliches Leben hatte." Dieser Satz mag zynisch klingen von einer Frau, die als eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der Filmgeschichte gilt. Doch Geld und Erfolg allein machen nicht glücklich. Zu oft wird die blonde Schönheit ausgenutzt, zu oft enttäuscht und zu oft empfindet sie sich selbst als Enttäuschung. Das fängt in den frühen Kindesjahren an. Aus Brigitte hätte eigentlich ein "Charles" werden sollen und das lassen sie die Eltern deutlich spüren. Aus dieser Enttäuschung sei ihr starker Charakter entstanden, schreibt Bardot in ihren Memoiren, und die Unsicherheit eines Menschen auf einer Abendgesellschaft, zu der er nicht geladen wurde. Ihre Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass ihre jüngere Schwester Marie-Jeanne als "die Hübsche" gilt, während Brigitte die Hässliche der Familie ist. Ab 1943, im Alter von neun Jahren, stürzt sich Bardot in den Tanzunterricht. Sie ist so talentiert, dass sie bereit als 13-Jährige das berühmte Nationalkonservatorium für Musik und Tanz besucht. Langsam entwickelt sich aus dem schüchternen Mädchen eine jugendliche Schönheit.

Schon bald wird ihre Schönheit entdeckt. Brigitte Bardot wird als Covergirl engagiert. Begleitet von ihrer Mutter lässt sie Fotos schießen, die ihr Leben verändern werden. Das Titelbild mit den markanten Initialen B.B. wird von einem Regisseur entdeckt, der die Schönheit für seinen nächsten Film will. Daraus wird zwar nichts, aber sein Assistent Roger Vadim und die 15-jährige Bardot werden ein skandalträchtiges Paar. Die empörten Eltern verbieten die Beziehung. Brigitte Bardot, der Liebe nach der sie sich so sehr sehnt beraubt, versucht sich umzubringen. Ein Hilfeschrei, der sich 1960 nochmals - zum Glück wiederum erfolglos - wiederholen wird.

Schließlich wird aus Roger Vadim Bardots erster von bisher vier Ehemännern. Kaum verheiratet, begibt er sich auf neue Eroberungstouren. Brigitte Bardot ist nicht mehr als der Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere. Mit dem Film "Und immer lockt das Weib" schafft Vadim den Mythos B.B. Aus Brigitte Bardot wird das "Dummchen mit dem Schmollmund", eine - zumindest auf der Leinwand billige Trophäe für Männer. Die frisch geschiedene, naive Blondine lässt sich in ihrer Einsamkeit denn auch allzu leicht auf Beziehungen und Affären ein. 1959, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, heiratet sie den unbekannten Schauspieler Jacques Charrier, von dem sie schwanger wird. Am 10. Januar 1960 bringt sie Nicolas Charrier, ihr einziges Kind, zur Welt. Für die junge Mutter eine einzige Tortur. Zur Geburt meint sie: "Als der Albtraum seinen Höhepunkt erreicht hatte, sollte ich für die Ursachen meines Unglücks auch noch lebenslänglich Verantwortung übernehmen. Unmöglich, lieber wollte ich sterben! Ein Kind in meinem Leben ging über meine Vorstellungskraft, und doch war es da..." Nicolas wächst folgerichtig bei seinen Urgroßeltern auf. Er lebt heute in Norwegen.

Von den Menschen enttäuscht

Von den Menschen enttäuscht

Engagement gegen gegen Tierquälerei
Brigitte Bardot bleibt auch nach der Geburt beruflich erfolgreich. Neben ihren Filmen produziert sie Chansons, die vor allem in Frankreich bis heute beliebt sind. Erfolglos bleibt die Suche nach Liebe und Geborgenheit: "Bei meinen Geliebten habe ich immer nur Zuneigung und Zärtlichkeit gesucht. Die körperliche Liebe rangierte, so intensiv sie auch gewesen sein mag, immer nur an zweiter Stelle." Erneut stürzt sich Bardot in eine Ehe. Dieses Mal mit dem legendären Playboy Gunter Sachs, ihrem wohl berühmt-berüchtigsten Ehemann. Der gebürtige Bayer hatte eben das Museum of Modern Art in München gegründet, als er in Las Vegas mit Bardot eine rauschende Hochzeit feiert. Vor allem die deutschen Zeitungen nehmen starken Anteil an der prominenten Ehe. Wie so oft findet Bardot nicht das, was sie gesucht hatte. In Sachs' Wohnung in St. Tropez hängen ihr zu viele Fotos anderer Frauen, sein Lebensstil wird ihr schnell überdrüssig: "Ich hatte nicht einen Mann allein geheiratet, sondern eine Sippschaft herumscharwenzelnder Playboys, die durch Komplizenschaft enger zusammengeschmiedet waren, als es eine Ehe je vermochte. Sie suchten sich schöne, junge und vorzugsweise dumme Gefährtinnen. Pech für Gunter! Da ich die letztgenannte Qualifikation nicht besaß, fiel ich ihm zunehmend lästig. Er playboyte herum, und ich stand ihm dabei im Wege!" Beide wissen, wann es Zeit ist, die Beziehung zu beenden. Nach rund drei Jahren Ehe lassen sie sich scheiden.

Brigitte Bardot zieht 1973 einen Schlussstrich unter ihr Filmschaffen. Sie will nicht länger B.B. sein, sondern wieder die Person, die hinter dem Kürzel steht. Von den Menschen enttäuscht, findet sie eine neue Aufgabe im Tierschutz. Sie gründet ihre Stiftung Fondation Brigitte Bardot, die gegen jegliche Quälerei von Tieren kämpft. Um die Stiftung mit Geld zu versorgen, verkauft sie all ihren Schmuck und ihre Besitztümer. Ihr Engagement erklärt sie folgendermaßen: "Tiere haben mich niemals betrogen. Sie sind leichte Opfer, genau wie ich es während meiner ganzen Karriere war. Deshalb haben wir dieselben Gefühle. Ich liebe sie. Das ist der einzige Grund." Für ihre Leidenschaft macht sie alles und überschreitet oft auch Grenzen. Das zeigen die zahlreichen Anzeigen wegen rassistischen, teils sogar homophoben Äußerungen der Tierschützerin. Mehrmals wurde sie deswegen bereits verurteilt. Sie deshalb gleich als Menschenhasserin abzustempeln, wäre falsch. Für Brigitte Bardot gibt es einen guten Grund, weshalb sie sich für die Rechte der Tiere und nicht für Menschen einsetzt: "Gäbe es irgendetwas, was ich tun könnte, damit sich das Verhalten der Menschen miteinander ändern würde - ich würde es tun. Solange ich dies aber nicht kann, bleibe ich bei den Tieren."
Daniela Truttmann/Filmreporter.de - 10. Oktober 2018

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