Retronews: Die Kunst des Regisseurs | FILMREPORTER.de
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Der Meister bei seiner Arbeit auf dem Hochsitz
Wahrer Meister des Filmschaffens

Die Kunst des Regisseurs

Spricht man von einem Film, so denkt man meist nur an die Schauspieler. Zweifelsohne vollbringen sie Großes und gehen in ihrer Darstellungsweise oft an ihre Grenzen. Schließlich sind sie es, die das Publikum am Ende des Films begeistern und in ihren Bann ziehen. Doch oft vergisst man die Männer und Frauen hinter der Kamera: die Regisseure. Im Magazin Der Stern im August 1939 wird das Berufsbild des Meisters auf dem Kontrollstuhl genauer unter die Lupe genommen.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  8. November 2018

Der Regisseur bei der Arbeit

Der Regisseur bei der Arbeit

Individuelle Kunst
"Das Werk vollendet nur ein Mann. Die Stärke seines Willens, das Gestaltwerden einer Vision ist das Gelingen des Ganzen. Noch eins kommt hinzu: das vollkommende Beherrschen der Materie, die sich aus unendlich vielen Einzelteilen zusammensetzt", so steht es geschrieben. Während ein Theaterstück aus einem Ganzen besteht, so hat der Regisseur die Aufgabe, aus vielen kleinen Mosaiksteinen sein Werk zu basteln. Dabei kann der Spielleiter den Dreh nicht immer dem Handlungsablauf gleich setzen. Vielmehr ist er den architektonischen Bedingungen ausgesetzt. So kommt es schon mal vor, dass das Ende und der Mittelteil eines Films bereits zu Beginn der Dreharbeiten gedreht werden.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist der Regisseur oftmals schon bei der Geburtsstunde des Drehbuchs mit dabei. Er muss sich die Handlung schließlich verinnerlichen. Er muss aber auch dafür sorgen, dass sich seine Untergebenen, die Schauspieler und alle anderen Teilnehmer wohl fühlen. Erst wenn alles stimmt, kann aus einem normalen Film ein Kunstwerk entstehen. "Der Film soll eine Kunst sein. Kunst aber ist der individuelle Ausdruck dessen, der Kunst schafft. Nur einer ist hier derjenige, dem es zukommt, seinen eigenen Kunstwillen sichtbar zu machen, sei es in der Auffassung des Gesamtwerks, sei es in der Führung der Darsteller nach seinen Intentionen: das ist der Regisseur."

Der Regisseur machts vor, wies geht

Der Regisseur machts vor, wies geht

Erfolg oder Misserfolg?
Im Wesentlichen hat sich diese Ansicht bis heute nicht geändert. Der deutsche Bundesverband der Regie definiert das Berufsbild des Regisseurs folgendermaßen: 'Regisseur oder Regisseurin sind bei der Entstehung eines Films von der Vorbereitung bis zum fertigen Werk die entscheidende künstlerisch-gestaltende Kraft. Sie sind nicht nachschaffende Interpreten eines vorbestehenden Werkes, sondern Gestalter einer originalen Schöpfung. Sie haben schon vor Beginn der Dreharbeiten eine konkrete Vorstellung vom fertigen Film und den verschiedenen Elementen, aus denen er sich zusammensetzt. Das gilt für alle Arten der Filmregie, gleichgültig in welchem Bereich (Kino, Fernsehen, Video), welcher Gattung (Dokumentation, Musikfilm, Videoclip, Trickfilm, Werbefilm) und welcher Länge.'

In der Realität sieht es manchmal anders aus. Oft ist der Regisseur von Studios und seinen Geldgebern abhängig. Ebenso muss er sich den Wünschen und Forderungen überbezahlter Schauspieler opfern. Nicht immer entspricht daher das Endprodukt den anfänglichen Vorstellungen des Regisseurs. Dennoch bleibt das Endprodukt das Werk des Spielleiters, auf dem die Verantwortung für Erfolg und Misserfolg liegt.
Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de - 8. November 2018
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