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Thomas Bernhard
Österreichischer Schriftsteller im Kreuzfeuer

Künstler mit Menschen-Allergie

Thomas Bernhard gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Seine Gedichte, Erzählungen, Romane und Theaterstücke sind jedoch schon seit jeher umstritten. Der Österreicher stand mit seinen Themen stets im Kreuzfeuer von Presse und Öffentlichkeit. Im Alter von 16 Jahren erkrankte er lebensgefährlich an Lungentuberkulose und wurde dadurch früh mit Sterben und Tod konfrontiert. Ist dies eine mögliche Erklärung für seine düstere Weltauffassung, die sich in seinen Werken wiederspiegelt?
Von  Barbara Mayr/Filmreporter.de, 27. Juni 2019

Thomas Bernhard

Thomas Bernhard

Wer krank ist, hat mehr vom Leben
Thomas Bernhard beschreibt sich selbst als "mathematisch, musikalisch, verrückt". Der Schriftsteller hat sich in einem renovierten Bauernhof nahe dem Traunsee in Österreich zurückgezogen. Dort kräht kein Hahn und wächst keine Blume. Und es herrscht penible Ordnung, denn seine Angst vor Verwahrlosung bewirkt bei ihm eine krankhafte Disziplin. Der Menschenfeind hat gerade ein neues Theaterstück fertig geschrieben: "Der Ignorant und der Wahnsinnige". Bei den Salzburger Festspielen im Juli 1972 wird das Schauspiel uraufgeführt.

Bernhards Bücher "Frost", "Verstörung" und "Ungenach" sind voll von Selbstmord, Schrecken, Trunksucht, Schlaflosigkeit und Krüppeln. Von Krankheiten redet er gern - und komisch. Dazu meint er: "Wer krank ist, hat mehr vom Leben". Er muss es wissen, immerhin hat er als Kind die Tuberkulose überstanden. "Bernhard ist gewiss ein sonderbarer Mensch", stellt Reporter Fritz Rumler in seinem Artikel über den Künstler im Spiegel am 31. Juli 1972 fest.

Dramen und Komödien aus Österreich
Sein Theaterstück "Der Ignorant und der Wahnsinnige" wurde im Jahr seiner Uraufführung 1971 sogleich vom österreichischen Fernsehsender ORF verfilmt. Weitere Verfilmungen von Theaterstücken wie "Heldenplatz" und "Der Theatermacher" sowie der Erzählung "Der Kulterer" folgten. Aufgrund seiner klischeehaften und düsteren Texte forderten die österreichische Kronen-Zeitung und Politiker Aufführungsverbote seiner Werke. Der umstrittene Autor verstarb am 12. Februar 1989 an Herzversagen in Gmunden, Österreich.

In seinem Testament vermerkt er ein Aufführungs- und Publikationsverbot seiner Werke innerhalb der österreichischen Landesgrenzen. Dieses wurde inzwischen wieder aufgehoben. In seinem Heimatort Ohlsdorf wurde kürzlich der neun Kilometer langer Wanderweg Thomas-Bernhard-Weg eröffnet. Dieser soll Bernhards Erzählung "Gehen" den Menschen näherbringen.
Barbara Mayr/Filmreporter.de - 27. Juni 2019
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