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Interview

Peter Fonda in "Harodim - Nichts als die Wahrheit?"
'We are stardust, we are golden'

Peter Fondas Weltsicht

Obschon 72 Jahre alt, gehört Peter Fonda noch lange nicht zum alten Eisen. Noch immer regt sich der Widerstand des ewigen Hollywood-Rebellen gegen Ungerechtigkeit, die Scheinheiligkeit der Politik, die Ausbeutung des Planeten. 'We blew it' - 'wir haben es vermasselt', sagt sein Charakter im kultigen Road-Movie "Easy Rider" und meint damit die Unvereinbarkeit zwischen dem Ideal und den Handlungen der Jugend in den 1960er Jahren. Was die Rettung unseres Planeten angeht, hat Fonda noch nicht resigniert, wie Filmreporter.de im Interview am Rande der Dreharbeiten zu "Harodim - Nichts als die Wahrheit?" feststellt. Seine Sorge wächst angesichts der vielen Krisenherde auf der Erde...
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 17. August 2019

Harodim - Nichts als die Wahrheit?

Harodim - Nichts als die Wahrheit?

Ricore: "Harodim - Nichts ist wie es scheint"? erhebt den Anspruch, die Wahrheit über den 11. September zu wissen. Glauben Sie als kritischer Geist an die offizielle Version der Ereignisse vor elf Jahren?

Peter Fonda: Ich habe keine Ahnung. Wenn ich mir zu viele Gedanken über mögliche Verschwörungen hinter dem 11. September machen würde, hätte ich kaum Zeit, um mein Leben zu leben. Ich verschwende meine Zeit nicht mit solchen Fragen. Es passieren schreckliche Dinge auf der Welt, das weiß ich. Wie sie passieren und wieso, das ist für mich nicht wichtig. Ich habe das Glück, meinen Beruf als Schauspieler auszuüben und ein schönes und gesundes Leben zu führen. Mehr kann ich nicht verlangen.

Ricore: Dennoch kennt man Sie auch als engagierten Mensch, der sich gegen Missstände auf der Welt einsetzt. Was sind für Sie die größten Krisenherde?

Fonda: Ich denke, wir sind schrecklich überbevölkert. Wir haben diesbezüglich einen Zustand erreicht, der nicht rückgängig gemacht werden kann. Bald wird es mit den natürlichen Ressourcen knapp werden. Uns wird allmählich das Essen, Wasser und am allerwichtigsten: der Sauerstoff ausgehen.

Ricore: Wie kann man dagegen tun?

Fonda: Wir reden immer davon, wie wir dem Planeten helfen können. Die Erde kann aber auf sich selbst aufpassen. Wir Menschen sind das Problem. Der Planet wird uns eines Tages wie einen Haufen toter Fliegen von sich schütteln. Oder wir werden von der Sonne verschluckt. Wir müssen uns wieder auf das besinnen, an das uns schon Joni Mitchell in ihrem Song über Woodstock gemahnt hat. 'We are stardust. / We are golden. / And we've got to get ourselves back to the garden'. (Wir sind Sternenstaub. / Wird sind aus Gold. / Und wir müssen wieder zurück in den Garten; Übers. d. Redaktion). Als Amateur-Astrophysiker bin ich auch der Meinung, dass wir Sternenstaub sind. Eines Tages werden wir alle zu Staub.

Travis Fimmel und Peter Fonda in "Harodim - Nichts als die Wahrheit?"

Travis Fimmel und Peter Fonda in "Harodim - Nichts als die Wahrheit?"

Ricore: Das ist eine fatalistische Weltsicht.

Fonda: Die Vergänglichkeit des Menschen ist unausweichlich. Wir müssen die Zeit, die wir auf dem Planeten haben, so gut wie möglich gestalten. Und wir müssen die Menschen, die im Leben weniger Glück haben, unterstützen.

Ricore: Diese Einstellung ist der Grund, warum Sie sich sozial engagieren?

Fonda: Ja, ich engagiere mich tatsächlich für gute Zwecke, auch wenn ich nicht viel Aufhebens darum mache. Man hört mich nicht beim People-Magazin verkünden, dass ich in Ghana 15 Kinder adoptiert habe oder dergleichen. Auch wenn das eine tolle Sache ist. Im Angesicht der weltweiten Überbevölkerung sollte man Kinder adoptieren und sich um sie kümmern.

Ricore: Die Überbevölkerung scheint Ihnen tatsächlich Sorgen zu machen.

Fonda: Wir sind auf der Welt Milliarden von Menschen. Sieben Milliarden Menschen, die Sauerstoff atmen. Wenn alle Lebewesen auf einmal einen tiefen Atemzug machen würden, dann würde es mit dem Sauerstoff knapp werden. Wir würden nicht von einem Moment auf den nächsten Tod umfallen. Es würde eine Weile dauern. Wir würden langsam müde werden, dann allmählich wütend, bis wir uns gegenseitig auffressen würden. Wie die Ratten in einem Labor-Experiment.

Ricore: Ihr Charakter Solomon Fell in "Harodim" weiß einen Ausweg aus diesem Schreckensszenario.

Fonda: Er glaubt, einen zu haben. Ginge es nach ihm, kann die Ordnung auf der Welt nur mittels Chaos und Katastrophen wiederhergestellt werden kann. Wer wie ich um die Welt gekommen ist, der weiß, dass das nicht funktionieren kann. Kein Mensch würde sich dieser Meinung anschließen. Darum gibt es aus Sicht Solomons die Opposition zwischen uns und den anderen. In "Harodim" gibt es einen Satz, der lautet: 'Entweder du bist auf unserer Seite oder auf der der Terroristen'. Einen Mittelweg gibt es nicht. Das ist die berühmte George W. Bush-Dummheit. Wenn sie mich fragen, waren die wirklichen Terroristen Politiker wie Dick Cheney und Donald Rumsfeld. Stattdessen wurde aber ein Ministerium wie das für Innere Sicherheit (United States Department of Homeland Security, DHS; Anmerkung der Redaktion) geschaffen. Was war falsch an der National Security Agency? Nun ist die Abteilung aber da und wir müssen für sie finanziell aufkommen. So ein Unsinn. Auf der einen Seite will der Kongress Geld sparen, auf der anderen Seite sind wir in Afghanistan stationiert und lassen uns den Einsatz 1,2 Millionen US-Dollar pro Tag kosten. Wenn ihr Sparen wollt, dann raus aus Afghanistan.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Willy Flemmer, Filmreporter.de - 17. August 2019

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