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Laura Dern bei den Independent Spirit Awards 2012
'Ich bin eine entspannte Hippie-Mutter'
Interview: Laura Dern hat die Ruhe weg
Laura Dern wird die Schauspielerei in die Wiege gelegt. Ihre Eltern sind die New-Hollywood-Veteranen Diane Ladd und Bruce Dern. Mit Mutter Dianne steht sie oft vor der Kamera, für "Die Lust der schönen Rose" werden beide für einen Oscar nominiert. Mit Vater Bruce hatte sie dagegen noch nicht das Vergnügen. Im Interview mit Filmreporter.de zu "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" erzählt die 47-jährige, dass beide aber auf eine Zusammenarbeit hoffen. Außerdem spricht sie über ihre Rolle als Mutter, ihre Erziehungsmethoden und darüber, wie sie sich am liebsten entspannt.
erschienen am 11. Juni 2014
20th Century Fox
Laura Dern in "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"
An den Fänger im Roggen erinnert
Ricore Text: Sie spielen in "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" die Mutter einer sterbenden jungen Frau. Für eine Mutter zweier Kinder muss das sehr schwer gewesen sein.

Laura Dern: Das war es auch. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ist, von einem Arzt gesagt zu bekommen, dass das eigene Kind sterben wird. Ich wusste nicht, wie man damit umgeht, wie man sich als Eltern in einem solchen Fall verhält. Das muss der schlimmste Alptraum sein. Ich habe größtes Mitgefühl für Familien, die eine solche Tragödie erleben.

Ricore: Sind sie eine strenge oder entspannte Mutter?

Dern: Ich bin eine entspannte Hippie-Mutter, eine Art Zen-Mutter. Mein Sohn sagte mir neulich, dass ich lernen muss, Regeln zu befolgen. Er sagte: 'Du solltest mich vielleicht ab und zu mal anschreien.' Ich sagte ihm, dass ich das niemals tun könnte.

Ricore: Warum nicht?

Dern: Ich habe genug Bücher gelesen, um eines zu wissen: Rücksicht und Kommunikation sind bessere Erziehungsmethoden, als Kinder anzuschreien oder sie ohne Abendessen aufs Zimmer zu schicken.

Ricore: Das heißt, Sie sind ihren Kindern mehr Freundin als Mutter?

Dern: Meine Kinder sind noch sehr klein. In vielerlei Hinsicht entspreche ich noch nicht der Vorstellung einer idealen Mutter.

Ricore: "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" basiert auf dem gleichnamigen Roman von John Green. Haben Sie schon mal ein Buch gelesen, dass Ihr Leben verändert hat?

Dern: Die Vorlage erinnerte mich an "Der Fänger im Roggen". Als ich dieses Buch mit 15 Jahren las, kam ich mir nicht mehr so allein vor. Ich fühlte, dass es noch andere junge Menschen gibt, die manchmal ängstlich, verwirrt und deprimiert sind. Das Buch half mir, erwachsen zu werden.
20th Century Fox
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Laura Dern: Es bricht uns das Herz
Ricore: Wie geht es den Jugendlichen heute?

Dern: Kinder haben es heute viel schwerer. Sie werden jeden Tag mit Nachrichten zugeschüttet. Ihnen wird pausenlos eingeredet, dass sie ihr eigenes Leben in der Hand haben. Das war früher nicht der Fall.

Ricore: Sie entstammen einer Schauspielfamilie. Mit ihrer Mutter Diane Ladd haben Sie schon mal zusammengearbeitet, aber noch nie mit ihrem Vater Bruce Dern. Warum nicht?

Dern: Ich weiß es nicht. Ich wollte schon immer mit meinem Vater arbeiten und wir hoffen, dass es eines Tages klappt. Es bricht uns beiden das Herz, dass es noch nicht dazu gekommen ist.

Ricore: Wie fühlte es sich an, als er mit 77 Jahren für "Nebraska" seine erste Oscar-Nominierung erhielt?

Dern: Ich war sehr stolz auf meinen Vater. Ich hoffe, dass ich mit 77 Jahren auch noch arbeiten werde. Ich würde gerne tun, was er tut. Aber ich interessiere mich auch für andere Sachen.

Ricore: Wollen Sie damit sagen, dass Sie Hollywood den Rücken kehren wollen?

Dern: Ich habe Freunde, die nach der Schauspielerei eine andere Laufbahn eingeschlagen haben. Das finde ich sehr anspornend. Ich finde es aufregend, dass Menschen in ihr Schicksal hineinwachsen.

Ricore: Was wäre die Alternative zur Schauspielerei?

Dern: Ich möchte in meinem Leben mehr in die Tiefe gehen, mehr riskieren. Ich möchte mich darauf konzentrieren, ein ehrlicher und wahrhaftiger Mensch zu sein. Ich liebe es, mit Kindern zusammen zu sein und mit ihnen zu arbeiten. Ich habe schon mal mit Familien gearbeitet, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Das war sehr bewegend. Es wäre schön, wenn ich auf diesem Gebiet weiterarbeiten könnte.
20th Century Fox
Sam Trammell und Laura Dern auf der "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"-Premiere
Aufs Herz hören
Ricore: Was war die wichtigste Lektion, die Sie von ihrem Vater gelernt haben?

Dern: Man soll auf sein Herz hören. Man sollte im Leben Kurs halten, auch wenn der Weg nicht der einfachste ist. Man sollte Spaß haben. Man kann ein ernster Mensch sein und man kann über ernste Themen reden. Aber man sollte nie vergessen zu lachen. Diese Ratschläge befolge ich noch heute.

Ricore: Sie interessieren sich auch für alternative Medizin. Ist das der Grund, wieso Sie so gesund aussehen?

Dern: Dieses Interesse hat vielleicht damit zu tun, dass ich viel Zeit in Europa verbringe. Wenn man dort zu einem Arzt geht, verschreibt er einem erst Aroma-Therapien oder pflanzliche Mittel, bevor er zu Antibiotika greift. In Amerika ist man sofort mit chemischer Medizin zur Hand. Als Mutter hat mich das wachgerüttelt. Ich wurde in einem Umfeld erzogen, in dem man sich biologisch ernährte.

Ricore: Wie entspannen Sie sich, um zu regenerieren?

Dern: Literatur jeglicher Art ist die bestmögliche Inspirationsquelle. Sie erinnert uns daran, dass Menschen jedes Hindernis überwinden können, um ihren Weg und ihr Glück zu finden. Ein weiteres Mittel zur Stressreduzierung ist für mich die Meditation. Außerdem mache ich Yoga, und zwar eine Kombination aus verschiedenen Stilen. Ich habe in den letzten Jahren einiges ausprobiert.

Ricore: Es sind über 20 Jahren vergangen, seit dem Sie in "Jurassic Park" mitgespielt haben. Wie stehen Sie heute zu dem Film.

Dern: Ich mag es, "Jurassic Park" mit jungen Menschen anzuschauen. Ich entdecke den Film immer wieder neu, wenn ich ihn mit Kindern schaue, die ihn zum ersten Mal sehen.

Ricore: Wird Ihnen dabei bewusst, dass Sie älter geworden sind?

Dern: Natürlich fühle ich mich älter, aber das macht mir nichts aus. Das Alter ist Teil dessen, was wir sind und was wir werden. Es ist in meinem Leben willkommen.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch
erschienen am 11. Juni 2014
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