Universum Film
Kinderarbeit! Eva Maria Hagen mit Enkelin Cosma Shiva und Tochter Nina ("Die Biene Maja - Der Film")
Treue Freunde? Dann retten wir die Welt
Interview: Nina Hagen, Cosma Shiva Hagen und Eva-Maria Hagen
Es kommt im Filmgeschäft nicht häufig vor, dass drei Generationen einer Familie an einem Projekt beteiligt sind. Im Animationsfilm "Die Biene Maja - Der Film 3D" kann man diese seltene Ausnahme nun bestaunen. Darin sind Oma Eva-Maria Hagen, Mutter Nina Hagen und Töchterlein Cosma Shiva Hagen in Synchronrollen geschlüpft. Im Studio haben die drei Künstlerinnen zwar getrennt voneinander gearbeitet, dafür rühren sie für den Kinderfilm jetzt gemeinsam die Werbetrommel. Filmreporter.de hat sich mit den Hagen-Damen getroffen und sich mit ihnen über die ehemalige DDR, die Neugier der Medien und den Weltfrieden zu unterhalten.
erschienen am 12. September 2014
UIP
Nina Hagen
Cosma Shiva Hagen: Du spielst aus dem Bauch heraus
Ricore Text: Liebe Familie Hagen, wie ist es, gemeinsam die Synchronisation bei einem Animationsfilm zu bewerkstelligen?

Nina Hagen: Wir haben schon oft zusammen synchronisiert. Mir war schon als Kind in der ehemaligen DDR klar, dass es so etwas wie Synchronisation gibt. Damals war mir aufgefallen, dass Marilyn Monroe von einer bekannten Dame gesprochen wird, mit der ich aufgewachsen bin. Und dass die Monroe im Westen von jemand anders synchronisiert wird. Ähnlich ging es Cosma, die in diesen Beruf quasi hineingewachsen ist.

Cosma Shiva Hagen: Ich glaube, ich habe mehr Filme synchronisiert als gedreht. Es macht immer wieder Spaß.

Nina Hagen: Ja, es ist eine schöne Arbeit. Ich bin keine professionelle Schauspielerin und freue mich immer, wenn es einen menschlichen Regisseur gibt, der mir helfen kann.

Cosma Shiva Hagen: Das sagst du immer. Dennoch sieht die Arbeit bei dir authentisch aus. Du spielst aus dem Bauch heraus.

Nina Hagen: Ohne den Regisseur hätte ich das nicht hingekriegt. Ich stand vor dem Mikrofon und sprach und synchronisierte, aber es wurde nicht besser. Erst als er es vormachte, klappte es. Ich mag es, vom Regisseur etwas angeboten zu bekommen.

Ricore: Inwieweit sind Sie mit "Biene Maja" vertraut gewesen?

Cosma Shiva Hagen: Ich lernte die Biene Maja erst später kennen, weil ich als Kind in Amerika war. Insofern ist mir die Biene Maja zwar nicht neu, aber aufgewachsen bin ich mit ihr auch nicht.

Nina Hagen: Als Greenpeace-Mitglied weiß ich, dass wir für den Fortbestand der Bienen kämpfen müssen. Gerade vor diesem Hintergrund machte es doppelt Spaß, bei "Die Biene Maja" mitzumachen. Dadurch habe ich die Chance, mit Kindern und ihren Familien ins Gespräch zu kommen - obwohl ich eine böse Biene spreche (lacht). Wenn wir Menschen zusammenhalten und treue Freunde sind, dann retten wir die Bienen und uns selbst...

Eva-Maria Hagen: ...und die ganze Welt...

Nina Hagen: Genau...
Getty Images, Paramount
Cosma Shiva Hagen auf der Premiere von "Kung Fu Panda 2" in Berlin
Nina Hagens Botschaft: Ich schlag' nicht mit!
Ricore: Eine politische Mission also?

Nina Hagen: Ja, für mich immer. Natürlich tritt man dabei manchmal auch ins Fettnäpfchen, wenn man gar zu laut seine pazifistische Ansicht zum Ausdruck bringt. Ich bin nun mal die Tochter meiner Mutter und meines Vaters. Mein Vater war Kind eines Juden, ein antifaschistischer Widerstandskämpfer und Holocaust-Überlebender. Es soll nicht verboten sein, sich gegen das Blutvergießen zu engagieren. Das ist meine Botschaft: 'Ich schlag' nicht mit!' Es reicht schon, dass ich das Böse synchronisiere.

Ricore: Wie haben Sie es bei dieser pazifistischen Einstellung geschafft, das Böse aus sich herauszuholen?

Nina Hagen: Ich muss wieder meinen Vater erwähnen. Obwohl er so viel Schreckliches erlebt hat, war er immer ein humorvoller Mensch. Genau wie meine Mutter. Ich habe diesen Humor geerbt und gelernt, dem Bösen mit einem lachenden und einem weinenden Auge ins Gesicht zu blicken. Es macht mir Spaß, das Böse zu persiflieren.

Ricore: Ist der Bösewicht die interessantere Rolle?

Nina Hagen: Das würde ich nicht sagen. Ich finde es auch sehr schön und schwierig, eine positive Figur zu spielen.

Ricore: Inwiefern unterscheidet sich die Synchronarbeit von der Schauspielerei.

Cosma Shiva Hagen: Bei der Synchronisation kann man sich nicht wie bei der Schauspielerei groß auf eine Rolle vorbereiten...

Nina Hagen: Es ist Handarbeit...

Cosma Shiva Hagen: Es ist vor allem die Arbeit mit der Stimme. Man sitzt in einem Studio und spricht fünf, sechs Sätze ins Mikrofon - um hier die etwas entzauberte Version dieses Berufs zu geben (lacht). Es ist es eine Arbeit, die sich während der Arbeit entwickelt.

Ricore: Wie ist es, zusammen auf Promotour für einen Film zu gehen?

Eva-Maria Hagen: Für die Produzenten haben die drei Hagens auf jeden Fall einen großen Marktwert. Wenn Sie wüssten, wie viel Werbung wir für den Film schon gemacht haben!

Nina Hagen: Du sagst 'Marktwert', ich sage: künstlerischer Mehrwert (lacht).

Eva-Maria Hagen: Ich sehe das etwas realistischer...

Cosma Shiva Hagen: Die Arbeit, die man bei einem Animationsfilm zusammen macht, ist tatsächlich hauptsächlich die PR. Den Rest macht man alleine.
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Die Biene Maja - Der Film 3D
Eva-Maria Hagen: Erinnerungen kurz vor dem Einschlafen
Ricore: Wie oft hat es schon Angebote gegeben, die drei Hagens bei einem Filmprojekt zusammenzubringen?

Eva-Maria Hagen: Sehr oft, die zwei wollten aber nicht.

Cosma Shiva Hagen: Stimmt, und das hat auch seinen Grund. Über mich weiß man von klein auf alles. Wo ich war, wann ich war, mit wem und warum. Bei gemeinsamen Projekten wird die Promotour immer sehr privat. Mir geht das zu weit. Es ist anstrengend und mir sind viele Fragen zu persönlich.

Nina Hagen: Ich zitiere Bild am Sonntag: 'Wie oft sehen sie sich?' Meine Mutter: 'Selten'. Ich schnell hinterher: 'So oft wie möglich'. Ich sehe schon die Schlagzeile: 'Die Hagens sehen sich selten' (lacht).

Ricore: Gab es dieses Interesse der Medien für das Privatleben der Stars auch in der DDR?

Nina Hagen: Ja, das gab es auch dort. Ich weiß noch, wie die Schlagzeile einer Home-Story über uns lautete: 'Mutti hat Premiere!' Interesse für die Stars war in der DDR durchaus vorhanden, trotzdem war das alles eine behütete Sache. Man wertschätzte seine Schauspieler. Es war nicht so kitschig wie im Westen.

Ricore: Frau Hagen, Sie stehen kurz vor Ihrem 80. Geburtstag.

Eva-Maria Hagen: Ich hatte neulich ein witziges Erlebnis mit einer Journalistin der Super Illu. Sie sagte irgendwann, dass sie mit mir noch einmal an meinem 90. Geburtstag sprechen wolle. Ich sagte: 'Es wäre mir lieb, wenn wir nicht so lange warten würden.' Es war ihr so peinlich, dass sie sich ihren Pullover übers Gesicht zog. Ich fand das süß.

Ricore: Schauen Sie oft zurück auf Ihr Leben und Ihre Karriere?

Eva-Maria Hagen: Nein, die Erinnerungen tauchen von alleine auf, wenn ich kurz vor dem Einschlafen bin. Ich muss daran nicht auch noch am helllichten Tag denken.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
erschienen am 12. September 2014
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