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Interview

Bradley Cooper spielt "American Sniper" Chris Kyle
Warner Bros.

Gewaltverherrlichung oder Antikriegsfilm?

Bradley Cooper ist der "American Sniper"
Bradley Cooper verkörpert in "American Sniper" den ehemaligen US-Soldaten Chris Kyle. Der erfolgreichste Scharfschütze in der Geschichte des US-Militärs polarisiert die USA. Nicht anders ergeht es Clint Eastwoods Biopic über den Mann, der Anfang 2013 von einem anderen Kriegsveteranen erschossen wird. Während der Kriegsfilm in den USA Massen in die Kinos lockt, attestieren Kritiker, dass das Werk einen Killer verherrliche. Im Interview mit Filmreporter.de verrät der für einen Oscar nominierte Cooper seine Ansicht. Außerdem spricht der 40-Jährige über die Arbeit mit Regisseur Clint Eastwood und Schauspielkollegin Sienna Miller.
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de,  23. Februar 2015
Clint Eastwood am Set von "American Sniper"
Warner Bros.
Clint Eastwood am Set von "American Sniper"

Weniger einsam im Kino?

Ricore Text: Jedes Kind träumt davon, ein Filmstar zu werden. Sie haben sich diesen Traum erfüllt. Welche Wirkung hatte Hollywood auf Sie als Kind?

Bradley Cooper: Filme hatten für mich damals eine große Bedeutung. Ich schlich mich immer gerne in die Kinos. Filme bewirkten, dass ich mich nicht einsam fühlte. Das ist auch der Grund, wieso ich heute Schauspieler bin.

Ricore: Wollen Sie damit sagen, dass Sie ein einsamer Mensch sind? Das ist schwer zu glauben.

Cooper: (lacht). Nein, heute bin ich nicht mehr einsam. Aber als Jugendlicher geht man oft durch Phasen, in denen man von anderen missverstanden wird und man sich einsam fühlt.

Ricore: "American Sniper" ist eine Hommage an alle Kriegsveteranen. Wie empfanden Sie das Thema während der Dreharbeiten?

Cooper: Ich fühlte Stolz. Menschen, die nicht wissen, was Kriegsveteranen durchmachen, werden durch den Film für sie Sympathie empfinden. Vielleicht denken sie über die ganze Sache intensiver nach und danken den Männern für ihren Dienst. Ich tue das heute.


American Sniper
Warner Bros.
American Sniper

Bradley Cooper: American Sniper ist kein politischer Film

Ricore: Führt "American Sniper" dem Zuschauer das wahre Gesicht des Irakkrieges vor Augen?

Cooper: Der Film handelt nicht vom Krieg im Irak. Es geht darum, was ein Soldat wie Chris Kyle durchmachen muss, um das Dilemma und den Horror des Krieges. Er handelt von der Schlacht im Inneren eine Soldaten und den Kampf in der Familie. Das waren ausschließlich die Themen, über die wir uns auch während der Dreharbeiten unterhalten haben. "American Sniper" ist kein politischer Film. Es ist ein Film über einen Menschen, eine Charakterstudie.

Ricore: Der Film ist sehr emotional. Wie entspannen Sie sich nach emotional anstrengenden Drehtagen?

Cooper: Es gab für mich keine Möglichkeit, abzuschalten. Die Arbeit war eine einzige lange Strecke. Ich fühlte keinen Unterschied zwischen der Zeit am Set und der danach. Ich fand die Arbeit mit Clint Eastwood sehr aufregend. Wir wurden Freunde und haben viel zusammen abgehangen. Es war großartig.

Ricore: Was war der denkwürdigste Moment der Zusammenarbeit?

Cooper: Es gab viele solcher Momente. Wir hatten viel Spaß am Set, was angesichts des Themas schockierend ist. Clint wird wahrscheinlich nicht mögen, dass ich das sage, aber ich liebe ihn zutiefst. Der Grund, wieso er aus seinen Schauspielern immer großartige Leistungen herausholt, ist die Tatsache, dass sie sich bei ihm entspannen können. Er ist ein unglaublich neugieriger Mensch. John Huston hat einmal gesagt: 'Was ist es, dass einen Menschen antreibt? Neugierde!' Clint ist neugierig. Er ist in diesem Punkt wie ein Kind.


"American Sniper" Bradley Cooper mit Sienna Miller
Warner Bros.
"American Sniper" Bradley Cooper mit Sienna Miller

Sienna Miller kein bisschen eitel

Ricore: Wie fügte sich Sienna Miller ins Team ein?

Cooper: Wir kannten uns vor "American Sniper" nicht. Ich war schockiert, als sie für die Rolle vorsprach. Wir schauten uns das Vorsprechen an und es dauerte an die 50 Sekunden, bis ich merkte, dass es sich um Sienna handelt. Sie ist eine Schauspielerin, die sich ganz und gar in eine Rolle vertieft. Sie ist kein bisschen eitel und jeden Augenblick verwundbar. Sie trägt ihr Herz immer auf der Zunge, das merkt man im Gespräch mit ihr schon nach zwei Minuten. Es war eine Ehre, mit ihr zu arbeiten. Gleich nach "American Sniper" haben wir bei einem anderen Film zusammengearbeitet [eine noch unbetitelte Komödie unter der Regie von "Im August in Osage County"-Macher John Wells; Red.]. Das sagt doch alles...

Ricore: Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Cooper: Bei Clint Eastwood gibt es keine Vorbereitungen und Proben. Wir haben ein paar Mal miteinander geskyped, das war's. Manchmal ist es besser, aus der Situation heraus bzw. der eigenen Erfahrung zu spielen, als sich monatelang mit einem Kollegen auf eine Szene vorzubereiten. Wenn man als Schauspieler aufgeschlossen ist, und das war Sienna definitiv, dann braucht man einfach nur da zu sein und die Geschichte erzählen.

Ricore: In Ihrer Karriere läuft es derzeit sehr gut. Müssen Sie sich nicht manchmal zwicken, um sicherzugehen, dass Sie nicht träumen?

Cooper: Jeden Tag (lacht). Ich weiß, dass es viel Glück braucht, um in Hollywood Arbeit zu bekommen. Andererseits reiße ich mir täglich den Arsch auf. Ich betrachte mich als hart arbeitenden Menschen. Das hat auch damit zu tun, dass der Traum von einem Tag auf den nächsten vorbei sein kann.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de,  23. Februar 2015

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