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Interview

Ryan Gosling in "The Big Short"
Paramount Pictures

'Die Vaterschaft hat mein Leben verbessert'

Beschützer Ryan Gosling
Was haben Ryan Gosling, Steve Carell und Christian Bale in "The Big Short" gemeinsam? Zwei Sachen: Sie spielen Wirtschaftsexperten, welche die Finanzkrise von 2007 bereits zwei Jahre zuvor voraussehen. Und sie haben in dem Film schreckliche, wirklich furchtbare Frisuren. Im Interview mit Ricore Text verrät Gosling, dass ihn gerade das an der Rolle reizt. Außerdem spricht der kanadische Schauspieler über sein Image als Frauenschwarm und darüber, wie sein Kind sein Leben bereichert.
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de,  5. Januar 2016
Adam McKay
Paramount Pictures
Adam McKay

Lese gelegentlich das Wall Street Journal

Ricore Text: Mr. Gosling, was hat Sie dazu bewogen, in "The Big Short" mitzuspielen?

Ryan Gosling: Die Dauerwelle. Als Adam mich frage, sagte ich: 'Du hattest mich schon bei der Dauerwelle.' (lacht) Ich liebe Adams Filme. Sie sind für mich fast keine Filme mehr, sondern wie Freunde. Ich schaue mir "Stiefbrüder" an, um zu sehen wie es ihm geht.

Ricore: Wie wichtig ist es für Sie, mit Kollegen zu arbeiten, die Sie mögen?

Gosling: Sehr wichtig. Teil eines Projekts zu sein, an dem man gerne arbeitet, macht es noch aufregender. Ich habe hierbei wieder viel gelernt. Ich nahm viel aus dem Drehbuch und der Vorlage von Michael Lewis mit. Danach setzte ich mich im Laufe der Recherche mit dem Thema auseinander. Selbst als ich mir den Film anschaute, lernte ich noch was dazu.

Ricore: Viele Menschen haben durch die Finanzkrise ihr Zuhause verloren. Dennoch hat "The Bid Short" auch einige helle Momente. Wie wichtig ist es, bei ernsten Situationen nicht den Humor zu verlieren?

Gosling: Adam hat die einzigartige Fähigkeit, selbst angesichts ärgerlicher Sachen, seinen Sinn für Humor nicht zu verlieren. Es war einfach aufregend, bei diesem Film mitzumachen. Ich finde es wichtig, dass man die ganze Sache auch mit Humor sieht. Sonst frisst einen das Leben auf.

Ricore: Ihr Charakter in "The Big Short" ist vom echten Leben inspiriert. Sind Sie dem Vorbild ihres filmischen Charakters jemals begegnet?

Gosling: Ja, diese Gelegenheit hatte ich. Meine Figur hat im Film einen Auftritt, zugleich fungiert sie als Erzähler, der den Zuschauer wie ein Touristenführer durch das Geschehen begleitet. Gelegentlich kam ich mir vor wie ein Moderator, der die vierte Wand durchbricht, um einen neuen Gast vorzustellen. Wir haben uns mit dem Charakter große Freiheiten geleistet - mit dem Ergebnis, dass er sich von der wahren Person stark unterscheidet.

Ricore: Sind Sie eifriger Leser von Wirtschaftsmagazinen? Verfolgen Sie die Aktienkurse?

Gosling: Ich lese gelegentlich das Wall Street Journal. Um meine Investitionen kümmere ich mich nicht besonders. Dafür sind die Finanzberater da.


Finanzhaie Steve Carell und Ryan Gosling in "The Big Short"
Paramount Pictures
Finanzhaie Steve Carell und Ryan Gosling in "The Big Short"

Ryan Gosling: schon als Kind in die Schauspielerei verliebt

Ricore: Es heißt, dass Sie früher die Stimme von Marlon Brando imitiert hätten, weil Sie Ihre nicht für kräftig genug hielten. Stimmt das?

Gosling: Ich habe früher mit verschiedenen Stimmen herumgespielt. Der Grund war, dass ich mich schon als Kind in die Schauspielerei verliebt habe. Das war meine Art, in diese Welt einzutauchen.

Ricore: Sie haben Ihre Karriere zusammen mit Justin Timberlake und Britney Spears in der Disney-Fernsehsendung "Mickey Mouse Club" angefangen. Mit welchem Gefühl blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Gosling: Es war ein großer Spaß. Ich tat dort alles, was ich tun musste. Wenn man als Kind die Möglichkeit hat, in einem solchen Format aufzutreten, dann ist das aufregend. Und ich kann nicht behaupten, dass die Zeit mit Disney mir nicht die eine oder andere Tür geöffnet hat. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ricore: Sie sind nach der Scheidung Ihrer Eltern bei Ihrer Mutter aufgewachsen. Wie hat diese Erfahrung Ihre Beziehung zu Frauen beeinflusst?

Gosling: Ich liebe meine Mutter und werde das immer tun. Sie hatte einen großen und positiven Einfluss auf mein Leben. Was sie angeht, hatte ich immer einen großen Beschützerinstinkt. Das hat auf mein Erwachsenenleben abgefärbt. Ich bin ein sehr beschützender Mensch. Damit meine ich meine Partnerin und mein Kind.

Ricore: Inwiefern hat Sie die Vaterschaft geprägt?

Gosling: Vater zu sein ist die großartigste Sache der Welt. Keine Frage. Ich habe in meinem Leben nie weniger geschlafen und war nie glücklicher als heute. Vatersein hat mein Leben verbessert.

Ricore: Wie stehen Sie dazu, dass Sie seit "Wie ein einziger Tag" der Schwarm vieler Frauen sind?

Gosling: Ich liebe diesen Film und die Rolle. Ich stehe dazu und finde, dass es eine großartige Geschichte ist. Trotzdem bin ich ein professioneller Schauspieler und erledige meine Arbeit so gut ich kann. Wenn die Menschen es mögen, heißt das, dass ich meine Arbeit richtig gemacht habe. Das macht mich glücklich.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de,  5. Januar 2016

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