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©Concorde Filmverleih

Der Biber

OriginaltitelThe Beaver
GenreKomödie
Land & Jahr USA 2011
FSK & Länge ab 6 Jahren • 91 min.
KinoDeutschland
AnbieterConcorde Filmverleih
Kinostart19.05.2011
RegieJodie Foster
DarstellerJennifer Lawrence, Steven Weisz, W.A. Walters, Kelly Coffield, Anney McKilligan, Brett McClelland
Homepage http://www.biber-derfilm.de
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Mel Gibson sucht sein Heil in einem Stofftier

Eigentlich kann sich Walter Black (Mel Gibson) nicht beschweren. Als erfolgreicher Geschäftsführer eines Spielzeug-Unternehmens, Ehemann und Vater zweier Kinder hat er alles erreicht, was ein Mensch in seinem Leben erstreben kann. Materielle Belange und familiäre Gemütlichkeit sind aber nicht alles im Leben. So fällt Walter in eine tiefe Depression, die seine Existenz bedroht. Die Beziehung zu seiner Frau Meredith (Jodie Foster) geht in die Brüche und um das Verhältnis zu seinem älteren Sohn Porter (Anton Yelchin) ist es auch nicht zum Besten bestellt. Dieser lässt nichts unversucht, um ja nicht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Verzweifelt und von der Welt allein gelassen, sieht Walter im Suizid den letzten Ausweg. Doch just in dem Moment, als er seinem Leben mit einem Sprung aus seinem Hotelzimmer ein Ende bereiten will, hört er eine Stimme, die sein Vorhaben vereitelt. Es ist die Stimme jener Stoffpuppe, die er kürzlich gefunden hat und sich über seine Hand streifte.

Diese plötzliche Wende der Handlung lässt vermuten, dass "Der Biber" von nun an in Richtung Fantasy einschlägt. Doch Regisseurin Jodie Foster und Autor Kyle Killen verlassen keinesfalls die Realismus-Schiene. Die Stimme, die Walter vernimmt, ist seine eigene. Es ist sein inneres Ich, das sich schützend vor sein destruktives Wesen stellt und sich in Gestalt der Puppe ihren Ausdruck sucht. Der titelgebende Biber dient als Folie für die Auseinandersetzung Walters mit seiner Krankheit, eine nach Außen getragene Therapie in Form eines Dialogs mit sich selbst. Dieser Selbstschutz trägt auch bald Früchte. Schlagartig verbessert sich Walters Gemütszustand. Er lebt auf und scheint seine Krankheit zu überwinden. Sein Unternehmen führt er schnell wieder auf die Erfolgsspur und auch die Beziehung zu seiner Frau stabilisiert sich. Doch kann die "Partnerschaft" mit der Puppe auf Dauer gut gehen? Denn Walter wird mit dem Biber an seiner Hand zunehmend zum Sonderling. Auch der ursprüngliche therapeutische Zweck des Dialogs scheint nicht mehr aufzugehen. Dieser entpuppt sich vielmehr als Flucht in Illusionen, als Verdrängung seiner Probleme, statt sich mit diesen auseinanderzusetzen.
Im Grunde ist Jodie Fosters "Der Biber" kaum mehr als ein Film, der alle Zutaten eines Feel-Good-Dramas in sich vereint. Da jagt ein Konflikt den anderen. Es gibt eine Krise, den Irrtum einer Entscheidung und schließlich die finale kathartische Erkenntnis, die den Protagonisten wieder auf den rechten Weg führt. Nichts Neues also aus der Traumfabrik, wäre da nicht diese eine Variation des üblichen Schemas in Gestalt der Puppe. Man mag einwenden, dass es wieder typisch für die Erzählhaltung Hollywoods sei, komplexe wissenschaftliche Prozesse - in diesem Fall die Behandlung einer angeknacksten Psyche - zu banalisieren. Dennoch ist es ein Element, das innerhalb der konventionellen Dramaturgie quer steht und dem Film letztlich seine überraschende Würze verleiht. Zudem sorgt die Idee für die eine oder andere tragikomische Situation, etwa wenn Walter von der Familie abermals verlassen wird und er wie ein Häuflein Elend mit der Puppe an der Hand am Eingang seines Hauses zurückbleibt. In solchen Momenten weiß der Zuschauer nicht, ob er lachen oder mit der Figur leiden soll.

Überraschend ist auch, dass die an sich groteske Situation, dass ein Mann sich partout nicht von seiner Puppe trennen will und diese selbst beim Liebesakt mit seiner Frau oder auf der Arbeit bei sich hat, niemals unfreiwillig komisch wird. Allenfalls unglaubwürdig ist, dass Walter mit seiner Macke mit Ausnahme des ältesten Sohnes nicht nur bei seiner Familie, sondern auch in der Arbeitswelt und schließlich bei der ganzen Nation allzu schnell auf Verständnis stößt. Hier verharrt "Der Biber" an der Oberfläche, ohne Aspekte der Handlung wie die plötzliche mediale Präsenz Walters oder die öffentliche Außenseiter-Verehrung differenzierter zu betrachten. Geradezu ärgerlich ist die Art und Weise, wie die Puppenfigur initiiert wird. Zwar wird schnell klargestellt, dass der Biber die Konkretion einer inneren Auseinandersetzung Walters, also eine durchaus nachvollziehbare Handlung ist. Doch eingeführt wird die Figur mit den Mitteln des Fantastischen. Man glaubt sich plötzlich in einem Mystery-Konstrukt a la "Was Frauen wollen" oder "Und täglich grüßt das Murmeltier" versetzt, wo eine nicht näher zu bestimmende Macht die gewohnte Welt der Physik aus den Angeln hebt. In diese Richtung geht "Der Biber" jedoch nicht, und so ist der angesprochene Kniff als Täuschung des Zuschauers auszulegen und offensichtlich nur der Effekthascherei geschuldet.

Andererseits ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Puppe im Verlauf der Handlung immer lebendiger wird und sich zunehmend von seinem Partner löst. Das führt zu manchen irritierenden und unheimlichen Situationen. Diese sind jedoch keinesfalls als irreale Momente zu interpretieren, sondern repräsentieren den immer stärker werdenden Lebenswillen Walters. Die Plastizität des Bibers ist hingegen das alleinige Verdienst Mel Gibsons. Dieser legte nicht nur großen Wert auf einen möglichst perfekten Bewegungsablauf der Puppe. Er liefert mit der Darstellung des seelisch gebrochenen Walter eine seiner besten Leistungen seit langem ab. Gibson erweist sich als perfekter Darsteller für diese zwischen Tragik und Komik pendelnde Figur. Hierfür kam ihm einerseits sein in der Öffentlichkeit präsentes Raubein-Image zugute, andererseits sein typischer, zwischen Ironie, Klamauk und grimassierendem Manierismus pendelnder Schauspielstil.

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Der Biber

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