3Rosen
Shahada

Shahada

Wer bist du? Wen liebst du? Woran glaubst du?
Originaltitel
Shahada
Alternativ
Die Himmelsleiter
Genre
Episodenfilm
Land /Jahr
Deutschland 2010
 
90 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
Kinostart
30.09.2010 ( Kino Deutschland | Kino Schweiz ) bei 3Rosen
Regie
Burhan Qurbani
Darsteller
Carlo Ljubek, Jerry Hoffmann, Maryam Zaree, Marija Skaricic, Sergej Moya, Vedat Erincin
Homepage
http://www.shahada-der-film.de
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
6,0 (Filmreporter)
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Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsTrailersGalerieDVDsbewerten
Handwerklich perfektes, wenig originelles Drama
"Shahada" erzählt die Geschichten dreier in Berlin lebender Moslems, die Regisseur Burhan Qurbani in seinem Debüt in der Manier Robert Altmans ("Short Cuts") und Paul Thomas Andersons ("Magnolia") auf effektvolle Weise ineinander verschachtelt. Werte und Lebensauffassungen der jungen Menschen geraten ins Wanken, als jeder von ihnen mit harten Schicksalsschlägen konfrontiert wird. Da ist zum Beispiel Maryam (Maryam Zaree), deren westlich orientierte Lebensauffassung zu Auseinandersetzungen mit ihrem Vater Vedat (Vedat Erincin) führt. Dieser vertritt zwar eine liberale Auslegung des Korans, doch die freizügige Art seiner Tochter geht ihm doch zu weit.

Als Maryam erfährt, dass sie von Sinan (Burak Yigit) schwanger ist, gerät ihre Welt doch ins Wanken. Sie entschließt sich zu einem heimlichen Schwangerschaftsabbruch. Spätestens als dieser Nebenwirkungen nach sich zieht, glaubt sie, dass Gott sie für ihren Lebenswandel bestrafen will. Wahnhaft nimmt sie eine radikale Form des Glaubens an und stellt damit sowohl ihren Vater als auch die türkische Gemeinde auf eine harte Probe.

Samir (Jeremias Acheampong) arbeitet mit seinem Freund Daniel (Sergej Moya) auf einem Großmarkt. Aus der Freundschaft wird mehr, als die Gefühle des schwulen Daniel von Samir erwidert werden. Der strenggläubige Nigerianer gerät damit in einen Gewissenskonflikt, weil er glaubt, dass seine Neigung nicht mit seinem Glauben vereinbar sind. Der türkisch-stämmige Polizist Ismail (Carlo Ljubek) hat sich zwar vom Glauben losgesagt, doch auch er befindet sich in einem Gewissenskonflikt. Während eines Einsatzes hat er vor drei Jahren aus Versehen die damals schwangere Leyla (Marija Skaricic) angeschossen. Diese überlebte den Unfall zwar, verlor aber ihr ungeborenes Kind. Bei einem Routine-Einsatz trifft Ismail Leyla zufällig wieder. Immer noch voller Schuldgefühle, sucht der verheiratete Mann den Kontakt zu Leyla, bis sich die beiden näher kommen.
Burhan Qurbani konfrontiert in "Shahada", dessen Titel sich auf das islamische Glaubensbekenntnis bezieht, die Religion mit der Unberechenbarkeit der Realität, um zu konstatieren, dass hierbei zwei Welten aufeinanderprallen, die sich nicht vertragen. Dabei ist "Shahada" keinesfalls ein Religionskritischer Film. Wie an der Figur des Vaters deutlich wird, findet der Islam durchaus Antworten auf die Anforderungen der gesellschaftlichen Gegenwart. Qurbani nimmt die ultraorthodoxe Auslegung des Glaubens ins Visier und erteilt dieser eine klare Absage. In diesem Sinne hat der Islam eher einen Modellcharakter und ist symptomatisch für die strenge Auslegungsformen des Glaubens im Allgemeinen.

Das Beispiel Maryams belegt diese These. Alle Schicksalsschläge, die ihr widerfahren, angefangen mit dem Tod ihrer Mutter über die ungewollte Schwangerschaft bis hin zur missglückten Abtreibung, legt sie als Strafe Gottes für ihren freizügigen Lebenswandel aus. Es ist ihr Vater und die türkische Gemeinde, die ihr - wenn auch vergeblich - klar zu machen versuchen, dass Gott nicht so erbarmungslos ist, wie sie ihn in ihrer getrübten Wahrnehmung sieht. Allenfalls an der Figur Samirs, in der sich die Intoleranz der monotheistischen Religionen zeigt, scheint eine kritische Betrachtung durch. An ihm wird deutlich, dass das Glaubensbekenntnis, auf das "Shahada" im Titel anspielt, mit der Preisgabe der individuellen Freiheit und des persönlichen Glücks einhergeht.

Einzig Ismail ist und bleibt zum Glauben auf Distanz. Dass auch er ein Leidender ist, liegt folglich nicht an der Restriktion durch eine übergeordnete Instanz, sondern an einer 'inneren Ordnung': dem Gewissen, das ihn nach seiner Schuld gegenüber Leyla plagt.

Inszenatorisch bewegt sich Qurbani in der Tradition des episodisch-verschränkten Erzählens, wie sie von Altman perfektioniert und von seinem Epigonen Anderson weiterentwickelt wurde. Vor allem an das filmische Werk von Anderson fühlt man sich erinnert, je tiefer man in den Erzählkosmos von "Shahada" eintaucht. Dabei übertreibt es Qurbani in seiner nacheifernden Art leider. Nicht nur lässt er den gesamten Film wie Anderson und anders als Altman in effektvollem Pathos und bedrückender Melancholie schwelgen, sondern geht sogar so weit, einzelne Motive aus "Magnolia" zu zitieren. So erinnert die Hagelszene deutlich an den Froschregen, ohne dabei die irritierende Wirkung des Originals zu erreichen. Filme in dieser Erzählform sind für das deutsche Kino nicht üblich und dies ist vor diesem Hintergrund ehrenwert. Ebenso wie die Tatsache, dass "Shahada" sich darstellerisch und inszenatorisch durchaus auf hohen Niveau bewegt. Zu wünschen wäre allerdings, dass Qurbani sich von seinem Vorbild etwas gelöst und den Mut zu mehr Eigenständig gefunden hätte.
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Videoclip:
Maryam (Maryam Zaree) klappt beim Tanzen in einem Club auf der Tanzfläche zusammen. Auf der... 
Vedat (Vedat Erincin) versteht nicht, wieso sich seine Tochter so verändert hat. Sie soll wieder... 
Galerie:
Burhan Qurbani begibt sich mit seinem Debüt auf die Spuren von Robert Altman und Paul Thomas Anderson
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsTrailersGalerieDVDsbewerten
2021