Prokino
Shame

Shame

Originaltitel
Shame
Regie
Steve McQueen
Darsteller
Carl Low, Lucy Walters, Calamity Chang, DeeDee Luxe, Stanley Mathis, Wenne Alton Davis
Kinostart:
Deutschland, am 01.03.2012 bei Prokino Filmverleih
Kinostart:
Österreich, am 09.03.2012 bei Filmladen
Kinostart:
Schweiz, am 08.03.2012 bei Frenetic Films
Genre
Drama
Land
Großbritannien
Jahr
2011
FSK
ab 16 Jahren
Länge
100 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
8,0 (Filmreporter)
5,0 (2 User)
Verstörendes Drama über einen Sexbesessenen
Brandon Sullivan (Michael Fassbender) ist ein erfolgreicher Manager, gut aussehend und in den besten Jahren. Doch das alles ist für ihn nur eine Fassade. Denn Brandon ist vor allem ein Besessener. Jede Minute seines Lebens denkt und dürstet er nach Sex. Er macht alles, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Er bestellt sich Prostituierte in seine Wohnung, wichst vor Pornos aus dem Internet, schleppt Frauen für One-Night-Stands aus Clubs und Diskotheken ab. Eine normale Beziehung hat er schon lange keine mehr.

Auch seine Hilfe suchende Schwester Sissy (Carey Mulligan) stört ihn. Diese wurde von ihrem Freund verlassen - was in einer Szene angedeutet wird - und nistet sich in Brandons Wohnung ein. So sehr sie bemüht ist, die Zuneigung ihres Bruders zu gewinnen und ihn im Gegenzug aus seiner Lethargie zu befreien, stößt sie auf Ablehnung. In Brandons Augen ist sie nicht viel mehr, als ein Störfaktor in seinem Leben. Dies ist sie vor allem weil sie durch ihre Anwesenheit Brandon bei seinem exzessiven Sexleben im Weg steht. Es dauert nicht lange, bis die Emotionen auf beiden Seiten hochkochen.
In seinem Spielfilmdebüt "Hunger" thematisierte Steve McQueen das Schicksal eines IRA-Kämpfers, der sich im Gefängnis zu Tode hungerte. Dabei verknüpfte er den qualvollen Tod des Mannes zu einer filmisch distanzierten Verhaltensstudie. Ähnlich nüchtern geht der Regisseur auch bei seinem zweiten Spielfilm vor. "Shame" ist eine betont sachlich gehaltene Studie eines Mannes, dessen wichtigster Lebensinhalt Sex ist. Psychologischen Erklärungsmustern des Protagonisten verweigert sich McQueen konsequent. Auch wenn er sich im Presseheft selbst einen Moralisten nennt, findet sich diese Haltung im Film auf der Handlungsebene nicht. Das Verhalten des Protagonisten wird nicht in einen moralischen Kontext gestellt, dem Zuschauer werden weder Sympathien noch Antipathien mit der Hauptfigur gestattet. Motivationen und Wünsche werden allenfalls impliziert.

In dem Maße wie sich Brandon seiner Hypersexualität bewusst wird, stürzt er sich in seine zerstörerische Obsession. Der Erotik hat McQueen jeden Anflug von Schönheit und Sinnlichkeit ausgetrieben, in der Darstellung des großartig aufspielenden Michael Fassbender bekommt sie eher diabolische Züge. "Shame" ist in seiner sachlichen Thematisierung einer zerstörerischen psychischen Störung - so verstörend wie betörend schön.
Willy Flemmer, Filmreporter.de
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Frenetic
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2022