Studiocanal Filmverleih
Mulholland Drive (2001)

Mulholland Drive

Straße der Finsternis
Originaltitel
Mulholland Drive
Regie
David Lynch
Darsteller
Naomi Watts, Jeanne Bates, Dan Birnbaum, Laura Harring, Randall Wulff, Robert Forster
Kinostart:
Deutschland, am 03.01.2002 bei Concorde Filmverleih
Kinostart:
Deutschland, am 01.02.2022 bei StudioCanal Germany
Kinostart:
Österreich, am 01.02.2022 bei Constantin Film
Genre
Thriller
Land
USA, Frankreich
Jahr
2001
FSK
ab 16 Jahren
Länge
152 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
8,0 (Filmreporter)
6,6 (7 User)
Komplexes Meisterwerk von David Lynch
Rita (Laura Harring) entgeht nur durch einen Zufall einem Mordanschlag auf dem Mulholland Drive. Verstört und desorientiert blickt sie auf die Lichter von Los Angeles. Sie hat ihr Gedächtnis verloren, aber ihr Fluchtinstinkt funktioniert. Verdreckt und ausgehungert versteckt sie sich in einem scheinbar leer stehenden Haus. Hier weilt gerade die junge Betty Elms (Naomi Watts), die in der Traumfabrik Karriere machen will. Sie ist die Nichte der Eigentümerin.

Während die beiden Frauen versuchen, das Geheimnis hinter Ritas Identität zu lüften, wird ein Regisseur mit harschen Drohungen gezwungen, seine Hauptdarstellerin auszuwechseln. Auch die mutmaßlichen Mörder lassen nichts unversucht, Rita zu finden.
Welch komische Geschichte schrieb das Leben hier? Der amerikanische TV-Sender ABC gibt Kultregisseur David Lynch Geld und Auftrag für einen TV-Pilotfilm. Der ist nach der behutsamen "The Straight Story - Eine wahre Geschichte" längst wieder bei seinen radikalen Wurzeln angekommen. Die Folge: die TV-Macher bekommen nasse Füße und das Projekt wird eingestampft. Lynch jedoch bekommt - quasi als Trost - die Rechte an der Produktion. Das nächste Kapitel gleicht einem schlechten Hollywood-Märchen. Aus dem Pilotfilm wird ein Kinofilm, aus dem Kinofilm ein mehrfach preisgekröntes Werk.

Die erste Hälfte des surrealistischen Psychothrillers, die rund vier Fünftel des Films ausfüllt, ist auf den ersten Blick eine Hommage an Alfred Hitchcocks Thriller-Klassiker. Wie einst Grace Kelly in "Das Fenster zum Hof" und andere Blondinen in den Filmen des Meisters stellt Betty alle Bedenken hintenan und begibt sich in Gefahr, um ihrer neuen Freundin Rita zu helfen. Dabei kommen sich die beiden Frauen sehr nahe, was bei dem britischen Regisseur wohl nie möglich gewesen wäre.

Lynch frönt einmal mehr seiner Vorliebe für das Unbewusste, Alpträume und die Schaffung von düsteren, bedrohlichen Atmosphären. Er spielt zudem mit den Erwartungen der Zuschauer an die Frauen-Archetypen Hollywoods, der dunkelhaarigen Femme Fatal und der blonden Unschuldigen, die möglichst vom Land kommt. Im letzten Teil des Films führt er diese mit Blick auf die Persönlichkeit der beiden dann ad absurdum. Nichts war und ist, wie es scheint. Der Blickwinkel beginnt mit einem der zahlreichen Alpträume Ritas, mit denen sie ihrer Vergangenheit näher kommt. Das Ende bietet mehrere Auflösungen des Geschehens an: Neben einem schief gelaufenen Mordkomplott könnte das Geschehen der Rachetraum einer eifersüchtigen Frau oder Ausdruck der Ängste einer Frau vor dieser Rache sein.

Der Titel des Films, für den Lynch bei den Filmfestspielen von Cannes 2001 mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde, spielt auf Billy Wilders "Boulevard der Dämmerung" an. Der Amerikaner lässt in die mysteriöse Handlung auch seine eigenen Erfahrungen mit der Traumfabrik einfließen. Obwohl er für Serien wie "Twin Peaks" gefeiert wird, muss er stets um die künstlerischen Freiheiten kämpfen, um seine extravaganten und die Zuschauer herausfordernden Storys auf die Leinwand zu bringen.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
Nach einem Autounfall findet Rita Unterschlupf bei Schauspielerin Betty. Die Frauen werden bald in einen düsteren Alptraum verstrickt.
 
David Lynch greift tief in die Trickkiste aus Abgründen und Realitätstäuschungen.
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Mulholland Drive (2001)
2022