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Der letzte Mentsch

Originaltitel
Der letzte Mentsch
Genre
Drama
 
Deutschland/Schweiz/Frankreich 2014
 
93 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
08.05.2014 ( D | A ) bei farbfilm verleih
 
 
Regie
Darsteller
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6,0 (Filmreporter)
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Farbfilm Verleih
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieInterviewDVDsbewerten

Mario Adorf verdrängt grauenhafte Kriegserlebnisse

Marcus Schwarz (Mario Adorf) ist Überlebender der Konzentrationslager von Theresienstadt und Auschwitz. Nach den traumatischen Erlebnissen entwickelt er eine wirksame Überlebensstrategie: Er unterdrückt jahrelang seine Erinnerung an den Horror.

Als er im Herbst seines Lebens Vorbereitungen für seinen Tod treffen will, holt ihn die Vergangenheit jedoch wieder ein. Um auf einem jüdischen Friedhof unter seinesgleichen begraben werden zu können, muss er seine jüdische Identität beweisen. Dafür kehrt er zu seinen Wurzeln in Ungarn zurück. Begleitet wird er dabei von der Gül (Katharina Derr), die sich ihm als Fahrerin anbietet.


Die Auseinandersetzung mit den deutschen Gräueltaten, insbesondere dem Holocaust gehört zu den wichtigsten Themen. Vor allem an der Diskrepanz zwischen dem Vergessen und dem Erinnern der traumatischen Erlebnisse entzündet sich immer wieder die Debatte, die insbesondere in Kunst, Literatur und Film weiter geführt wird. Pierre-Henry Salfati und seine Drehbuch-Koautorin Almut Getto behandeln diese Problematik in "Der letzte Mentsch" aus der Opferperspektive. Im Zentrum steht ein jüdischer KZ-Überlebender, der sich um des Weiterlebens willen dazu entschlossen hat, das im Dritten Reich Erlebte zu verdrängen.

Leider gelingt es weder dem Drehbuch noch Salfatis Inszenierung, dem gewichtigen Thema ästhetisch gerecht zu werden. Stattdessen gehen die Filmemacher wie ihr Protagonist den einfachen Weg, indem sie ihre Geschichte in ein konventionelles Road- und Buddy-Movie-Gewandt zwängen. Mario Adorf beeindruckt mit seiner vielschichtigen Interpretation der Hauptfigur, der er sich ohne Mitleidspathos und Betroffenheitskitsch nähert. Doch weder er noch die surreal anmutende Rahmenhandlung um Hannelore Elsners Figur, deren faktische Blindheit die Blindheit des Holocaust-Überlebenden spiegelt, können die schematische Erzählung ausbalancieren.

Abgesehen von der Tatsache, dass die Filmemacher große Fragen in ein Genre-Konstrukt zwängen, enttäuscht die Paar-Konstellation Marcus/Gül noch in einer anderer Hinsicht. Die Tatsache, dass sich das Mädchen von einem Problemkind zu einer politisch bewussten jungen Frau wandelt, die überdies den alten Mann auf den Weg der Selbsterkenntnis bringt, mag man dem Film einfach nicht abnehmen. Zu bemüht und - noch schlimmer: didaktisch wirkt das Drama in diesen Passagen.

Unterm Strich ist der Anspruch von "Der letzte Mentsch" zwar ehrenwert ist, zumal das Drama auf ein weiteres wichtiges Problem der Vergangenheitsbewältigung hinweist: die Tatsache nämlich, dass die 'letzten Mentschen', die letzten Zeitzeugen des Holocaust und mit ihnen die 'lebendige Erinnerung' (so Salfati im Presseheft) bald ausgestorben sein werden. Doch scheitern Salfati und Getto letztlich an ebendiesem Anspruch, weil sie für ihr monumentales Thema keine originäre Bildsprache gefunden haben.
Der letzte Mentsch
Felix von Mutalt/Farbfilm Verleih
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