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Stirb an einem anderen Tag
20th Century Fox

Heute schon die Welt gerettet?

James Bond zum Zwanzigsten
40 Jahre Bond. In 20 Filmen 20 mal die Welt gerettet, aber von Dienstmüdigkeit keine Spur. Wer hätte 1962 gedacht, dass der berühmte Agent im Geheimdienst ihrer Majestät so alt werden und dabei so jung bleiben würde. Natürlich hat es äußerliche Veränderungen gegeben, von Sean Connery über George Lazenby, Roger Moore und Timothy Dalton, bis zu Pierce Brosnan. Die Haare waren mal dunkler, mal heller, mal kürzer, mal länger -Bond sieht immer noch so gut aus, wie bei Dienstantritt 1962 in "James Bond 007 jagt Dr. No". Die Zeit heilt alle Wunden. Nicht nur die Frisur sitzt, als sei ihm nie ein Haar gekrümmt worden.
Von  Frank Geissler, Filmreporter.de,  25. November 2002
Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Zeit spielte bei James Bond schon immer eine besondere Rolle. Der Gang der Geschichte lässt sich wunderbar anhand seiner Abenteuer verfolgen. Der Ostblock ist zusammengebrochen? Dann muss die Russen-Mafia als Reich des Bösen herhalten. AOL und Time Warner läuten mit ihrer Fusion das Zeitalter des Medien-Konglomerats ein? Da wird schon mal ein Tycoon à la Murdoch zum macht- und einschaltquotengeilen Bösewicht.


Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Wie visionär die Bond-Macher sind, zeigt sich daran, dass das Thema in "Der Morgen stirbt nie" noch Jahre vor der Elefantenhochzeit der beiden Medienunternehmen verfilmt wurde. Ob man eines Tages Bond-Filme im Geschichtsunterricht zeigen wird? Der Fortschritt der Technik ist jedenfalls - durch die Erfindungen des legendären Q etwas überzeichnet - nirgendwo in der Filmgeschichte besser dokumentiert. Lange wird es bestimmt nicht mehr dauern, bis wir unseren BMW per Fernsteuerung lenken können, wie Bond in "Der Morgen stirbt nie".


Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Steter Wandel hier, absoluter Stillstand dort. Kurz bevor der Timer des Sprengzünders bei Null ankommt, bleibt die Zeit garantiert stehen. Bond verschiebt im neuen, mittlerweile zwanzigsten Film das Sterben auf einen anderen Tag - es erwischt lediglich ein paar Bösewichte, die sich besser nicht mit Agent 007 angelegt hätten. Leben und Sterben lassen, lautet die Devise. Auch sonst bleibt alles beim alten: Die angesagtesten Frauen treffen leicht bekleidet auf den Mann mit der Lizenz zum Töten - diesmal Oscar-Gewinnerin Halle Berry und in einer kleinen Nebenrolle die Grande Dame des Pop, Madonna. Sie singt den Titelsong und hat einen kurzen, geheimnisvollen Auftritt als Fechtlehrerin. Irgendwie passend, denn sie und Bond sind Seelenverwandte - beide erfinden sich alle zwei Jahre neu und bleiben sich gerade deshalb treu.


Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Weil die Russen-Mafia inzwischen ein alter Hut ist, widmet sich Bond diesmal der Konfliktregion Korea. Exotisches Flair kommt in der kubanischen Hauptstadt Havanna auf - herhalten musste bei den Dreharbeiten dafür die spanische Stadt Cádiz. Für Eiseskälte sorgt eine spektakuläre Verfolgungsjagd in einem Eispalast auf Island - gefilmt wurde sie größtenteils in den Pinewood Studios in Großbritannien. Aber es ging bei Bond schon immer mehr um die Kulisse als um das, was dahintersteckt. Das Make-Up muss stimmen. Nur deshalb konnte Bond so lang so jung bleiben. Es ist wie bei McDonalds: Weil wir wissen, was uns erwartet, gehen wir immer wieder hin. Wie "Bond - James Bond" seinen Vodka Martini trinkt, weiß inzwischen jedes Kind. Es lebe die Corporate Identity. Der Agentenfilm als nie enden wollende Soap Opera.


Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Wäre da nur nicht das wiederkehrende Besetzungsproblem: Bei den Soaps werden Figuren durch Tod oder Entführung eliminiert, wenn beispielsweise Darsteller genug von ihrer Rolle haben. Bond dagegen lebt - und nicht nur zweimal. Pierce Brosnan hatte angekündigt, nach dem nächsten Film die Rolle an den Nagel zu hängen. Letzte Gerüchte besagen, dass er vielleicht den Geheimagenten doch noch zwei mal mimen will. Früher oder später wird sich das Personalkarussell wieder drehen, und eine neuerliche Verjüngungskur steht an.


Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
Szene aus: Stirb an einem anderen Tag
So irreal die Figur James Bond auch sein mag - die Weltgeschichte wird, wenn auch im Zerrbild, stets widergespiegelt. Hochaktuell und zeitlos. Ein Konzept, das auch in weiteren 40 Jahren funktionieren wird. Auf der Kinoleinwand, und vielleicht auch im Geschichtsunterricht.
Von  Frank Geissler, Filmreporter.de,  25. November 2002

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