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Feature

Daniel Craig gibt in "Keine Zeit zu sterben" letztmalig MI5-Agent James Bond
Universal Pictures Germany (UPI)

Was erwartet uns bei Daniel Craigs letztem 007-Abenteuer?

Überlebt James Bond die Queen?
Bond bleibt Bond, James Bond, aber 007 nicht 007. Die legendäre Stelle wurde von den traditionsvergessenen Briten nach dem Ausscheiden ihres besten Mannes schnell wieder vergeben. Ansonsten bleibt viel Raum für Spekulationen rund um den 25. Bond, dem letzten mit dem beliebten Daniel Craig. Regisseur Cary Fukunaga verspricht eine rasante Mischung aus Tradition, ein Aston Martin bleibt Bonds Lieblingsspielzeug. Und Moderne. Wie britische Zeitungen berichten, hat Frauenschwarm Bond sogar geheiratet - sehen wir mal...
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  31. Dezember 2019
Sean Connery in "James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau" (From Russia with Love, 1964)
20th Century Fox
Sean Connery in "James Bond 007: Liebesgrüße aus Moskau" (From Russia with Love, 1964)

Queen Elizabeth II kennt alle 007

1962 war der Agent ihrer Majestät erstmals im Einsatz. Queen Elizabeth II saß damals wie heute auf dem Thron, die Namen der Bond-Darsteller wechselten. Sechs Schauspieler schlüpften bislang in die maßgeschneiderten Anzüge des charmanten Frauenverführers, Weltretters und begnadeten Baccara-Spielers (in der Variante Chemin de fer). Bond war immer traditionell und zugleich auf dem Stand der Zeit. Das beweisen nicht nur Qs gefährlich-skurrile Spielzeuge.

In dem illustren Bond-Sextett sticht einer bis heute alle anderen aus. Sir Sean Connery wurde 1962 der erste Bond. Obwohl er 1983 nach sieben nervenaufreibenden Einsätzen den Hut nahm, gilt er bei den Deutschen laut einer emnid-Umfrage aus dem Jahre 2018 bis heute als der beliebteste 007. Mehr als 50 Prozent der Fans votierten für den gebürtigen Schotten. Erst mit weitem Abstand folgen Roger Moore, Pierce Brosnan und Daniel Craig. Letzterer erhielt nur 8 Prozent der Stimmen.

Die Popularität des Briten litt ein wenig an seiner Distanz zur Rolle. Nach seinem vierten Bond-Auftritt verkündete er seine Ausstiegsabsichten. Er wolle sich lieber die Pulsadern aufschneiden, als sich in ein weiteres Bond-Abenteuer zu stürzen. Vielleicht wollte er auch einfach mehr Zeit mit seiner Frau, der Schauspielerin Rachel Weisz, und der gemeinsamen Tochter verbringen, die 2018 geboren wurde. Ein Blick in seinen Vertrag und seinen Gagenscheck bewogen den 1968 geborenen Briten dann doch zur Rückkehr an den Set.


Letzte Klappe für Daniel Craig als James Bond in "Keine Zeit zu sterben"
Universal Pictures Germany (UPI)
Letzte Klappe für Daniel Craig als James Bond in "Keine Zeit zu sterben"

Bond geht in Rente, sein Posten als 007 ist bereits vergeben

Was die Fans in "James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben" erwartet, halten die Produzenten um Barbara Broccoli wie immer streng geheim. Bekannt ist nur, dass der Agent den aktiven Dienst im MI6 verließ und mit seiner Ehefrau Madeleine Swann (Léa Seydoux, die ihm in 'James Bond 007: Spectre' den Kopf verdrehte) seine Rente auf Jamaica genießt. Gartenarbeit und Kochen bestimmen jetzt statt Jagden mit Straßenflitzern, Casinobesuchen und Flirts mit der Damenwelt den Tag.

Aus dem Ruhestand holt ihn sein alter Freund Felix Leiter (Jeffrey Wright) von der CIA. Ein geheimnisvoller Bösewicht bedroht die Welt mit einer High-Biotech-Waffe, die signifikante Genveränderungen auslöst. Bonds Erzfeind Blofeld (Christoph Waltz) wird ihn wohl nicht nochmals herausfordern. Der Österreicher kehrt nur für einen Kurzauftritt ins Bond-Universum zurück.

Nein, Rami Malik ist der Gejagte. Offiziell ist ihm von britischer Seite eine Frau auf den Fersen. Die 007 wurde im Londoner Headquarter schnell wieder vergeben. Lashana Lynch hat das Glückslos gezogen. Die Britin mit jamaikanischen Wurzeln war zuletzt in "Captain Marvel" zu sehen.


Der böse Bube im Spiel: Mads Mikkelsen in Casino Royale
Sony Pictures
Der böse Bube im Spiel: Mads Mikkelsen in Casino Royale

Radikale Veränderungen an der Figur trotz Unbehagen der Fans

Die Macher hinter Bond hätten mit dieser Wahl einen radikalen Neustart eingeleitet, trotz der massiven Proteste der Fans gegen einen Imagewandel angesichts der Spekulationen um die Neubesetzung nach Bekanntwerden von Craigs Demissionsabsichten. Innerhalb nur eines Jahrzehnts hätten sie einen radikalen Bruch mit dem Konzept von Bond-Vater Ian Fleming vollzogen. Zunächst machten sie aus der unbesiegbaren Comic-Figur einen Agenten aus Fleisch und Blut, der seine physischen und vor allem psychischen Verletzungen nicht einfach so wegsteckte. Ob ihm nach seinen Verbrecherjagden der Martini gerüttelt oder gerührt serviert wurde, was Craigs Bond egal - diese Revolution ging bei seinem ersten Einsatz in die Film-Geschichtsbücher ein.

Dass Frauen in Hollywoods-Blockbustern in handfesten Auseinandersetzungen ihren Mann stehen, dürfte auch Lashana Lynch beweisen. Ob ihre Verführungskünste ebenso gefragt sind wie bei ihren Vorgängern, bleibt abzuwarten. Am Spieltisch dürfte sie ebenso wie einst Sean Connery und alle folgenden Bonds eine gute Figur machen.


James Bond 007 jagt Dr. No - Ultimate Edition
20th Century Fox
James Bond 007 jagt Dr. No - Ultimate Edition

Poker, Roulette & Black Jack gehören zur DNA von Bond

Der Agent wurde zu Beginn von "James Bond 007 jagt Dr. No" stilecht bei einer Runde Chemin-de-fer, einer Baccara-Variante des, eingeführt. Selbstverständlich gewinnt Bond das Spiel, und lernt dabei Sylvia Trench, das erste Bond-Girl aller Zeiten, kennen. Und erstmals fällt der legendäre Satz "Bond, James Bond".

Fortan gehörte das Spiel zur Grundausbildung jedes Bond. George Lazenby zahlt in "Im Geheimdienst ihrer Majestät" die Roulette-Schulden seiner künftigen Gespielin Contessa Teresa di Vicenzo. Pierce Brosnan zieht es "Golden Eye" ins Spielerparadies Monte Carlo, wo er mit seiner künftige Gegenspielerin um höchste Baccara-Einsätze pokert. Bis heute saß kein Bond so lange am Spieltisch, nie wieder wurde das Spiel so ausführlich gezeigt.

Baccarat zählt als das Lieblingsspiel von James Bond und Chemin-de-fer war die Lieblingsvariante des Autors Ian Flemming. Daher mag es verwundern, wenn sich der 007-Agent im Casino einem anderen Spiel zuwendet. Doch auch das kommt durchaus immer wieder vor. In "Lizenz zum Töten" fordert Timothy Dalton den Bösewicht zu einer Partie Blackjack heraus. Dieses Casino Spiel gilt als selbsterklärend, fordert fortgeschrittene Spieler jedoch zu strategischen Denkweisen wie Verdoppelung, Teilung und Perfektes Paar auf. Bond punktet genau hierbei und gewinnt 250.000 US-Doller gegen den Bösewicht des Films. In "Casino Royal" findet sich Bond am Poker-Tisch wieder und abermals wird gegen den Schurken gespielt. Im Texas Hold'em Poker, der derzeit beliebtesten Pokervariante, gewinnt der Agent mit einem Straight Flush und verhindert damit LeChiffres Plan. Dies blieb Zuschauern in Erinnerung, sodass es mittlerweile sogar James-Bond-Pokerchips zu erwerben gibt.

Bond punktet also nicht nur im Baccarat. Genau deshalb gehört ein Casinobesuch zum festen Bestandteil der Filmreihen, ebenso wie ein trockener Martini, gut sitzende Smokings, eine spektakuläre, actionreiche Eröffnungssequenz, gefährliche Missionen mit abenteuerlichen Stunts, Superschurken sowie allerlei gefährliche Waffen aus dem Tüftelkeller von Q.


Prinz Charles mit Daniel Craig am SET von "James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben" in den Pinewood Studios
Universal Pictures Germany (UPI)
Prinz Charles mit Daniel Craig am SET von "James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben" in den Pinewood Studios

Auch Bond hat einen verletzlichen Knöchel

Die Arbeiten am 25. Bond, die Ende Oktober 2019 auf Jamaica endeten, standen unter keinem guten Stern. Erst schmiss Oscar-Gewinner Danny Boyle hin, der Bond zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London spektakulär die Queen retten ließ. Gemeinsam schwebten sie über dem Olympiastadion ein - nur den letzten Part übernahm ein Double der Königin. In den Entführungsszenen spielte sich Elizabeth II selbst. Eine Gage erhielt sie nicht, aber ihre Angestellten freuten sich über die Selfies mit Craig.

True Detective-Schöpfer Cary Fukunaga übernahm das Bond-Zepter und ließ das Drehbuch komplett umschreiben. Mehrmals wurden Dreh- und Starttermin verschoben. Im Mai verletzte sich Craig am Knöchel und musste operiert werden. Zwei Wochen stand die gesamte Produktion still. Die Produktionskosten explodierten, sie sollen sich mittlerweile auf 250 Millionen US-Dollar summieren. Trotzdem schlafen die Verantwortlichen ruhig. 007-Filme spielen immer wieder bis zu eine Milliarde Dollar ein. Abzuwarten bleibt, ob die Zuschauer diesem Konzept folgen. Eines steht aber bereits fest: In Großbritannien geht die Ära von Bond und seiner Majestät langsam zu Ende. Oder 007 erfindet sich abermals neu, wie so manches Mal.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  31. Dezember 2019

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