RETRO Feature
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Szene aus Ernst Lubitschs "Sein oder Nichtsein"
Erfinder der Screwball-Komödie
Ernst Lubitschs Sein oder Nichtsein
Er gilt als Wegbereiter der Screwball-Komödie. Seine Werke zeichnen sich durch ihre eindeutige Zweideutigkeit aus. Ernst Lubitsch inszenierte seine Gesellschaftskomödien frech, frivol und witzig. Doch wie kam der Berliner Regisseur zu diesem Ruhm? Ganz einfach, alles begann mit einer stillen Fahrt nach Amerika. Doch so leise lief es doch nicht ab. Es war der amerikanische Stummfilmstar Mary Pickford, die den Deutschen an einem kalten Wintertag im Dezember 1922 nach Hollywood lockte.
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"Sein oder Nichtsein"
In seiner Heimat war er bereits ein Star, nun sollte auch Hollywood Ernst Lubitschs Künste kennenlernen. Damals ahnte noch niemand, dass der Regisseur zumindest arbeitstechnisch Deutschland den Rücken kehren würde, und das, obwohl die erste Zusammenarbeit mit Pickford alles andere als zufriedenstellend verlief. Nachdem er sich mit monumentalen Kostümfilmen einen Namen machte, wollte Madame Pickford nur einen Regisseur für ihren neuen Film "Rosita". Lubitsch sollte es sein, der als Sohn eines jüdischen Damenschneiders in Berlin der Jahrhundertwende aufwuchs.
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Sein oder Nichtsein ("To Be or Not to Be", 1942)
Später pflegte er zu sagen, schon mit sechs Jahren gewusst zu haben, dass es nur einen Beruf für ihn gäbe. Dies scheint auch der Wahrheit zu entsprechen. Bereits in frühen Schulaufführungen war sein Talent sichtbar. Viel später sollte es ihn zum Film verschlagen. Nach der Lehre in einem Stoffgeschäft arbeitete Lubitsch zunächst als Buchhalter und wird schließlich im Geschäft seines Vaters anstellig. Diese Ausbildung kam ihm bei späteren opulenten Kostüm- und Ausstattungsdramen wie "Carmen" und "Madame Dubarry" zu Gute. Doch zuvor sollte er noch Max Reinhardt kennenlernen. Der Intendant des Deutschen Schauspielhauses besetzte den talentierten Schauspielschüler als Statist und Kleindarsteller in zahlreichen Kabaretts, Shows und Theaterstücken.

Lubitsch fand sein komisches Rollenrepertoires alles andere als befriedigend. So beschloss er, sich seine Rollen selbst zu schreiben und Regie zu führen. Erstmals werden die Innovationen und die Kunst in Lubitschs Regiekunst deutlich. Seine Filme werden länger, aufwendiger und weniger komödiantisch. Mit den international erfolgreichen Kostümdramen etablierte er sich endgültig als wichtigster Regisseur der UFA.
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Sein oder Nichtsein
Als es einige Jahre später in Amerika zur Sache ging, schien die Zusammenarbeit zwischen Lubitsch und Pickford vorbei zu sein, ehe sie begann. Nach nur einem Film trennte sich der Regisseur von der Schauspielerin und heuerte bei Warner Bros. an. Nach Ablauf des Vierjahresvertrages wechselte er zu Paramount. Schnell eroberte sich Lubitsch einen Platz in den Herzen der amerikanischen Fans. Diese nannten seine Filmchen leger "sex comedies". Im sittenstrengen Amerika ließ der Regisseur der Phantasie des Publikums freien Lauf. Er beschränkte sich lediglich auf die Darstellung des Notwendigsten, um der allzu strengen Zensur zu entgehen. Auf diese Weise fügte er Doppeldeutigkeiten und Frivolitäten ein, ohne ins Vulgäre abzugleiten. Diese neue Art der Darstellungsform hielt als "Lubitsch-Touch" Einzug in die Filmgeschichte.
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Sein oder Nichtsein
...und dann kam der Tonfilm. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen schaffte der Berliner Regisseur den Übergang von Stumm- zu Tonfilm Problemlos. Furchtlos experimentiert er mit den neuen Techniken wie die Einbeziehung von Musik, Geräuschen und Dialogen. So entsteht drei Jahre bevor ihm das NS-Regime seine deutsche Staatsbürgerschaft entzieht mit "Ärger im Paradies" im Jahr 1932 ein Klassiker der Filmkomödie.

Kurze Ausflüge ins ernste Fach und auch Kriegsdramen sind wenig erfolgreich, weshalb sich der etablierte Regisseur vollkommen aufs komödiantische Fach konzentriert. Zwei weitere Lubitsch-Werke sollten Filmgeschichte schreiben. Zum einen die Polit-Satire "Ninotchka" mit Greta Garbo in der Hauptrolle. Umstrittener und heiß diskutierter wird bis heute "Sein oder Nichtsein". Als Nazi-Parodie gedacht, wird das Werk wegen seiner angeblich verharmlosenden Darstellung der SS kritisiert. 25 Jahre nach seiner Ankunft in den USA erlitt Ernst Lubitsch einen Herzinfarkt. Er starb am 30. November 1947 in seiner neuen Heimat Los Angeles. Zwei seiner Werke mussten von Otto Preminger vollendet werden. Heute erinnern nicht nur seine Filme an ihn. Neben dem Ernst-Lubitsch-Preis zeugt auch ein Stern auf dem Walk Of Fame von der Leistung, den der deutsche Regie-Export geleistet hat.

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2021