Berlinale
Gary Cooper
Gary Cooper: integrer Held
Retro Feature: Vorbild der Nation
Im Jahr 1939 ist Gary Cooper die erste Wahl für eine Hauptrolle. Als er David O. Selznick folgende Absage erteilt: "Dieser Film wird der größte Flop in der Geschichte Hollywoods. Ich bin froh, dass Clark Gable auf die Nase fällt, und nicht ich", ist der Produzent am Boden zerstört. "Vom Winde verweht" wurde zu einem Kassenschlager, der bis heute nichts von seinem Charme, seiner Anziehungs- und Aussagekraft verloren hat. Gary Cooper hat seine Entscheidung dennoch nicht bereut.
erschienen am 8. Juni 2022
Quick
Gary Cooper kämpft mit Jungstier um einen Jungen zu retten.
Schwarze Liste
Gary Cooper wählte seine Rollen stets auch nach seiner politischen Überzeugung sowie seiner jeweiligen Gemütslage und -regungen aus. Nicht immer konnte er damit das Publikum überzeugen, nicht immer stand die amerikanische Politik hinter ihm, aber stets blieb er sich treu. Es gibt eine Ausnahme: 1947 musste der Schauspieler wie viele seiner Kollegen vor dem House on Un-American Activities Committee (HUAC) aussagen. Ursprünglich sollte das Komitee nationalsozialistische Unterwanderungen von US-Behörden verhindern. Zu Beginn des Kalten Krieges widmete sich die Behörde jedoch der Bekämpfung vermeintlicher kommunistischer Einflüsse auf die Filmbranche. Im Gegensatz zu anderen Filmemachern nannte Cooper keine Namen, was einem Verrat gleich gekommen wäre. Allerdings gab er zu, Drehbücher gelesen zu haben, die seiner Meinung nach kommunistische Botschaften enthielten. Zudem bestritt er, jemals in einer kommunistischen Partei gewesen zu sein oder deren Gedankengut verbreitet zu haben. Später wurde sein wohl größter Publikumserfolg, "12 Uhr Mittags", als Statement gegen die von dem fanatischen Senator Joseph Raymond McCarthy erstellte "Schwarze Liste" interpretiert. Diese Liste enthielt 57 Namen von Persönlichkeiten aus der Filmwelt, die von ihm als Kommunisten verdächtigt wurden. Einige kamen ins Gefängnis, die meisten verloren ihren Job und bekamen jahrelang keine Engagements.
Kinowelt
12 Uhr mittags - High Noon
Stuntman und Komparse
Dieses Ereignis prägte Gary Cooper und markiert gleichzeitig einen Wendepunkt in seiner Karriere. So galt er ab den 1950er Jahren als alternder Westernheld, der für Werte wie Freiheit, Sicherheit und soziale Gerechtigkeit eintrat. In diese Zeit fiel sein zweiter Oscargewinn, für die Rolle von Marshal Will im Westernklassiker "12 Uhr Mittags". Je älter Cooper wurde, desto mehr wurde sein Charakter mit seinen Rollen gleichgesetzt. Gut zwei Drittel seiner Filme waren Western und spielten in der glorreichen Pionierzeit der US-Geschichte. Cooper verkörperte meist den schweigsamen Helden. In dieser Zeit strebte er einen Imagewechsel an. Das Publikum hat diesen jedoch nie angenommen. In seinem letzten Film "Ein Mann geht seinen Weg" spielte Cooper einen potentiellen Mörder. Da er noch vor der Premiere verstarb, erlebte er den Misserfolg des Films nicht mehr. Für seine Fans verkörperte der smarte Westernheld auch über seinen Tod am 13. Mai 1961 hinaus das Idealbild des heldenhaften und integren Amerikaners.
Mr. Deeds geht in die Stadt
Privates Glück...
Das positive Bild des Helden Cooper drohte 1950 zu zerbröckeln, als er seine Geliebte Patricia Neal angeblich zu einer Abtreibung zwang. Gary Cooper war nie ein Kind von Traurigkeit gewesen. Zwar heiratete der aus gut bürgerlichem Hause stammende Schauspieler 1933 die streng katholische Veronica Balfe aus der New Yorker High Society. Vor und in der Ehe hatte er immer wieder Affären mit Schauspielkolleginnen wie Marlene Dietrich, Grace Kelly und oben genannter Patricia Neal. Ein uneheliches Kind hätte sogar seine bis dahin unantastbare Karriere in große Schwierigkeiten gebracht. Ganz ohne Folgen war die Affäre denn auch nicht. In den Jahren 1951 bis 1954 lebte der Schauspieler von seiner Frau getrennt. Drei Jahre vor seinem Tod im Jahr 1961 konvertierte er zur katholischen Kirche. Dies wird vor allem Veronica zugeschrieben.
20th Century Fox
Gary Cooper in "Vera Cruz"
Stuntman und Komparse
Gary Coopers Gattin arbeitete ebenfalls für einige Zeit als Schauspielerin. Ihr großer, gutaussehender, dunkelhaarige Ehemann machte diesen Schritt in den frühen 1920er Jahren - und blieb dabei. Coop - wie er von seinen Eltern und engsten Freunden genannt wurde - entdeckte seine Leidenschaft als Stuntman und Komparse. Damit verdiente er schon damals gutes Geld. Filmemacher und Produzenten besetzten ihn bald für größere Rollen. Cooper kam für Hollywood höchst gelegen, er wurde mit offenen Armen empfangen. Die wild gestikulierenden und in ihrer Mimik stark übertreibenden Stummfilm-Kollegen kamen mit der Einführung des Tonfilms schnell außer Mode. Cooper zeichnete sich schon damals durch sein minimalistische, ruhige und stoische Spiel aus. Wie im Film war er auch privat unauffällig, stets gut gekleidet und in Bezug auf seine Gefühle zurückhaltend.
Filmjuwelen
12 Uhr mittags - High Noon - Limited Edition Mediabook (Blu-ray + DVD)
Ehrenoscar für Lebenswerk
Richard Schickel bringt in seiner Filmbiografe "Gary Cooper: American Life, American Legend" Coopers Leben auf den Punkt: "Erzählen wir seine Geschichte, erzählen wir die Geschichte eines Durchschnittsbürgers, der es bis nach ganz oben schaffte." Clint Eastwood geht noch einen Schritt weiter. Die Regie- und Schauspiellegende fungiert in der Filmbiografie als Erzähler und beschreibt den Westernheld als jemanden, in dessen Gesicht die Geschichte Amerikas zu lesen sei. Schickels Bezeichnung "Durchschnittsbürger" mag zwar übertrieben sein, da Coopers Familie genug Geld besaß, um den am 7. Mai 1901 geborenen Gary und seinen Bruder auf ein privates Internat nach England zu schicken. Dennoch verlor die Familie nie den Boden unter den Füßen. Auch Gary nicht, der neben dem Oscar für die beste männliche Hauptrolle in "12 Uhr Mittags" einen weiteren für "Sergeant York" erhielt. 1961 wurde ihm schließlich auch noch ein Ehrenoscar für sein Lebenswerk verliehen. Sein Freund James Stewart nahm die Statuette für den schwer an Krebs erkranken Kollegen entgegen.
erschienen am 8. Juni 2022
Zum Thema
Gary Cooper wurde mit der Darstellung schweigsamer Helden weltberühmt. Der Schauspieler begann seine Karriere als Stuntman und Komparse. Die frühe Ära der Filmkunst prägte seine reduzierte Darstellungsweise. Der Freundschaft mit Schriftsteller Ernest Hemingway verdankte er die Hauptrolle in "Wem die Stunde schlägt". Die Rolle wurde ihm von Hemingway auf den Leib geschrieben. Cooper gewann zweimal den Oscar, darunter einen für "High Noon".
Weitere Retrofeatures
Sophia Loren: La Diva
Joan Crawford: Star im Seidenrock
2022