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RETRO Feature

Anita Ekberg

Neue Illustrierte

Anita Ekberg in der Rolle ihres Lebens
Eisberg und Sexbombe
Ein kleines, weißes Kätzchen erregt in den engen Straßen Roms die Aufmerksamkeit der amerikanischen Vollblut-Schauspielerin Sylvia. Sie traut sich und bittet Marcello, Milch zu besorgen. Auf der Suche nach einer Latteria verliert er sie jedoch aus den Augen. Verträumt schlendert Sylvia weiter. Plötzlich steht sie vor dem Trevi-Brunnen. Sie steigt ins Wasser und lässt das kühle Nass auf sich wirken. Marcello, der Sylvia verzweifelt suchte, findet sie sinnlich badend im Brunnen. Auch er steigt hinein, wohlwissend dass er einen Fehler begeht.
La Dolce Vita

Universum Film

"Ich half Fellini zu Weltruhm"

Federico Fellinis "Das süße Leben" schrieb Filmgeschichte. Der italienische Regisseur demaskiert das dekadente und sinnentleerte Leben der römischen Oberschicht. Der Film rief aber nicht nur aufgrund seines kritischen Inhalts besorgte Zensoren und entsetzte Zuschauer auf den Plan. Die Badeszene im Trevi-Brunnen zwischen dem damals bereits etablierten Superstar Marcello Mastroianni und der üppig gebauten Anita Ekberg sorgte für laute Aufschreie. Heute unbedeutend, war diese im Jahr 1959 zu freizügig, zu anrüchig, zu skandalös gekleidet. Dabei war die Schwedin alles andere als eine gute Schauspielerin. Sie war Mittelmaß, wurde durch die berüchtigte Szene jedoch schlagartig berühmt. Ekberg wusste schon damals, was sie wollte. "Fellini hat nicht mich bekannt gemacht, sondern ich war es, die Fellini zu Weltruhm verhalf", so die Diva selbstbewusst in einem Interview. Na ja, das ist wohl doch anders herum gewesen!


Anita Ekberg

Revue

Erste Anzeichen von Widerspenstigkeit

Als älteste Tochter von acht Kindern wurde Anita Ekberg am 29. September 1931 in Malmö geboren. Sie war schmal gebaut, nichts deutete darauf hin, dass sie später zum Sexsymbol werden würde. Von der Mutter angetrieben, nahm sie als 19-Jährige an der Miss Schweden Wahl teil und gewann diese. In der Folge reiste sie zu den Miss Universum Wahlen nach Amerika. Sie sprach weder Englisch noch kannte sie jemanden. Dennoch schaffte es Anita auf einen vorderen Platz und erhielt einen Filmvertrag mit Universal. Zu dieser Zeit war sie groß, aber normal gebaut. Lediglich ihre ausgeprägten weiblichen Hüften hoben sie von der Menge ab. Kurz nach der Miss Universum Wahl im Jahr 1950 wurde Howard Hughes auf die Schönheit aufmerksam. Er riet ihr, ihren Namen, ihre Nase und ihre Zähne zu ändern. Zum ersten Mal zeigte sich Ekbergs Widerspenstigkeit. Nichts wolle sie an sich ändern. Werde sie berühmt, würden sich die Leute schon an ihren schwierig auszusprechenden Namen gewöhnen. Falls nicht, sei es ihr auch egal. Hiermit sollte sie Recht behalten.


La dolce vita - Das süße Leben (1959)

Gloria Filmverleih

Öffentlich geschiedene Ehen

Selbst den von Universal angebotenen Unterricht im Tanzen, Fechten, in der Schauspielerei und der Rhetorik lehnte Anita Ekberg kategorisch ab. Sie nahm lediglich Reitunterricht. Ihre Oberweite wuchs weiter, ihre Hüften entwickelten sich ebenfalls. Ab sofort stand die Schwedin im Zentrum der Medien, nicht zuletzt aufgrund ihrer vielen Männerbekanntschaften. Ihre kühle, forsche aber ehrliche Art, ihren schwedischen Nachnamen und ihre Neigung, sich Gesprächspartner und Freunde selbst auszusuchen führten schließlich zu ihrem Spitznamen "Eisberg". Heute empfindet Ekberg diesen als Kompliment, doch Mitte der 1950er Jahre ließ er sie nur noch distanzierter und kühler wirken. Dabei wusste die Schwedin, wie sie mit den Medien umzugehen hatte. Sie liebte den Rummel um ihre Person. So gibt sie heute zu, dass das plötzliche Aufspringen ihres Kleides in der Empfangshalle des Londoner Berkeley Hotels mit einem Fotografen abgesprochen war. Von großem, öffentlichem Interesse waren auch ihre zwei Ehen. Die erste mit Schauspielkollege Anthony Steel hielt nur drei Jahre und wurde knapp vor den Dreharbeiten zu "Das süße Leben" geschieden. Die zweite Ehe mit Rik Van Nutter hielt hingegen von 1963 bis 1975, obwohl es angeblich schon nach wenigen Jahren kriselte.


Anita Ekberg

Revue

Der Stern sinkt...

Nach Fellinis Meisterwerk 1959 sank Anita Ekbergs Stern schnell wieder. Zwar wurde sie von Universal für einige Produktionen an Paramount verliehen, doch qualitativ hochwertige Filme an der Seite von Dean Martin und Jerry Lewis blieben die Ausnahme. Dritt- und viertklassige Werke standen an der Tagesordnung. Zudem kämpfte die einstige Sexbombe gegen ihre Alkoholsucht und dem zunehmenden Übergewicht. Fotografen und Medienpräsenz scheute sie dennoch nicht. Ungeachtet ihrer immer üppiger werdenden Figur ließ sie sich unkontrolliert ablichten. Erst nach dem aus ihrer zweiten Ehe zog sich Ekberg in ihr Haus in der Nähe von Rom zurück. Sie geriet in Vergessenheit, bis Federico Fellini ein zweites Mal an ihre Tür klopfte. 1986 feierte sie mit "Intervista" ihr großes Comeback, an der Seite ihres einstigen Filmpartners Marcello Mastroianni.


Krieg und Frieden

Paramount

In Rom zur Ruhe gesetzt

Anita Ekberg war wahrlich keine überragende Schauspielerin. Einen Golden Globe, eine Rolle in King Vidors "Krieg und Frieden" sowie in Federico Fellinis "Das süße Leben" zählen zu den Höhepunkten in ihrem beruflichen Leben. Dennoch hinterließ sie vor allem aufgrund ihres Lebensstils, ihrer körperlichen Wandlungen und der Szene im Trevi-Brunnen einen bleibenden Eindruck in der Filmwelt. Anita Ekberg, einstige Sexbombe, Stilikone und kühle Blondine - deren wallende blonde Mähne im Gegensatz zu denen vieler Hollywood-Starlets echt war - lebt heute abgeschieden und kinderlos in Rom.

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