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Interview

Florian David Fitz "Da geht noch was"
Constantin Film

'Weisheit ist Einsicht in die Eigene Dummheit'

Florian David Fitz' Reifeprüfung
Den Titel seiner neuen Komödie "Da geht noch was" könnte auch das Motto von Florian David Fitz' Karriere sein. Nach dem Serienhit "Doctor's Diary - Männer sind die beste Medizin" und dem Erfolg von "vincent will meer" in aller Munde, dreht der Frauenschwarm einen Film nach dem anderen. Dass er sich dabei nicht auf ein Genre oder ein Rollenprofil festlegen will, zeigt seine Zusammenarbeit mit Autorenfilmer Christoph Hochhäusler. Im Gespräch mit Filmreporter.de spricht der 38-Jährige über das Erwachsenwerden und verrät, ob der Mensch von seinen Fehlern lernt.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  24. September 2013
Florian David Fitz und Henry Hübchen schauen in die Trommel: "Da geht noch was"
Constantin Film
Florian David Fitz und Henry Hübchen schauen in die Trommel: "Da geht noch was"

Vater-Sohn-Konflikt im Vordergrund

Ricore TExt: Herr Fitz, Sie haben auch am Drehbuch von "Da geht noch was" mitgeschrieben. Wie kamen Sie dazu, sich eine Vaterrolle auf den Leib zu schreiben?

Florian David Fitz: Conrad war bereits Vater, als ich in den Prozess des Drehbuch-Schreibens einstieg. Die Geschichte stand in groben Zügen bereits fest. Der Grund, wieso ich mitgeschrieben habe, lag nicht daran, dass ich unbedingt einen Vater spielen wollte. Mich interessierte vielmehr der Vater-Sohn-Konflikt, den ich etwas in den Vordergrund stellte. Ich fragte mich, was es bedeutet, in einer so verkrusteten Familie zu leben. Was heißt es, wenn man verdrängte Probleme wiederaufrollen muss?

Ricore: Was macht eine Familie zu einer glücklichen Familie? Oder anders gefragt, wann ist eine Familie verkrustet?

Fitz: In "Da geht noch was" ist das relativ deutlich. Henry Hübchen verkörpert das Zentralgestirn in der Familie. Der Vater hat einen sehr starken Charakter. Obwohl er politisch links steht, hat er sehr traditionelle Einstellungen. Sein Sohn macht sich komplett unabhängig und möchte nichts von ihm wissen. Er strebt nach oberflächlichen Dingen, bis ihm klar wird, dass sich seine Handlung auf seinen Vater bezieht. Er möchte ihm etwas beweisen. Der Film verdeutlicht, wie viel unser Handeln mit unseren Eltern zu tun hat.

Ricore: Andererseits zeigt der Film, dass man die Fehler der Eltern wiederholt.

Fitz: Ja, Conrad hat einen Sohn, dem er zwar alle Möglichkeiten geben will, ihn aber genauso vernachlässigt, wie er selber vernachlässigt wurde. Man ist in denselben Mustern gefangen wie die Eltern. Das macht einen ihnen gegenüber etwas milder.

Ricore: Sind eigene Erfahrungen in das Drehbuch eingeflossen?

Fitz: Klar, letztlich ist man ein sehender, fühlender und denkender Mensch. Es fließen immer eigene Erfahrungen in die Filmarbeit ein. Hinzu kommt, was ich in meinem Leben von anderen mitbekomme. Wenn ich mich nur aus meinem eigenen Leben inspirieren lassen würde, dann wären die Geschichten wahrscheinlich langweilig.

Ricore: Eine Lehre, die man aus dem Film ziehen kann ist: Der Mensch ist nicht fehlerlos, egal wie alt er ist. Wird man nie weise?

Fitz: Weisheit bedeutet, Einsicht in die eigene Dummheit zu haben (lacht). Nein ich hatte einfach das Gefühl, dass in den Fehlern der Figuren ein komödiantisches Potenzial liegt. Es geht um drei Menschen, die in einem Haus zusammenwohnen, ohne zusammen sein zu wollen. Zudem reizte mich die Frage, wie es wohl sein würde, wenn ein erwachsener Mann plötzlich wieder in seinem Jugendzimmer liegt, während die Frau im Urlaub wartet. Und schließlich mochte ich das Moment der Spiegelung, etwa wenn sich der Opa plötzlich mit dem Enkel versteht und ihm zeigen kann, was er bei seinem Sohn verpasst hat. Dabei merkt wiederum der Vater, dass er seinen Sohn vernachlässigt hat. Ich glaube schon, dass die Figuren etwas daraus lernen und es Veränderung geben kann. Sicher kann sich der Mensch nicht von Grund auf ändern. Er kann aber Einsichten gewinnen, erkennen, dass in seinem Leben etwas falsch gelaufen ist.


Florian David Fitz spielt Jesus in "Jesus liebt mich"
Warner Bros.
Florian David Fitz spielt Jesus in "Jesus liebt mich"

Florian David Fitz bald 40

Ricore: Sie werden nächstes Jahr 40. Betrachten Sie sich als gereift oder befinden Sie sich noch im Entwicklungsstadium?

Fitz: Erwachsen werden heißt, dass man immer im Entwicklungsstadium bleibt. Man lernt bis man alt wird. Wenn man nicht mehr lernt, dann ist man faul.

Ricore: Betrachten Sie die 40 als Lebenseinschnitt?

Fitz: Nein, die Zäsuren setzen sich selber im Leben. Sie werden nicht durch Zahlen definiert. Es gibt im Leben unterschiedliche Phasen und man merkt selbst, wie sich der Wind dreht. Plötzlich hat man ganz andere Probleme, die einen beschäftigen.

Ricore: Werden Menschen heute später erwachsen? Ist das heutige 40 das frühere 30?

Fitz: Das ist sicher so. Man kann das ja sehr gut an älteren Menschen beobachten. Wenn heute jemand 70 wird, bedeutet das nicht mehr das gleich wie vor 20, 30 Jahren. Früher sahen die Menschen ab 60 alt aus. Damals haben die Menschen körperlich hart gearbeitet in ihrem Leben. Die Menschen verändern sich durch die Lebensumstände. Wir sind heute fitter als früher.

Ricore: Das gilt auch für den geistigen Zustand.

Fitz: Es gibt die Erkenntnis, dass man es sich im Leben nicht zu bequem machen sollte.

Ricore: Ihr letzter Film "Jesus liebt mich" war auch eine Komödie. Stört es Sie, wenn man Sie als Komödien-Regisseur bezeichnet?

Fitz: Viele Menschen sagen mir, dass sie bei "Da geht noch was" trotz seiner komischen Aspekte eine Träne verdrückt haben. Das zieht sich durch die Filme, die mich interessieren. Das war bei "vincent will meer" so und das ist auch bei "Da geht noch was" nicht anders. Ich mag das sehr gerne.


Florian David Fitz ist vielfältig (hier in "Da geht noch was")
Constantin Film
Florian David Fitz ist vielfältig (hier in "Da geht noch was")

Sind Sie ein Wohlfühlregisseur?

Ricore: Ein Wohlfühlregisseur also?

Fitz: Ist das Wohlfühlen, wenn man ein Tränchen verdrückt? Ich hab übrigens nicht Regie geführt.

Ricore: Es gibt immerhin ein Happy End

Fitz: Ich finde es schön, wenn die Menschen in Erwartung einer Komödie ins Kino gehen und mit einem Mehrwert wieder rausgehen. Die Balance dazwischen zu finden ist das Schwierigste. Viel einfacher ist es, eine reine Komödie oder eine reine Tragödie zu machen. In "Da geht noch was" gab es noch einen zusätzlichen Komödienstrang. Der ist am Ende aber rausgeflogen, weil man beim Scheiden das Gefühl hatten, das das Emotionale wichtiger ist und den Film tragen kann. Trotzdem ist der leichte Tonfall nicht verloren gegangen. Humor ist wichtig - genau wie im Leben.

Ricore: Werden Sie demnächst wieder Regie führen?

Fitz: Ich werde definitiv wieder Regie führen, sofern man mich lässt (lacht). Obwohl es eine gewaltige Verpflichtung ist. Wenn ich wieder einen Film inszenieren werde, dann nur, wenn ich vorher das Drehbuch geschrieben habe. In dem Fall bin ich zwei Jahre mit einem Projekt beschäftigt. Ich bin froh, dass ich wieder ein bisschen spielen konnte. Nach "Jesus liebt mich" hatte ich mir vorgenommen, möglichst unterschiedliche Sachen zu spielen. Das genieße ich gerade sehr. Aber ich will auf jeden Fall wieder Regie führen.

Ricore: In Ihrem nächsten Film arbeiten Sie mit Christoph Hochhäusler zusammen. Können Sie etwas zu dem Projekt sagen?

Fitz: Für mich war es spannend, etwas zu machen, das unberechenbar ist und das ich so noch nicht gemacht habe. Dazu gehört auch ein völlig neues Genre. Christoph hat ein unfassbar großes Filmwissen und macht aus seinen Sachen immer etwas ganz Eigenes. Bei dem Projekt handelt es sich um einen Thriller, aber er packt das auf eine Weise, wie Lars von Trier bei einem Musical. Christoph hat eine eigene Filmsprache. ich freue mich total drauf.

Ricore: Wir sind sehr gespannt. Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  24. September 2013

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