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Interview

Sascha Hehn

Andrea Niederfriniger

Warum Tom Hanks VW-Bus fährt

Sind Schauspieler normal?

Zur TV-Premiere von "Der Wildschütz - Im Tal des Schweigens 3" hatte das Team von Ricore Text die Möglichkeit, mit Sascha Hehn zu sprechen. Er gewährt einen Einblick in sein privates Leben und verrät, was Hollywoodschauspieler Tom Hanks und der ehemalige Traumschiff-Stewart gemeinsam haben. Superstars sind auch nur normale Menschen, die manchmal unerkannt bleiben wollen. So gehen beide Schauspieler ihrem ganz privaten Hobby und ihrer Leidenschaft nach. Während des Gesprächs genießt der deutsche Seriendarsteller entspannt Pralinen und Gebäck. Er muss sich um seine Figur keine Sorgen machen.

Fährt gerne mit dem Bus durch die Welt

Andrea Niederfriniger/Ricore Text

Ricore: Was bedeutet für Sie der Begriff Heimat?

Sascha Hehn: Heimat ist für mich dort, wo ich zu Hause bin und mich wohl fühle. Dort, wo die Natur noch in Ordnung ist, im Gleichgewicht. Aber Heimat ist für mich auch ein Ort, wo sich die Menschen in die Augen schauen, wenn sie miteinander reden.

Ricore: Haben Sie sich in der Umgebung der Dreharbeiten wohl gefühlt?

Hehn: Ich kenne das Lienzer Tal in Osttirol und das Drautal schon seit langem. Ich war dort beim Huchen fischen. Das ist ein Süßwasser-Lachs, der in der Drau vorkommt, aber leider beim Aussterben ist. Ich bin nicht umsonst gerne in dieser Ecke.

Ricore: Sie fühlen sich in der Bergwelt also wohl?

Hehn: Auf jeden Fall. Das liegt auch daran, dass Familie auf dem Bauernhof, wo wir drehten, wunderbar funktioniert. Sie leben dort oben mit ihren vier Kindern in völliger Zufriedenheit. In der Küche haben sie einen gusseisernen Herd, dadurch ist es immer warm. Dies ist ein Beispiel, das man auch mit weniger zufrieden sein kann. Da oben leben, völlig autark, mit dem Blick über die Welt, am Dach der Welt, das ist schon fantastisch. Und das sieht man denen auch an. Das ist eine andere Art von Leben.

Ricore: Ihr Filmcharakter ist etwas starrsinnig. Gibt es Parallelen zu Ihnen?

Hehn: Nein, überhaupt nicht. Mein Filmcharakter hat im Ausland studiert. Er kam zurück und hat sich in die Freundin seines Bruders verliebt. Und dadurch entsteht der immer schwelende, leichte Konflikt mit seinem Bruder, der jetzt wieder ausartet. Allerdings haben wir beschlossen, in Zukunft dieses Problem mit dem Bruder zu beerdigen. Es muss endlich Ruhe sein und darf sich nicht zu oft wiederholen. Es wäre wahrscheinlich unglaubwürdig, wenn sie sich noch einmal in die Haare kriegen würden.

Ricore: Es gibt also eine Fortsetzung von "Im Tal des Schweigens"?

Hehn: Ja, wir wollen noch einen vierten Teil drehen, wenn dies das Publikum auch will. Es ist ja immer von den Einschaltquoten abhängig und davon, wie der Film ankommt. Aber ich meine, dass das Format "Heimatfilm" oder der "moderne Heimatfilm", wie immer man das nennen will, ein Format ist, das gegen die vielen schlechten Nachrichten, die wir tagtäglich in uns aufnehmen, eine gute Dependance bildet.


Sascha Hehn bei der Synchronarbeit zu "Shrek 2"

UIP

Ricore: Sind Sie ein Naturbursch?

Hehn: Ja, ich lebe gerne in der Natur. Ich lebe auch draußen auf dem Land, bedingt dadurch, dass ich 22 Jahre in der Stadt gelebt habe und das Stadtleben auch sehr genossen habe. Aber irgendwann kam die Entscheidung: Ich geh raus. Ich geh wieder dahin wo ich geboren wurde. Auf das Land.

Ricore: Womit beschäftigen Sie sich am Liebsten in Ihrer Freizeit?

Hehn: Ich mache viel. Ich gehe gerne fischen, Golf spielen, bin gerne auf der Jagd, zwar nicht mehr so oft wie früher. Ich habe die Jagd immer als die Regulation betreffend empfunden und nicht das Gefühl der Freude am Schießen und Töten. Aber mittlerweile regelt sich das von selbst: es gibt immer weniger Wild und es wird immer schwieriger. Ich gehe auch mit dem Fernglas und beobachte die Natur. Das Schießen steht nicht mehr so im Mittelpunkt. Ansonsten schreibe ich auch. Ich entwickle Formate und mache sehr viel anderen Blödsinn.

Ricore: Sie schreiben?

Hehn: Ja, verschiedenes. Aber nicht meine Memoiren. Die werde ich auch nie schreiben. Ich schreibe an einem Buch, das an meinem 75. Lebensjahr veröffentlicht wird. Dies wird dann meine Sicht der Dinge - aus meiner Sicht der Dinge.

Ricore: Was sagen Sie als ehemaliger "Traumschiff"-Stewart dazu, dass Harald Schmidt einsteigen möchte?

Hehn: Ja, Wolfgang Rademann ist immer gut für einen kleinen Gag. Und meistens dann, wenn er schon lange nicht mehr im Gerede war.

Ricore: Können Sie sich vorstellen, selbst beim "Traumschiff" anzuheuern?

Hehn: Wenn Rademann seinen "Traumschiff"-Kapitän in den vorzeitigen Ruhestand schickt, das heißt, wenn er in seinen wohlverdienten Ruhestand gehen darf, und ich bin ihm dann schon väterlich genug, dann komme ich gerne zurück.


Sascha Hehn beim Interview mit Ricore Text

Andrea Niederfriniger/Ricore Text

Ricore: Wie haben Sie ihre Synchronarbeiten zu "Shrek" empfunden?

Hehn: "Shrek" ist ein Selbstrenner, ein tolles Produkt. Als ich die Animation zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich mir, sie werden uns in Zukunft das Brot wegnehmen. Der Computer wird die Schauspieler völlig ersetzen. Wir wollen es nicht hoffen, aber der lebende Schauspieler wird Luxus sein. Doch im Großen und Ganzen ist es genau jene Art von Unterhaltungsfilm, die der Menschheit noch gefehlt hat. Es waren ja keine Dummheiten, die zwischen den Protagonisten hin- und her gingen. Wenn man genau zuhört, entdeckt man immer wieder etwas Witziges. Natürlich wurde es kommerziell, vor allem der zweite Teil. Der Erste ist meiner Meinung nach der Beste. Beim Zweiten kamen neue Charaktere hinzu, die das Ganze neu belebten. Und dadurch wurde er ja noch erfolgreicher als der Erste. Es ist schon lustig, da sieht man, das Publikum entscheidet anders als derjenige, der den Film synchronisiert. Jetzt bin ich auf den dritten Teil gespannt.

Ricore: Nun ist es ja so, dass gerade Fortsetzungen manchmal an Qualität einbüßen...

Hehn: Ja, aber nicht bei Dreamworks. Da kann man schon davon ausgehen, dass professionell gearbeitet wird. Deshalb bin ich auch überzeugt, dass der dritte Teil ein Erfolg wird. Das hat länger gedauert als erwartet, da muss es schon etwas Besonderes geworden sein.

Ricore: Sie haben ihr ganzes Leben geschauspielert. Können Sie sich eine Alternative zu ihrem Beruf vorstellen?

Hehn: Ja, zum Beispiel ein "Playing Pro" auf der American Tour. Das wäre eine Alternative.

Ricore: Was ist ihr bevorzugtes Fortbewegungsmittel?

Hehn: Ich habe einen VW-Bus California. Vorher hatte ich für vier Jahre einen T4. Da sitze ich schön oben, überblicke alles, komme 800 Kilometer weit, habe einen Kühlschrank... und zwei Betten. Wer hat das schon in seinem Auto?

Ricore: Fahren Sie damit auch in Urlaub?

Hehn: Ja, ich campe mit dem Bus. Aber ich stelle mich nicht auf einen Camping-Platz. Und das ist das Tolle daran: Ich kann mit dem Wagen überall hinfahren. Ob ich auf der Croisette in Cannes stehe, oder mitten in Barcelona auf den Ramblas. Ich kann schlafen wo ich will.


Sascha Hehn mit Esther Schweins

UIP

Ricore: Gibt es ein Lieblingsreiseziel?

Hehn: Ich bin einmal die ganze Costa Brava entlang gefahren, bis nach Portugal. Ich bin auch nach Rumänien gefahren. Ich fahr gerne mal an die 5.000 Kilometer.

Ricore: Ist Ihnen dabei nie etwas passiert?

Hehn: Nein, was soll denn passieren? Es ist ja so, dass viele Leute auf den Autobahn-Parkplätzen übernachten. Ich fahre immer von der Autobahn runter, in den Wald, und da bleibe ich über Nacht. Ich glaube kaum, dass irgendein Dieb nachts an ein Auto geht, das im Wald steht. Der weiß ja gar nicht wer oder was da drin ist. Ich glaube, dass man so am Sichersten schläft. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Auf einem Autobahn-Parkplatz könnte ich nicht schlafen.

Ricore: Teilen Ihre Freunde diese Leidenschaft?

Hehn: Ja, viele meiner Freunde sind Fischer und Jäger, sie haben sich jetzt alle einen VW-Bus gekauft. Und mit Vier-Rad-Antrieb kommt man überall hin. Das ist fantastisch.

Ricore: Sie sind also ein überzeugter VW-Bus-Fahrer?

Hehn: Ja, Tom Hanks und Sascha Hehn haben etwas gemeinsam.

Ricore: Tom Hanks fährt auch Bus?

Hehn: Ja, wir haben uns in Cannes darüber unterhalten. Er hat seinen in New York. Er ist ebenfalls ein echter VW-Bus-Fan. Meist glaubt man ja, die Stars fahren nur Limousinen. Tom sagt, er kann mit seinem Bus unerkannt durch New York fahren. Und es macht ihm Spaß, er sitzt so hoch. Ich fragte ihn dann, ob er auch ein Schlafzimmer hinten drin habe. Er meinte nein, er habe einen normalen VW-Bus, aber hinten könne man sich querlegen. Ein Querbett also.

Ricore: Wie sieht ein ganz normaler Alltag bei Ihnen aus?

Hehn: Wie das im Leben so aussieht. Man ist beschäftigt, man hat Termine, treibt Sport, ist mit Freunden zusammen.

Ricore: Ich bedanke mich für das Gespräch.

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