Osama - 2003 | FILMREPORTER.de
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Osama

Medium: Leih LeihDVD
OriginaltitelOsama
GenreDrama
Land & Jahr Afganistan/Irland/Japan 2003
Verleih ab    02.09.2004 (AL!VE)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 79 min.
RegieSiddiq Barmak
DarstellerMarina Golbahari, Arif Herati, Zubaida Sahar, Mohamad Nader Khadjeh, Mohamad Haref Harati, Gol Rahman Ghorbandi
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Erster Spielfilm nach Ende der Taliban-Herrschaft

Als Junge verkleidet, versucht das Mädchen (Marina Golbahari) unter dem Namen Osama stellvertretend für ihre Mutter und Großmutter im rauen afghanischen Alltag ein bisschen Brot und Milch zu ergattern. Ihre Mutter (Mohmmad Nadre Khwaja) ist zwar eine ausgebildete Ärztin, aber das Krankenhaus ist mangels Löhne und Medikamente längst verlassen, zudem ist es Frauen unter dem Taliban-Regime nicht gestattet, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Wovon soll 'Osma", ihre Mutter und die gebrechliche Großmutter (Hamida Refah) denn leben, sind doch sowohl Vater als auch Bruder als Märtyrer auf den Schlachtfeldern für Gott und Vaterland gestorben. Selbst das Betteln ist den Frauen verboten. Deshalb beschließen ihre Mutter und Großmutter schweren Herzens, dem Mädchen die Haare zu schneiden und sie als Junge zum Arbeiten zu schicken. Nur einer kommt hinter ihr Geheimnis, doch der clevere Straßenjunge Espandi (Mohmmad Arif Herati) verrät die verängstigte Halbwaise nicht, nimmt das Mädchen vielmehr unter seine Fittiche. Er verteidigt sie vor dem Zugriff misstrauischer Jungen und trichtert ihr immer wieder das richtige Benehmen eines 'richtigen Mannes' ein. Doch die Tarnung fällt, als 'Osama' während einer grausamen Bestrafung durch den gestrengen Mullah (Mohmmad Nadre Khwaja) ihre Regel bekommt, ihr Blut verrät sie! Kann sie der brutalen Strafe der Mullahs entgehen?
Der erste Spielfilm nach dem Ende der Taliban-Herrschaft beschäftigt sich intensiv mit dem eiserner Zugriff der Gotteskrieger auf praktisch alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Anhand der Geschichte eines jungen Mädchens, das gerade an der Schwelle zum Erwachsen werden ist, dokumentiert Siddiq Barmak den unbarmherzigen Umgang mit den afghanischen Frauen durch die patriarchalische Gesellschaft. Der auf der Moskauer Filmhochschule ausgebildete Filmemacher belässt es nicht bei der Darstellung des Unterdrückungsapparats, vielmehr lässt er den Zuschauer mit seiner verängstigten Protagonistin mitfühlen. Obwohl er 'nur' auf Laiendarsteller zurückgreift, wirkt sein Film erstaunlich professionell, sowohl was die technische Qualität betrifft als auch seine künstlerische Qualität. Man mag fast vermuten, dass die junge Hauptdarstellerin (Marina Golbahari) eigene Erfahrungen in ihr Spiel aufnimmt, so intensiv und glaubhaft ist ihr Spiel. Auch iranische Filme greifen auf Kinder zurück, um kritischen Inhalte zu portieren, jedoch versteckt Barmak seine Gesellschaftskritik - die sich mit dem Ende der Taliban wohl kaum erledigt haben wird - nicht hinter einem Gleichnis, vielmehr thematisiert sein Drama ganz direkt sein Anliegen. Die Stellung von Mädchen und Frauen ist während der Herrschaft der Taliban derart in Frage gestellt, dass selbst im züchtigsten Gewand kein sicheres Auftreten in der Öffentlichkeit möglich ist und auch das eigene Haus keinen Schutz gegen den unmotivierten Zugriff der gewalttätigen Männer bietet.

Das mutige, kunstvoll inszenierte Plädoyer für eine offenere und gerechtere afghanische Gesellschaft wurde in Cannes mit Standing Ovations und der "Mention Spéciale" der Quinzaine des Réalisateurs bedacht. "Mein Film ist eine Hommage an die Geduld der Afghanen, die so viel Leid erfahren haben" bekundet Barmak bei der Preisverleihung. "Osama" beginnt mit einem Zitat von Nelson Mandela: "Ich werde verzeihen. Aber ich werde nie vergessen". Doch Barmak vermeidet allzu einseitige Betrachtungen, er zeigt auch auf, dass auch viele Männer unter der Schreckensherrschaft der radikalen Mullahs gelitten haben.

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