Ten Minutes Older - The Cello / The Trumpet - 2002 | FILMREPORTER.de
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Ten Minutes Older - The Cello / The Trumpet

Medium: Kauf KaufDVD
OriginaltitelTen Minutes Older - The Cello / The Trumpet
GenreEpisodenfilm
Land & Jahr Großbritannien/Deutschland/Spanien 2002
Verkaufsstart    10.02.2004 (McOne - Media Cooperation One)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 190 min.
RegieBernardo Bertolucci, Claire Denis, Mike Figgis
DarstellerValeria Bruni Tedeschi, Amit Arroz, Tarun Bedi, Maria Ludovica Bernardi, Chiara Mastalli, Jabedul Azad
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DVD Extras: Making of • Bio- und Filmografien • Trailer

Ten Minutes older - The Trumpet: Sieben namhafte Regisseure haben mit Kurzfilmen zu dem Episodenfilm beigetragen. Ihre Filme interpretieren locker und eigenwillig den im Titel manifestierten Leitgedanken: Zeit und Vergänglichkeit. Dabei unterliegen sie keiner weiteren Vorgabe. Klanghafte Namen wie Aki Kaurismäki, Chen Kaige, Werner Herzog, Wim Wenders, Spike Lee, Victor Erice und Jim Jarmusch garantieren für die Qualität der durch Trompetenmusik verbundene Kurzfilme.

Ten Minutes Older - The Cello: István Szabós präsentiert "Ten Minutes After", dem Portrait einer Frau, die soeben ihren Ehemann in der gemeinsamen Wohnung umgebracht hat, während im Esszimmer der Bildschirm flackert und unaufhörlich just das Bildnis des nonstop Englisch redenden Regisseurs Szabó zu sehen ist. Erst deckt sie den Geburtstagstisch, mit Kaffee und Kuchen, auf den Mann wartend, der sodann klingelt, betrunken aber, dann der Streit, das Messer, der Mord. Mike Figgis wiederholt das in seinem Langfilm "Hotel" zuvor bereits angewandte Verfahren des vierfachen Screen-Split, um in gleich vier synchron zueinander ablaufenden Handlungen, aufgenommen von vier Kameras in vier miteinander verbundenen Räumen, Fluss und Abbruch von Erinnerung, Gegenwärtiges und Vergangenes, auf der viergeteilten Leinwand aufzuzeigen. Ein Experiment, zumindest. Eine Überraschung ist hingegen Volker Schlöndorffs flotte Beitrag "The Enlightenment". Er schildert das Lebens aus dem Blickwinkel einer Stechmücke, die an einem brandenburgischen See umherdüst. Auf dem Campingplatz beobachtet sie das teutonische Treiben, kommentiert es launisch, bis ihr schlussendlich eine Erleuchtung, das Verglühen droht. Eine fantastisch absurde Groteske! Bibiana Beglau, die schon in Schlöndorffs "Die Stille nach dem Schuss" in der Hauptrolle zu sehen war, und Fassbinder-Star Irm Hermann sind mit von der Campingplatz-Partie.
Ten Minutes older - The Trumpet: Zwar schwankt die Qualität bisweilen, etwa bei Werner Herzogs haarsträubenden zwar gut gemeinten, aber mit falsch verstandener Pädagogik hantierenden Eingeboreneninterview. Victor Erice's magische Schwarzweiß-Poesie um Geburt und Tod in einem spanischen Dorf ist ein cineastische Leckerbissen. Auch Wim Wenders Rettung vor dem Vergiftungstod in letzter Sekunde imponiert. Es ist ein Parforceritt durch die Halluzinationen eines Autofahrers, der von einem unbekannten Stoff vergiftet mit seinem Wagen den aussichtslosen Versuch unternimmt, über menschenleere Highways ins Krankenhaus zu fahren. Anrührend sind Chen Kaiges Möbelpacker, die den Umzugsauftrag eines freundlichen aber etwas verrückten Mannes annehmen, und bald erfahren müssen, dass dessen Haus und Hof nur noch in der Phantasie existiert. Die Regierung hat das Anwesen längst planiert, um für ein Großprojekt Platz zu schaffen. Den einsamen Mann hat die Entwurzelung seine psychische Gesundheit gekostet. Spike Lee schließlich führt uns in frustrierender Manier noch einmal vor Augen, dass George W. Bush seine Wahl ohne Mehrheit gewonnen hat. Das ist angesichts der politischen Lage beeindruckend und erbitternd zugleich.

Ten Minutes Older - The Cello: "Ten Minutes Older - The Cello" ist also der zweite der beiden Gruppenfilme, die durch das Engagement des Produzenten-Trios Nigel Thomas, Ulrich Felsbergund Nicolas McClintock entstanden. Stammten im ersten Part die sieben Beiträge von ausschließlich männlichen Regisseure, namentlich Aki Kaurismäki, Jim Jarmusch, Spike Lee, Chen Kaige, Victor Enrice, und den beiden Deutschen Wim Wenders und Werner Herzog - so kommen die acht Arbeiten von Jean-Luc Godard, István Szabó, Jirí Menzel, Michael Radford, Bernardo Bertolucci, Mike Figgis und Volker Schlöndorff sowie der einzigen Dame im Feld, der Regisseurin Claire Denis mit ihrem Kurzfilm "Vers Nancy". Abermals gehen sie gemeinsam einsam der Zeit nach, wird überhaupt der Umgang mit Zeit, diesem immateriellen Gut, sehr unterschiedlich ausgelegt, verstanden und beschrieben. Die Zeit wird gemessen, in uns allen vertrauten und vorgegebenen Einheiten. Eben dieses Maß ist nun auch der zweiten Gruppe Autorenfilmer vorgegeben: Zehn Minuten - nicht mehr, nicht weniger. Voilà! Natürlich wirkt der eine Kurzfilm auch hier deutlich länger als der andere, der in seiner Kurzweil wie zehn flüchtige Sekunden wirkt. Eigentlich, ja eigentlich verbindet die Arbeiten nahezu nichts miteinander, außer eben ihr gemeinsamer zeitlicher Rahmen.

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