Tatis Schützenfest (WA) - 1947 | FILMREPORTER.de
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Tatis Schützenfest (WA)

OriginaltitelJour de fête
GenreKomödie
Land & Jahr Frankreich 1947
Kinostart    14.09.1995 (MFA+ Film Distribution)
FSK & Länge ab 6 Jahren • 82 min.
RegieJacques Tati
DarstellerJacques Tati, Guy Decomble, Paul Frankeur, Santa Relli, Maine Vallée, Robert Balpo
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Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsDVDsbewerten

Französischer Postbote auf dem Weg in die Moderne

Was die Amerikaner können, kann ich längst auch. Das denkt sich der etwas linkische Dorfbriefträger François (Jacques Tati) als er eines Tages einen Film über die amerikanische Post sieht. François lebt in St.-Sévère-sur-Indre, einem idyllischen kleinen Ort im Herzen Frankreichs. Die Bewohner freuen sich auf das Schützenfest, das inmitten des kleinen Dorfes vorbereitet wird. Auch François legt sich schwer ins Zeug.

Mit seiner Unterstutzung richtet er jedoch vor allem Schaden an. Doch für seine Missgeschicke ist man ihm in dem kleinen Dorf nicht wirklich böse. Als am Abend François ins Wanderkino geht, ändert sich seine Berufseinstellung jedoch schlagartig. Er erfährt, dass die Arbeit amerikanischer Postboten von modernster Technik und dem Effizienzgedanken geprägt ist. François ist weit davon entfernt, so eine moderne Ausstattung zu besitzen, doch am darauf folgenden Tag will er die Briefe, Telegramme und Päckchen mindestens genau so schnell ausliefern wie die Kollegen aus Übersee. Auf einem klapprigen Fahrrad rast François von Haus zu Haus, und heckt dabei allerlei unkonventionelle Methoden aus, um noch hurtiger ans Ziel zu gelangen. Dabei führt er zahlreiche akrobatische Kunststücke vor. Doch wie so oft verbirgt sich hinter zu viel Hektik meistens auch unvorhersehbare Gefahren.
Fortschritt und Rationalisierung sind häufig eine Ursache von Entmenschlichung und Unheil. Sie bilden die Kernthemen von Jacques Tatis kleinem filmischen Werk. Dieser Logik treu bleibend verhält es sich auch in "Tatis Schützenfest". Der sympathische Postbote François lässt sich auf ein imaginäres Rennen ein, aus dem er niemals als Sieger hervorgehen kann Hinter François' kurzsichtigem Wunsch nach Effizienz und Schnelligkeit versteckt Tati seine Kritik an der zunehmenden Amerikanisierung der Gesellschaft und dem damit verbundenen aberwitzigen Perfektions- und Effizienzzwang.

"Jour De Fête" wurde im Jahr 1949 produziert und ist Tatis erster Langspielfilm. Die technische Entstehungsgeschichte des Streifens ist kurios und wirklich interessant. Nachdem Tati das Werk zunächst in einem neuen, Farbverfahren abgedreht hat, das sich aber nicht am Markt durchsetzen konnte, bekam die Öffentlichkeit den Streifen zunächst in der üblichen Schwarz-Weiß-Fassung zu sehen. Erst Anfang der 1960er Jahre wurden ein paar dezente Farbtupfer hinzugefügt.

Mitte der 1990er Jahre gelang es schließlich Tatis Tochter Sophie Tatischeff die ursprüngliche Farbversion dank modernster Technik zu rekonstruieren und auf einen heute gebräuchlichen Farbfilm zu portieren. Erst die rekonstruierte Fassung zeigt, mit welchen Mitteln Tati arbeitete. Da das durchschnittliche französische Dorf nicht farbenfroh genug für die "neue" Techniik war, lies Tati Türen und Fenster der Häuser knallbunt anstreichen. Ganz gleich welche Fassung sie sehen, das "Jour de fête" ist ein zeitloses Meisterwerk des französischen Humors.
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