Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel - 1975 | FILMREPORTER.de
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Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel

OriginaltitelMutter Küsters' Fahrt zum Himmel
AlternativMutter Küsters Fahrt zum Himmel
GenreDrama
Land & Jahr BRD 1975
Kinostart    02.01.1975 (Kinowelt Filmverleih)
FSK & Länge ab 16 Jahren • 113 min.
RegieRainer Werner Fassbinder
DarstellerBrigitte Mira, Ingrid Caven, Margit Carstensen, Karlheinz Böhm, Irm Hermann, Gottfried John
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Brigitte Mira als naive, etwas trottelige Witwe

Emma Küsters (Brigitte Mira) ist entsetzt. Nachdem in der Reifenfabrik ihres Mannes Hermann von Massenentlassungen gesprochen wurde, hat dieser den Sohn des Fabrikdirektors getötet und anschließend an einer Maschine Selbstmord begangen. Auch das Leben der anderen Familienmitglieder verläuft nicht in geraden Bahnen. So verdingt sich Tochter Corinna (Ingrid Caven) als Sängerin in einem zweitklassigen Nachtclub. Sohn Ernst und Schwiegertochter Helene (Irm Hermann) lassen Emma kurz nach dem Vorfall allein - sie wollen dem Presserummel entgehen.

Emma versucht mit ihren beschränkten Mitteln das Ansehen ihres Mannes und ihrer Familie zu wahren, doch sie kann weder den Zerfall ihrer Familie, noch die Sensationslüsterne Presse aufhalten. Aus den naiven, ehrlichen Erzählungen der Witwe zeichnen die ein Zerrbild eines brutalen Familienvaters und Mörders. Nur das Ehepaar Tillmann (Karlheinz Böhm und Margit Carstensen) steht Emma bei. Doch auch die Motivation der DKP-Mitglieder ist nicht uneigennützig. Vielmehr versuchen die engagierten Kommunisten den Vorfall für ihre politischen Ziele zu instrumentalisieren.
Rainer Werner Fassbinder ist der politischste deutsche Filmemacher der 1970er Jahre. Seine Protagonistin, Mutter Küsters, ist eine naive etwas trottelige Witwe, die versucht die Scherben ihrer Existenz mit Uhu zusammen zu kleben. Ihre Kinder sind auf ihrem Lebensweg nicht nur gescheitert, viel schlimmer sie sind völlig missraten. Sie reagieren egoistisch auf das Unglück ihrer Mutter, der Sohn zieht sich mit seiner keifigen Ehefrau zurück, lässt die hilflose Mutter allein, die Tochter nutzt die Publicity um ihre verkorkste Gesangskarriere endlich voranzutreiben.

Auch der sich einfühlsam gebende Journalist interessiert sich nicht für das Schicksal, er hat nur seine Story im Auge. Der kommunistische Funktionär denkt ebenfalls nur an den möglichen Propagandaerfolg. Fassbinder schlägt wild nach links und rechts aus, seine von Brigitte Mira authentisch gespielte Protagonistin bleibt letztlich allein. Sie ist aber auch die die einzige, die einen Erkenntnisgewinn davon trägt - auch wenn das Resultat eher deprimierend und ihre Reaktionen sie nur noch tiefer in den Schlammassel führen. "Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel" basiert lose auf dem 1929 entstandenen Arbeiterfilm "Mutter Krausens Fahrt ins Glück". Die Handlung wurde von Fassbinder in die BRD-Nachkriegsgesellschaft portiert.

Fassbinders Fazit ist denn auch um einiges düsterer. Während Piel Jutzi eine mächtige Arbeiterbewegung skizziert, die Hoffnung auf Besserung zulässt, sind die Vertreter der kommunistischen Partei bei Fassbinder längst verbürgerlichte Wohlstandskinder, die ihren kruden politischen Phantasien nachgehen.

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