Antichrist - 2009 | FILMREPORTER.de
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Antichrist

OriginaltitelAntichrist
GenreHorror
Land & Jahr Frankreich/Deutschland/Italien 2009
Kinostart    10.09.2009 (MFA+ Film Distribution)
FSK & Länge ab 18 Jahren • 109 min.
RegieLars von Trier
DarstellerWillem Dafoe, Charlotte Gainsbourg
Homepage http://www.antichristthemovie.com
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsMeinungenNewsTrailerGalerieDVDsbewerten

Lars von Trier: verstörend, brutal und schön

Es ist Nacht. Ein Paar (Charlotte Gainsbourg, Willem Dafoe) befindet sich mitten im Geschlechtsakt, während sich ihr kleiner Sohn langsam - gerade aus dem Schlaf erwacht - dem offenen Fenster nähert, auf den Stuhl steigt, und fasziniert dem Schneetreiben zusieht. Doch dann verliert es sein Gleichgewicht und stürzt in die Tiefe... Das dramatische Ereignis stürzt die Eltern in eine tiefe Krise. Die Frau fällt schnell in eine schwere Depression. Obwohl es gegen beruflichen Prinzipien des Berufes und ihres Mannes geht, entschließt sich der Therapeut nach einiger Zeit, seine Frau selbst zu behandeln. Gemeinsam versuchen sie, den Kern ihrer Angst aufzuspüren. Dazu fahren sie auch in eine einsame Waldhütte, in dem es weder Radio, Fernsehen oder Telefon gibt. Dort verbrachte sie den letzten Sommer zusammen mit ihrem Sohn, um ihre Doktorarbeit fertigzustellen. Einzig der Wald, die Natur samt ihrer zerstörerischen Kraft und die vielen Geräusche umgeben das Paar. Das Paar liefert sich komplett aus, ihren Trieben und ihren Ängsten. Das Gefüge der Ehe gerät komplett aus dem Gleichgewicht, die unwirtliche Umgebung tut ein Übriges...
Es ist zweierlei Hinsicht problematisch, Lars von Triers "Antichrist" unvorbereitet anzusehen. Zum einen, da ohne vorherige Interpretationshilfe manche Anspielungen und Szenen ihre Wirkung verfehlen. Zum anderen ist es auch fahrlässig, da bestimmte Szenen psychisch nur schwer verkraftbar sind. Dies liegt auch an der physischen und psychischen Gewalt, die sich zwischen den beiden Protagonisten entwickelt. Es kann aber auch ein Fehler sein, vorbereitet diese eigenartige Mischung aus Drama, Horror und Parodie anzusehen. Und zwar ebenfalls aus den oben genannten Gründen. Bevor Lars von Trier das Projekt realisiert hat, litt er an einer schweren Depression. Befand sich der dänische Regisseur noch unter dem Eindruck dieser dunklen Abgründe? Vermutlich, nur welchen, bleibt dem Zuschauer bisweilen verborgen.

Zuallererst geht es in "Antichrist" um die Bewältigung von Trauer. Ein Paar, dessen Namen nicht genannt wird, verliert während dem Geschlechtsakt ihren kleinen Sohn. Dies geschieht in einem in schwarz-weiß gehaltenem, in Zeitlupe laufendem Prolog. Diese Bilder sind verschreckend und schön zugleich und weisen bereits darauf hin, was das Publikum erwarten wird. Da es in der Folge weniger um die Figuren selbst geht, stört es nicht weiter, dass ihnen eine ausgeprägte Charakterisierung fehlt. Vielmehr bemüht sich der Regisseur Distanz zu halten. Diese existiert sowohl zwischen den Protagonisten selbst, als auch zwischen den Darstellern und den Zuschauern. Bald verliert sich Lars von Trier im Übernatürlichen. Er spricht vom Bösen der Natur, vom Satan und von Hexenverbrennungen, die vor Jahrhunderten Europa verdüsterten. Diese lagen auch in der Angst der Männer vor den Stärken der Frauen begründet. Auch dies thematisiert Lars von Trier. Soweit kann das Publikum noch folgen, doch als gegen Mitte des Films sprechende Füchse auftauchen, verliert sich der Zuschauer.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass sich nicht nur der Zuschauer verliert. Lars von Trier schafft in "Antichrist" unbestreitbar beeindruckend atmosphärische Bilder. Ob die dargestellte körperliche Gewalt derart plakativ gezeigt werden muss, sei dahingestellt. Nun kann man damit argumentieren, dass man ähnliche Szenen in "Saw" täglich sieht. Doch bei "Antichrist" ist es was anderes. Die Szene mit den sprechenden Waldbewohnern kommt daher gerade zur richtigen Zeit, da diese einen Moment der Erleichterung verschafft, der allerdings schnell wieder verpufft. "Antichrist" ist alles andere als leichte Kost.
Antichrist

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Bewertung
6,5
6,0 (Filmreporter)     
 (4 User)

Meinungen

Der Antichrist

Ein Film mit wenig Story, die sich im Grunde genommen erst so wirklich klar in der letzten halben Stunde aufbaut. Vorher plätschert der Film unspektakulär vor sich hin und ich... mehr
27.08.2013 16:00 Uhr - juno

Antichrist wird seinem Namen gerecht. Es ist ein sehr vertsörender Film, der einen an der Existenz des Göttlichen zweifeln lässt.
13.06.2012 14:33 Uhr - gunkl

Heftig

emotional sehr heftig, wie man das von Lars von Trier gewohnt ist, nach dem Film braucht man erst mal ne Weile, bis man sich ein Urteil gebildet hat. Auch das macht das Ansehen... mehr
01.12.2010 11:02 Uhr - Filmfreund


Trailer: 

Antichrist

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