The Doors: When You're Strange - 2009 | FILMREPORTER.de
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The Doors: When You're Strange

OriginaltitelWhen You're Strange
AlternativThe Doors - When You're Strange
GenreDokumentarfilm, Musikfilm
Land & Jahr USA 2009
Kinostart    01.07.2010 (Kinowelt Filmverleih)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 86 min.
RegieTom DiCillo
DarstellerJohn Densmore, Johnny Depp, Robby Krieger, Ray Manzarek, Jim Morrison, The Doors
Homepage http://www.whenyourestrangemovie.com
http://www.whenyourestrange.de
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailersGalerieDVDsbewerten

Differenziertes Porträt einer schillernden Rockban

Dass fast vierzig Jahre nach dem Tod Jim Morrisons und der Auflösung von The Doors die erste abendfüllende Dokumentation über eine der einflussreichsten Rock-Bands der Musikgeschichte in die Kinos kommt, ist ein wenig verwunderlich. Das liegt nicht nur am musikalischen Rang der Band, sondern auch an dessen charismatischen und umstrittenen Leadsänger, der 1971 in Paris unter nicht geklärten Umständen verstarb. Das liegt aber auch an der thematischen Sprengkraft, die eine Annäherung an The Doors durchaus birgt. Schließlich musizierte die Band in einer kulturell und politisch aufregenden Zeit. Viel Stoff für eine Dokumentation also. Und doch war es mit "The Doors" 1991 Oliver Stones Spielfilm, der als erstes dessen Potential erkannte in den exzessiven Lebensrausch der Musiker, deren bahnbrechende Musik und den Zeitgeist der Sechziger einließ. Wie Stones so ist es offenbar auch DiCillos Anliegen, die Band mit größtmöglicher Authentizität wiederzugeben. Dabei hatte er es für seine Dokumentation vermeintlich leichter als Stone, stand ihm doch umfangreiches Archivmaterial zur Verfügung.

"The Doors: When You're Strange" beschwört die Vergangenheit nicht mit Interviews oder inszenierten Szenen. Vielmehr verlässt sich die Dokumentation auf Archivaufnahmen aus der Zeit zwischen 1965 und 1971. Entstanden ist eine nahezu lückenlose Bestandsaufnahme, welche die Geschichte der Band und ihr Wirken von der Gründung bis zum Tode Morrisons verfolgt. Dabei kommt dessen Studium an der Filmhochschule UCLA ebenso zur Sprache wie seine schicksalhafte Begegnung mit Schlagzeuger John Densmore auf dem Strand von Venice Beach im Jahr 1965. Bisher unveröffentlichte Aufnahmen illustrieren den Aufstieg der Band, gewähren Einblicke ins Privatleben der Musiker und zeigen sie bei der Arbeit im Studio und auf der Bühne. Im Mittelpunkt steht Jim Morrisons faszinierende, zwischen Lyrik und Musik, Drogen- und Bühnenexzessen schwankende Persönlichkeit. Zusammengehalten wird das heterogene Archivmaterial von Schauspieler Johnny Depp, den DiCillo als Sprecher für sein Projekt gewinnen konnte.
Tom DiCillos Konzept für seine erste Dokumentation ausschließlich Archivmaterial zu verwenden, geht auf. Dabei entsteht ein äußerst lebendiges Bild von The Doors, wobei selbst eingefleischte Fans sicher auf den einen oder anderen bislang unveröffentlichten Schatz stoßen dürften. Von besonderem Wert dürften dabei vor allem Privataufnahmen des Musikers sowie seine ersten Versuche als Filmemacher auf der Filmhochschule sein. Eingerahmt wird die Erzählung durch einen Kurzfilm mit dem Sänger in der Hauptrolle, der mit den Ereignissen der Dokumentation auf semantischer Ebene verschränkt ist. Von diesen Aufnahmen geht eine magische Wirkung aus, was nicht zuletzt ihrer psychedelischen Machart geschuldet ist.

Dass das Bandporträt eher zu einer Morrison-Biographie geworden, ist angesichts der charismatischen Persönlichkeit des Sängers nicht überraschend und kann dem Regisseur nicht angekreidet werden. Dabei scheut DiCillo durchaus auch mit kritischem Blick auf Morrison. Dessen Drogen- und Alkoholexzesse werden nicht nur als Mittel zum Erkenntnisgewinn ausgewiesen, sondern als Ausdruck seines außer Kontrolle geratenen alternativen Lebensgefühls. Dabei haben Szenen, die den Sänger besinnungslos auf der Bühne zeigen, durchaus allgemeingültigen Charakter. Sie legen nahe, dass die Grenzen zwischen der politischen Haltung der Protagonisten der Musikszene und bodenloser Anarchie fließend waren. Verfehlt wäre es allerdings, diesen Gedankengang auf die großen kulturellen und politischen Bewegungen jener Zeit zu beziehen, die der Filmemacher immer wieder zwischen die Bilder der Doors montiert. Zwar hatte DiCillo durchaus ein Bild von Amerika jener Zeit im Sinn, wie er in Presseheft anmerkte. Mehr lag ihm allerdings das unvoreingenommene Bild der Doors am Herzen.

"The Doors: When You're Strange" ist das Porträt eines begnadeten Musikers und Showmans, der es auf geniale Weise verstand, die Massen zu faszinieren. Es wird deutlich, dass Morrison es genoss, im Rampenlicht zu stehen, wobei der Jubel seiner Anhänger für ihn ebenso zur Sucht wurde, wie sein Hang zu bewusstseinserweiternden Drogen. DiCillo verschweigt auch nicht die Tatsache, dass der egozentrische Aspekt des Erfolgs für Morrison zugleich ein Mittel war, seine höchst fragile Persönlichkeit zu kaschieren. Das ist letztlich die eigentliche Leistung dieser Dokumentation: Sie schafft es nicht nur, ein differenziertes Charakterbild einer komplexen Persönlichkeit zu zeichnen, sondern sich auch unbequemen Fragen zu stellen - jenseits einseitiger Heldenverehrung.
The Doors: When You're Strange

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