Interview: Kate Beckinsale zu Love & Friendship | FILMREPORTER.de
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Interview

Kate Beckinsale in "Love & Friendship" (2016)
Zur Romanverfilmung "Love & Friendship"

Kate Beckinsale als intrigante Mutter

In der hochgelobten Tragikomödie "Last Days of Disco" waren die beiden ein wunderbares Gespann. Nun hat Regisseur Whit Stillman Kate Beckinsale und Chloë Sevigny für die Kostümkomödie "Love & Friendship" wieder für die Kamera zusammen gebracht. In der Verfilmung des Briefromans "Lady Susan" von Jane Austen spielt Beckinsale eine ebenso gerissene, wie intrigante Mutter, die mit allen Mitteln ihre Tochter unter die Haube bekommen möchte. Im Interview mit Filmreporter.de spricht die Mutter einer 17-Jährigen unter anderem darüber, wie sie es mit der Erziehung hält.
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de, 27. Dezember 2016

Kate Beckinsale und Chlöe Sevigny in "Love & Friendship" (2016)

Kate Beckinsale und Chlöe Sevigny in "Love & Friendship" (2016)

Herausfordernde Arbeit
Ricore Text: Miss Beckinsale, in dem sehr dialoglastigen Drama "Love & Friendship" mussten Sie anscheinend viel Text lernen. Wie kamen Sie damit zurecht.

Kate Beckinsale: Meine größte Sorge war nicht die Quantität des Textes, den ich auswendig lernen musste, sondern die 27 Drehtage, die für den Film geplant waren. Das ist nicht viel für einen Film mit so vielen Dialogszenen. Es war eine sehr herausfordernde Arbeit, die schon fast etwas von einem Gedächtnis-Training hatte. Am Ende des Films wusste ich, dass ich nicht an Alzheimer leide (lacht). Wir wurden sogar nach 26 Drehtagen fertig, weil ich gut darin war, meinen Text zu lernen. Ich habe dem Produktionsstudio einen Tag geschenkt. Das war sehr zufriedenstellend.

Ricore: Das Schöne an dem Film ist, dass die Schauspieler trotz des Stoffs und der Menge an Dialogszenen sehr natürlich agieren. Ist das auch das Verdienst von Regisseur Whit Stillman?

Beckinsale: Ja, Whit ist allergisch gegen alles Exaltierte. Genau wie ich. Ich glaube, bei der Auswahl der Schauspieler legte er besonders Wert darauf, dass sie nuanciert spielen. Das ist auch der Grund, dass selbst extreme Figuren wie die von Tom Bennett sehr natürlich wirken. Whit ist ein ehrwürdiger Mensch. Obwohl er sehr nuanciert ist, kann er beim Inszenieren aber auch sehr direkt sein. Wenn ihm etwas nicht gefällt, dann zögert er nicht zu sagen: 'Das mag ich nicht.' Das sagt er immer auf sehr eloquente Weise, wobei er immer richtig liegt. Er und ich haben uns oft telefonisch und per E-Mail ausgetauscht. Wir waren auf derselben Wellenlänge.

Ricore: "Love & Friendship" basiert auf dem Briefroman "Lady Susan" von Jane Austen, einem weniger bekannten Buch der berühmten Autorin. Kannten Sie den Roman?

Beckinsale: Nein, gar nicht. Als ich das Drehbuch zugeschickt bekam, dachte ich an die Zeit von "Emma" zurück [TV-Adaption "Jane Austens Emma" aus dem Jahr 1996; Anm. der Redaktion] und daran, dass es damals einen Autor gab, der eine Art Fortsetzung des Romans geschrieben hat. Und dass es überhaupt eine Menge Schriftsteller gab, die im Stil Austens schrieben. Ich dachte, dass Whit etwas Ähnliches gemacht hat. Weil Lady Susan ganz anders ist als die Heldinnen jener Zeit. Beim Lesen des Skripts fragte ich mich die ganze Zeit, wann sie für ihre Handlung bestraft wird. Oder wann sie sterben wird. Oder: Was ist die Moral der Geschichte? Susan ist eine Frau, die alles bekommt, was sie haben will. Das fand ich spannend. Nach dem Drehbuch las ich den Roman und stellte fest, dass Susan hier noch extremer ist als im Film.

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