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©Edition Salzgeber

Du sollst nicht lieben

OriginaltitelEynaim pekukhot
AlternativEyes Wide Open
GenreDrama
Land & Jahr Israel/Deutschland/Frankreich 2009
FSK & Länge ab 16 Jahren • 90 min.
MediumDVD (Kauffassung)
AnbieterSalzgeber & Co. Medien
Verkaufsstart20.09.2010
RegieHaim Tabakman
DarstellerZohar Strauss, Rea Steuer, Halil Steuer, Tal Barak, Eden Alon, Avi Grainik
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenMeinungenTrailerGalerieDVDsbewerten

Poetisches Erstlingswerk orthodoxen Homosexuellen

Aaron Fleischmann (Zohar Shtrauss) eröffnet nach dem Tod seines Vaters dessen Fleischgeschäft und sucht per Aushang eine Aushilfe. Als der Regen den Studenten Ezri (Ran Danker) in seinen Laden treibt, bietet Aaron dem jungen Mann zunächst Schutz vor dem Regen, dann Arbeit und schließlich ein Zimmer über dem Geschäft. Von Anfang an herrscht eine erotische Spannung zwischen den ungleichen Männern. Doch Aaron ist Mitglied einer ultraorthodoxen Gemeinde in Jerusalem. Zudem ist er verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Er betrachtet seine immer stärker werdende Leidenschaft zu Ezri zunächst als religiöse Herausforderung. Nur diejenigen, die stark genug sind, den Versuchungen des Herrn zu widerstehen, erlangen den Status eines wahren Gerechten, sagt er Ezri während eines abendlichen Gesprächs. Die Konfrontation mit seinen homosexuellen Neigungen betrachtet er als die Möglichkeit für eine religiöse Wiedererweckung.

Gegenüber seiner jüdischen Gemeinde um Rabbi Vaisben (Tzahi Grad) verteidigt er die Aufnahme Ezris hingegen als religiöse Wohltat. Dennoch betrachtet die Gemeinde das Verhältnis zwischen Aaron und Ezri zunehmend mit Argwohn, zumal sie von dem Gerücht hört, dass Ezri bereits aus einer anderen Gemeinschaft ausgeschlossen wurde. Aaron ignoriert sowohl die Warnungen des Rabbi, als auch die Drohungen einiger Tora-Schüler, aus der Gemeinde ausgeschlossen zu werden. Als Ezri von einigen Männern auf offener Straße zusammengeschlagen wird, scheint eine Trennung der beiden unvermeidlich.
"Du sollst nicht lieben" ist das Spielfilmdebüt des 1975 geborenen israelischen Regisseurs Haim Tabakman. Noch ist zu früh zu sagen, ob die unkonventionelle Bildsprache des Films bereits eine stilistische Eigenheit des Filmemachers ist oder ob sie eine notwenige Konversion des Inhalts darstellt. Für das tabuisierte Thema Homosexualität im orthodoxen Judentum ist es die einzig richtige Darstellungsform. Es ist bewundernswert, mit welch subtiler Zurückhaltung die Begegnung zwischen den Protagonisten und ihre allmählich aufkeimende Leidenschaft füreinander inszeniert ist. Dabei gelingt es Tabakman ebenso unaufdringlich wie feinfühlig, sowohl Klischees als auch falschen Sentimentalitäten aus dem Weg zu gehen. Ebenso authentisch sind die Liebesszenen in Szene gesetzt, deren sparsame, um Andeutung anstelle expliziter Darstellung bemühte Umsetzung an Ang Lees "Brokeback Mountain" erinnert. Mit Lees Meisterwerk trifft sich "Du sollst nicht lieben" überdies auf der Ebene der Thematik, geht es in beiden Filmen doch um eine homoerotische Beziehung innerhalb einer Gesellschaft, die von Tabus und Vorurteilen eingeengt ist.

Die unaufdringliche Erzählhaltung findet sich in vielen Ebenen des Dramas. Die Kamera verharrt lange auf dem Geschehen, vermeidet konsequent die Schuss-Gegenschuss-Konvention oder dem Schnitt als Mittel der Darstellung von Entwicklungen. Diese finden innerhalb der jeweiligen Einstellungen statt, dabei ist die Inszenierung so präzise, dass dem Zuschauer auch die kleinsten gestischen und mimischen Regungen der Figuren zugänglich sind. Einen großen Anteil daran haben auch die Schauspieler, allen voran Zohar Shtrauss, der mit den sparsamsten Mitteln jede emotionale Entwicklung seiner Figur sichtbar macht. Dennoch ist "Du sollst nicht lieben" trotz seines unbeweglichen und starren Erzählgestus' niemals künstlich und manieriert. Das unterscheidet das Drama Tabakmans von den formal strengeren Werken von Jim Jarmusch oder Aki Kaurismäki. Tabakmans Erstling ist von einer Natürlichkeit, die auch von dem Respekt des Filmemachers für sein Thema profitiert. Was er zeigt ist ebenso eindringlich wie verstörend: eine Welt von Ritualen und der Gesetzen, die um eine Spiritualität willen den Menschen und seine Natur zu ersticken droht.

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Bewertung
8,0
7,0 (Filmreporter)     
 (1 User)

Meinungen

"Du sollst nicht lieben" ist nicht gerade ein Film, bei dem die Massen die Türen einrennen werden. Aber man wünscht sich trotzdem, dass er einigen Erfolg haben wird. Es ist... mehr
27.04.2010 15:20 Uhr - schnappschuss

Trailer: 

Du sollst nicht lieben

Aaron Fleischmann (Zohar Shtrauss) stellt in seinem Fleischgeschäft Student Ezri (Ran Danker) als Aushilfe ein. Die ungleichen Männer verlieben sich...  Clip starten
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In seinem Erstlingswerk nähert sich Haim Tabakman auf behutsame und unaufdringliche Weise dem Tabuthema Homosexualität im orthodoxen Judentum. mehr
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