Festivalfeature: Die heißen Oscarkandidaten 2019 | FILMREPORTER.de
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Oscartrophäe
Favoriten bringen sich in Stellung

Die heißen Oscarkandidaten 2019

Am 24. Februar 2019 ist es soweit, die in der Filmbranche begehrten Oscar-Statuetten werden zum 91. Mal verliehen. Bis dahin darf wild spekuliert werden, wer in dieser und wer in jener Kategorie nominiert und am Ende als Sieger hervorgehen wird. Im Vorfeld der Bekanntgabe der Preiskandidaten haben sich einige Anwärter bereits in Stellung gebracht. Neben den üblichen Verdächtigen bewirbt sich auch so mancher Neuling um den begehrtesten Filmpreis der Welt. Im Folgenden ein kurzer Ausblick auf die wahrscheinlichsten Oscar-Nominierungen und Preisträger 2019.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 13. November 2018

A Star Is Born (2018)

A Star Is Born (2018)

Favoriten für den besten Film
Zu den Topfavoriten für mehrere Oscarauszeichnungen gehört sicher auch "A Star Is Born". In der Kategorie Bester Film liegt das Musikdrama bei den Oscar 2019 Wetten mit einer Quote von 6 zu 4 (Stand: November 2018) an erster Stelle. Kein Wunder, denn Bradley Coopers Regiedebüt wird von Kritikern in den Himmel gelobt.

Auch die Zuschauer sind von der packenden Geschichte einer aufsteigenden Nachwuchssängerin und eines im Fallen begriffenen alternden Musikstars hingerissen. Hinzu kommt, dass man mit Oscar-Nominierungen und -Auszeichnungen für "A Star is Born" einer Tradition gerecht werden würde. Bei dem Drama handelt es sich um die vierte Verfilmung eines berühmten Stoffes. Sowohl "Ein Stern geht auf" aus dem Jahr 1937 als auch "Ein neuer Stern am Himmel" (1954) und "A Star Is Born" (1976) mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson werden in mehreren Oscarskategorien nominiert und ausgezeichnet.

Konkurrenz um den Oscar für den besten Film könnte Cooper und Co. von Damien Chazelle und seiner Filmbiographie "Aufbruch zum Mond" bekommen. Das Drama kreist um den ersten bemannten Flug mit Mondlandung Ende der 1960er Jahre im Rahmen der Apollo 11- Raumfahrtmission. Im Zentrum des Unternehmens wie der Verfilmung steht Neil Armstrong. Chazelle bricht mit dem Image, das der berühmte Ingenieur und Astronaut vor allem in den USA genießt. Armstrong ist im Film nicht der strahlende Held, der für Aufbruch, Pioniergeist und vor allem für Patriotismus steht. Sein Handeln wird ganz und gar vom Verlust seiner kleinen Tochter bestimmt. Dieses Bild des gebrochenen Helden goutieren viele Amerikaner nicht. "Aufbruch zum Mond" floppt trotz seiner Qualitäten in den US-Kinos - was seine Oscar-Chancen wohl drastisch mindern wird. Die Erfahrung zeigt, dass erfolglose Filme von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences gerne übersehen werden. Die Academy ist schließlich eine Organisation der Filmindustrie und soll vor allem den kommerziellen Erfolg der Branche fördern.

Aufbruch zum Mond (First Man, 2018)

Aufbruch zum Mond (First Man, 2018)

Die Darsteller-Kategorien
Bei den Darsteller-Kategorien wird 2019 wahrscheinlich kein Weg an den Hauptdarstellern von "A Star is Born" vorbeiführen. Bradley Cooper wäre nach drei Nominierungen sicher reif für eine Auszeichnung. Aber auch Lady Gaga spielt in dem Musikdrama nach Ansicht von Kritikern um ihr Leben. Tatsächlich dürfte die Sängerin und angehende Schauspielerin so manche Übereinstimmung zwischen ihrem und dem Leben der Filmfigur gesehen haben. Außerdem sind ihre Ambitionen, als Schauspielerin zu überzeugen, bekanntlich groß, nachdem sie in der Branche immer wieder auf Ablehnung stößt. Erst nach und nach bekommt Lady Gaga zunächst kleine, inzwischen aber auch größere Rollen angeboten. Den ersehnten Durchbruch schafft sie mit ihrer durchgehenden Rolle in der Horrorserie "American Horror Story", für die sie einen Golden Globe als beste Darstellerin erhält.

Dass Cooper und Lady Gaga nominiert werden, mag ausgemachte Sache sein. Dass sie die Preise auch gewinnen, steht natürlich nicht fest. Schließlich gibt es noch andere aussichtsreiche Kandidaten. Unter den Männern wird Ryan Gosling mit seiner Darstellung von Neil Armstrongs in "Aufbruch zum Mond" eine Chance eingeräumt. Nicht zu unterschätzen sind aber auch Joaquin Phoenix in "Don't Worry, weglaufen geht nicht" und dem derzeit wohl gefragtesten Nachwuchsdarsteller Hollywoods, Timothée Chalamet. Der verkörpert in "Beautiful Boy" eine Rolle, wie sie die Academy liebt, nämlich die einer gebrochenen Figur. Chalamet verkörpert in dem Drama einen drogensüchtigen Jugendlichen, der Unterstützung von seinem Vater erhält. Bei den Frauen gelten die schon drei Mal nominierte Saiorse Ronan aus "Maria Stuart, Königin von Schottland" sowie Keira Knightley als heiße Anwärterinnen. Knightley überzeugt die Kritiker mit der Rolle der skandalträchtigen französischen Schriftstellerin Collette im gleichnamigen Film.

In der Kategorie Beste Regie dürften Cooper und Chazelle wieder miteinander konkurrieren. Chancen haben aber auch Alfonso Cuarón und Yorgos Lanthimos. Der mexikanische Filmemacher hat für sein viel gepriesenes Schwarz-/Weiß-Werk "Roma" bereits den Hauptpreis auf dem Filmfestival von Venedig gewonnen. Lanthimos drehte das hochgelobte Historiendrama "The Favourite", das vom Leben der englischen Königin Anne handelt. Deren Darstellerin, Olivia Colman, gilt im Übrigen ebenfalls als Kandidatin für den Oscar für die beste Hauptdarstellerin. Nicht vergessen werden sollten außerdem die Leistungen von Spike Lee, dessen Filmgroteske "BlacKkKlansman" von den Kritikern gefeiert wird und Ryan Coogler mit "Black Panther". Die Comicverfilmung könnte auch in einer weiteren Hinsicht Filmgeschichte schreiben. So mancher Beobachter sieht den Blockbuster gar als Kandidaten für eine Nominierung als bester Film. Das wäre ein Novum. Comicverfilmungen, Blockbuster und Actionspektakel hatten bei der Academy bislang wenig Chancen auf Beachtung in dieser Kategorie.
Willy Flemmer, Filmreporter.de - 13. November 2018

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