Illustrierte Film-Bühne
Die Rote
In der Studiogarderobe übernachtet
Retro Feature: Eigenständige Ruth Leuwerik
"Die Trapp-Familie" ist Ruth Leuweriks einziger internationaler Erfolg. Die Heimatfilmreihe ist über die deutschen und europäischen Grenzen hinaus erfolgreich. Allein im Jahr 1956 strömen 27 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos. Wenige Jahre später produzieren Richard Rodgers und Oscar Hammerstein ein Musical mit dem Titel "The Sound of Music". 1965 entsteht schließlich die gleichnamige Leinwandadaption (Deutscher Titel: "Meine Lieder - Meine Träume"), die bis heute zu den meist gesehendsten Filmen zählt. Ausgerechnet Hauptdarstellerin Ruth Leuwerik mag "Die Trapp-Familie" nicht.
erschienen am 22. Dezember 2020
Illustrierte Film-Bühne
Ruth Leuwerik als Novizin Maria
Aus Vernunft erfolgreich
Es ist nicht so, dass Ruth Leuwerik den musikalischen Heimatfilm verabscheut. Schließlich dreht sie 1958 die Fortsetzung "Die Trapp-Familie in Amerika". Tatsächlich nimmt sie das Angebot aus Vernunftgründen an. "Es war halt mal ein internationaler Erfolg von Nöten", so die mittlerweile 85-jährige Schauspielerin in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk zu ihrem runden Jubiläum im Jahr 2009. In den 1950er Jahren zählt sie zu den gefragtesten und beliebtesten weiblichen Künstlerinnen. Dennoch muss etwas Neues her. So kam die blutjunge Novizin Maria, die mit ihren Gesangskünsten erst die sieben Kinder ihres Arbeitgebers Baron Trapp (Hans Holt) verzaubert, dann den Baron selbst und zuletzt auch das internationale Publikum. Der Erfolg stellt sich umgehend ein. Leuweriks Karriere befindet sich zu diesem Zeitpunkt auf ihrem Höhepunkt.
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Szene aus "Die Rote"
Deutsche Traumpaare
Überhaupt meinen es die 1950er Jahre gut mit der Schauspielerin. Mit Dieter Borsche bildet sie gleich zu Beginn ihrer Karriere ein beliebtes Leinwandpaar. Konkurrenz bekommen sie nur von Sonja Ziemann/Rudolf Prack und Maria Schell/O.W. Fischer. Die drei Paare bestimmen über Jahre das Filmgeschehen im deutschsprachigen Raum. Nachdem Borsche immer mehr zum Charakterbösewicht wird, gelingt es Leuwerik, Maria Schells Platz an der Seite von O.W. Fischer einzunehmen. Als Partner war er interessant und großartig, wird die Aktrice einige Jahre später feststellen. Und über seine exzentrischen Ausbrüche blickt sie galant hinweg.
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Ruth Leuwerik als Novizin Maria in "Die Trapp-Familie"
Berlinale-Misserfolg: "Die Rote"
Ruth Leuwerik hat zu dieser Zeit ein ausgezeichnetes Händchen für gute Rollen. Sie weiß, das Publikum bevorzugt starke, selbstbewusst auftretende und emanzipierte Frauen. Leuweriks Frauenfiguren wissen sich zu behaupten und haben eigene Ideen - im Gegensatz zu Maria Schell, die für gefühlsbetonte Rollen eingesetzt wird. Gefühlsduselei im Kino wird nicht mehr so gerne gesehen. Umso erstaunter ist die Schauspielerin, dass ausgerechnet die erotischen Abenteuer einer aus der Ehe ausbrechenden Frau in "Die Rote" auf der Berlinale 1962 bei Kritiker und Publikum durchfallen. Das Ganze erhält eine parodistische Note, als sich Regisseur Helmut Käutner und sowie Roman- und Drehbuchautor Alfred Andersch auf der Bühne in die Haare kriegen.
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Traumhochzeit zwischen Novizin Maria und Baron Trapp
Ein gutes und ein schlechtes Händchen
Ruth Leuweriks Entschluss, Mitte der 1960er Jahre eine siebenjährige Pause von der Schauspielerei einzulegen, entpuppt sich als Fehler. In diesen Jahren befindet sich die deutsche Filmlandschaft in einem wichtigen Wandel. Der Publikumsgeschmack ist danach nicht mehr der gleiche. Mit dem Fernsehfilm "Das weite Land" versucht sie 1970 die Rückkehr. Als dieser und einige weitere Versuche ebenfalls erfolglos bleiben, lässt es Ruth Leuwerik bleiben. Sie hat schließlich vieles erreicht und ist mittlerweile in dritter Ehe mit dem Augenarzt Dr. Heinz Purper verheiratet. Erst in der mehrteiligen "Buddenbrooks"-Verfilmung im Jahr 1979 glänzt sie wieder.
Film und Frau
Kapitän Ruth Leuwerik
Seltene Anekdoten
Ruth Leuwerik lebt heute mit ihrem dritten Mann zurückgezogen in einer Villa in München. Als ihr zum 80. Geburtstag am 23. April 2004 das Berliner Filmmuseum eine Ausstellung widmet, findet sie es merkwürdig, Jahrzehnte nach Ende der Filmkarriere immer noch ein Vorbild zu sein. "Ich bin bereit, es zu glauben, bin aber auch verblüfft", wird die Schauspielerin vom Hamburger Abendblatt am 1. Juli 2004 zitiert. Das ist einer der wenigen öffentlichen Auftritte, die Leuwerik in vergangenen Jahren wahrnahm. Im Gegensatz zu früher scheut sie nun die Öffentlichkeit. Und so bleiben Anekdoten wie jene, dass sie aus Geldmangel bei den Dreharbeiten zu "Vater braucht eine Frau" 1952 in der Garderobe übernachtet hat, eine Seltenheit.
erschienen am 22. Dezember 2020
Zum Thema
Ruth Leuwerik war eine der beliebtesten Schauspielerinnen des deutschen Kinos der 1950er Jahre. Sie begann als Bühnendarstellerin und hatte ihren ersten Kino-Erfolg in der Komödie "Vater braucht eine Frau". Sie wirkte vor allem in Kostümfilmen mit. Ihre Auftritte in Krinoline und Reifrock wurden rasch zu einem ihrer Markenzeichen. Ab Mitte der 1960er zog sie sich für mehrere Jahre von der Leinwand zurück. Bis 1983 trat sie jedoch gelegentlich in Fernsehproduktionen auf, darunter auch in der..
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