RETRO Feature
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Verführerische Hedy Lamarr
Hollywoods Glamourgirl der Goldenen Ära
Verführerische Hedy Lamarr
Sie ist in Hollywoods goldener Ära die schönste Schauspielerin. Der Hedy-Lamarr-Look, braune, leicht gelockte Haare mit Mittelscheitel, wird von anderen Stars ihrer Zeit kopiert. Hedy Lamarr prägt nicht nur die Inn-Frisur der 1930er Jahre. Sie erträgt auch keine Langeweile. Sie heiratet sechs Mal und lässt sich ebenso oft wieder scheiden und hat zudem zahlreiche Affären. Nebenbei macht sie eine Erfindung, die noch heute in der Kommunikationstechnik eingesetzt wird.
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de,  15. März 2021
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Hedy Lamarr
Wienerin in Hollywood
Hedy Lamarr wird am 9. November 1914 in Wien als Hedwig Eva Maria Kiesler geboren. Ihre erste Filmrolle spielt sie im Alter von 17 Jahren 1930 in "Geld auf der Straße". Ihre erste Hauptrolle spielt sie zwei Jahre später in "Man braucht kein Geld" an der Seite von Heinz Rühmann und Hans Moser. Der erste große Skandal folgt 1933. In "Extase. Symphonie der Liebe" ist Hedy in einer zehnminütigen Nacktszene zu sehen, in der sie nach einem Bad in einem See unbekleidet durch den Wald läuft. Für damalige Verhältnisse ein Skandal. Für nicht weniger Aufruhr sorgt eine Liebesszene des gleichen Films. In Großaufnahme ist ihr Gesicht zu sehen, auf dem sich ihre sexuelle Erregung wiederspiegelt. In Ihrer Autobiografie "Ecstasy and Me" von 1967 erzählt sie, dass Regisseur Gustav Machatý ihr mit einer Reißzwecke in den Hintern piekste, um ihr den leidenschaftlichen Ausdruck ins Gesicht zu zaubern.
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Verführerische Hedy Lamarr
Auf der Flucht
Dieser Skandal gefällt ihrem ersten Ehemann Friedrich Mandl gar nicht. Das Paar hat am 10 August 1933 geheiratet. Der herrschsüchtige Wiener Industrielle will Hedy das Filmen verbieten und versucht, so viele Kopien des Films wie möglich zu kaufen. Hedy fühlt sich in der Ehe mit Mandl eingeengt. In ihrer Autobiografie sagt sie rückblickend: "Mein Problem in Ehen - und das ist das Problem vieler Frauen - war es beides zu wollen, Intimität und Unabhängigkeit. Es ist ein schmaler Grat, und doch sind beide Dinge sehr wichtig für eine Ehe." Hedy hält die Unterdrückung durch Mandl nicht aus. Hinzu kommt noch, dass der Waffenfabrikant auch Geschäfte mit den Nationalsozialisten macht. Für ihre Ehe war Hedy Lamarr vom jüdischen zum katholischen Glauben übergetreten. 1937 flieht sie nach Paris, von wo aus sie die Scheidung von Mandl erwirkt.
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Hedy Lamarr - Secrets of a Hollywood Star
MGMs Sternchen
Von Paris reist Hedy weiter nach London. Hier trifft sie Filmproduzent Louis B. Mayer, der sie für Metro-Goldwin-Mayer (MGM) unter Vertrag nimmt und zum größten Star seines Studios machen will. Mayer schlägt vor, dass Hedy ihren Namen in Hedy Lamarr ändern soll, in Anlehnung an den Star der Stummfilmära Barbara la Marr. Vermutlich ist es nicht ihr Talent, sondern ihr Aussehen, was ihr zu dem Vertrag verhilft, wie Kritiker vermuten. Mit ihrer ersten Hollywoodrolle in "Algiers" an der Seite von Charles Boyer wird sie über Nacht in Hollywood bekannt und reiht sich in die Starriege des Studios ein. Viele Schauspielerinnen Hollywoods kopieren ihren Look: brünette Haare, Mittelscheitel und leichte Wellen werden zur In-Frisur Ende der 1930er Jahre. Während ihrer Hollywoodkarriere wird Hedy aufgrund ihrer Schönheit meist für glamouröse und verführerische Rollen besetzt. Zu ihren Filmpartnern zählen Clark Gable, Spencer Tracy und James Stewart. Ihren größten Erfolg feiert sie 1949 mit dem Bibelmelodram "Samson und Delilah".
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Hedy Lamarr betört die Männer
"Jedes Mädchen kann glamourös sein… "
"… du musst nur still stehen und dabei dumm aussehen"- Hedy spielt in über 20 Hollywoodproduktionen und ist meist in der Rolle der schönen Verführerin zu sehen. Zeitzeugen beschreiben sie als wenig ambitioniert, in ihren meisten Filmen hatte sie nur schön auszusehen und weniger mit Charakterdarstellung zu glänzen. Dass sie mehr kann, als glamourös auszusehen, beweist Hedy Lamarr fernab von allem Hollywoodglamour. Zusammen mit dem Komponist George Antheil entwickelt sie den gleichzeitigen Frequenzwechsel und meldet die Erfindung 1942 zum Patent an. Hedy und Antheil wollten ursprünglich 16 mechanische Klaviere für eine seiner Kompositionen synchronisieren. Heute wird der gleichzeitige Frequenzwechsel in der modernen Kommunikationstechnik unter anderem bei Bluetooth-Verbindungen eingesetzt. In Europa wird der Tag der Erfinder in Erinnerung an Hedy Lamarr an ihrem Geburtstag, dem 9. November, gefeiert.
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Calling Hedy Lamarr
Alles außer Langeweile
Ihre letzte Rolle spielt Hedy 1958 in "The Female Animal". Danach zieht sie sich aus dem Filmgeschäft zurück. Ihre Karriere ist schon einige Jahre zuvor ins Stocken geraten. Bis zu ihrem 51. Lebensjahr ist Hedy sechs Mal verheiratet. Alle Ehen enden mit Scheidung. Hedy erträgt keinen Stillstand, ihr Leben lang ist sie auf der Suche nach neuen Erfahrungen. Auf der Internetseite brainyquote.com wird sie mit folgenden Worten zitiert: "Ich kann alles entschuldigen, nur nicht Langeweile. Es steht langweilige Menschen frei sich zu ändern". Vielleicht ist das der Grund für ihre vielen Ehemänner und Liebhaber. Ein andermal sagt sie, sie müsse unbedingt aufhören Männer zu heiraten, die sich ihr unterlegen fühlen. Irgendwo müsste doch ein Mann zu finden sein, der mit ihr verheiratet sein könne, ohne sich unterlegen zu fühlen. Hedy ist dreifache Mutter. Sie stirbt am 19. Januar 2000 in Florida, wo sie seit dem Ende ihrer Karriere wohnt. Ihr Sohn Anthony erfüllt ihr ihren letzten Wunsch und verstreut ihre Asche im Wienerwald.
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de,  15. März 2021

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