Interview: Terence Hill zu Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück | FILMREPORTER.de
Filmreporter-RSS

Interview

Terence Hill ("Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück", 2017)
Zum Kinostart von Mein Name ist Somebody:

Terence Hill über Karriere und Bud Spencer

Sie gehören zu den legendären Duos der Filmgeschichte. Der im Juli 2016 verstorbene Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer, und Mario Girotti, den Filmfans als Terence Hill kennen. Der 1939 geborene Star wuchs zunächst in Lommatzsch bei Dresden auf, wohin es Girotti bis heute regelmäßig zieht. 1994 stellte er dort gemeinsam mit Bud Spencer "Die Troublemaker" vor und gab den Schülern eine Lehrstunde in Kampfsport. Jetzt feierten ihn tausende Fans in Dresden und anderen Städten seinen neuen Film "Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück". In seiner eigenen Regiearbeit spielt er einen alternden italienischen Motorradfreak, den es auf der Sinnsuche nach Almeria verschlägt. Auf dem Weg gabelt er in dem Roadmovie eine lebenslustige junge Frau auf, die an einem Herzfehler leidet. Das Gespräch im Berliner Hotel Adlon gibt Terence Hill in Deutsch.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de, 28. August 2018

Terence Hill ("Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück", 2017)

Terence Hill ("Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück", 2017)

Viele tolle Erinnerungen
Ricore Text: Ist Deutschland Ihre zweite Heimat?

Terence Hill: Ja, ich verbinde viele tolle Erinnerungen mit dem Land. Bis ich sechs Jahre alt war, habe ich nur Deutsch gesprochen, diese Jahre haben mich geprägt. Als wir 1945 nach Italien zogen, musste ich mühsam die Sprache lernen. Meine Mutter stammte aus Lommatzsch, hat in Dresden Kunst studiert und war eine gute Malerin. Grab und Haus meiner Großeltern besuche ich oft. Mir geht daher das Herz auf, wenn mich so viele Fans wie in Dresden empfangen.

Ricore Text: Und Berlin?


Terence Hill: Ohne Berlin hätte ich diese Karriere niemals gemacht. Mein Berliner Freund Horst Wendlandt hat mit den Verfilmungen der Romane von Karl May den Westernboom in Europa ausgelöst, auf dem Sergio Leone und die Spaghetti-Western aufbauen konnten.

Ricore Text: Die blauen Augen haben Sie von Ihrer Mutter?


Terence Hill: Nein, meine ganze Familie väterlicherseits hat blaue Augen. In Umbrien ist das keine Seltenheit, hier leben viele Nachkommen der Eroberer aus der Zeit Barbarossas. Im Film wird die Farbe durch das Licht verstärkt. Früher war das eine Tortur, die Scheinwerfer waren extrem heiß und erschwerten den Dreh. Heute ist eine gute Lichtsetzung kein Problem mehr.

Ricore Text: Einer Ihrer bekanntesten Filme ist "Mein Name ist Nobody", nun werden Sie zum Somebody. Ist dies auch eine kleine Bilanz Ihres Lebens?


Terence Hill: Absolut, obwohl sich den Titel der deutsche Verleih ausgedacht hat. Im Original heißt der Film "Mein Name ist Thomas". Die Figur hat keinen Namen, sie könnte Terence Hill heißen und kriegt erst zum Schluss den Namen Thomas.

Ricore Text: Der Sitz von Thomas' Motorrad glänzt in der Sonne wie einst der Pferdesattel und der Soundtrack erinnert an "Die rechte und die linke Hand des Teufels". Das ist sicher kein Zufall, oder?


Terence Hill: Ich wollte die Fans nicht enttäuschen und zu Beginn des Films mit meinem Image als Westernheld spielen. Deshalb habe ich Franco Micalizzi gebeten, für die Einführung einen ähnlichen Sound zu schreiben. Und Motorräder liebe ich, seit ich mit 15 meine erste Maschine fuhr. Sie war und blieb der Inbegriff der Freiheit, auf die man als 14-jähriger sehnsüchtig gewartet hat.

Terence Hill ("Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück", 2017)

Terence Hill ("Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück", 2017)

Ich habe meinen eigenen spirituellen Weg gesucht
Ricore Text: Zum Film hat Sie ein Buch von Carlo Carretto inspiriert?

Terence Hill: Carretto stammt wie ich aus Umbrien. Nachdem er sich in der Katholischen Kirche engagiert hatte, zog er sich 1954 aus Anlass der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis in die Wüste Algeriens zurück. Die italienische Kirche hat ihm das nie verziehen. Die 20 Bücher aus seiner Feder entdeckte ich in den USA, da sie in Italien nicht erscheinen durften. Mir gefällt an seinen Vorstellungen, dass er Maria nicht wie eine Heilige aus Holz oder Marmor betrachtet, sondern als eigenständige Frau zur mythischen Figur macht. Sie ist bei ihm eine Zigeunerin, als Filmheldin bigger than life, wie es mein Freund Sergio Leone gerne formulierte.

Ricore Text: Sie sind ein religiöser Mensch?


Terence Hill: Meine Mutter war Lutheranerin, mein Vater Buddhist. Ich habe mir meinen eigenen spirituellen Weg gesucht.

Ricore Text: Spiegelt der Film auch Ihre Gedanken zum Umgang mit dem Tod wieder?


Terence Hill: Ich werde im kommenden Jahr 80 Jahre alt, daher kann ich diesen Gedanken nicht von mir wegschieben.

Ricore Text: Warum widmen Sie den Film Ihrem langjährigen Partner und Freund Bud Spencer?


Terence Hill: Wir waren enge Freunde. Er war der Intellektuelle, er hat stets die Initiative ergriffen und Vorschläge gemacht. Das habe ich sehr genossen. Nur wenn ich mit Bud vor der Kamera stand, wurden wir beide wieder zu Kindern. Für diesen Film war mit meiner Kamerafrau Roberta Allegrini auf der Suche nach einem Ort in der Wüste nahe Almeria, wo wir die beiden Hütten bauen konnten, als mich Buds Sohn über den Tod seines Vaters informierte. Ich war sehr traurig. Gleichzeitig sah ich es als Omen. Wir haben diesen Film an dem Ort gedreht, wo mich der Anruf erreichte. Und dann fiel mir auf, dass ich auch meinen ersten Film mit ihm in der Nähe gedreht habe.

Ricore Text: Sie sprechen von "Gott vergibt ... Django nie!"?


Terence Hill: Die Dreharbeiten liefen bereits eine Woche, als sich einer der Schauspieler beim Streit mit seiner Frau den Fuß brach. Regisseur Giuseppe Colizzi suchte fieberhaft nach Ersatz, nach einem kurzen Test wurde ich nach Madrid eingeflogen. Nach einer zwölfstündigen Odyssee durch Spanien wurde ich direkt an den Set gefahren, wo ich nur kurz die Kleidung wechselte und Carlo kennenlernte. Unsere erste Szene war eine Schlägerei, bei der ich seinen Schlägen ausweichen sollte. Das war kein Problem. Zum Schluss sollte er mich mit einem Hieb k.o. hauen. Wir haben lange überlegt, dann kamen wir auf die Idee, dass er plötzlich von oben zuhaut.

Seite: 1 Seite vor >>

Zum Thema

Porträt zu Terence Hill

Terence Hill

Darsteller, Regisseur, Drehbuch, Produzent
Terence Hill erblickte 1940 in der Lagunenstadt Venedig als Mario Girotti das Licht der Welt. Der Sohn eines italienischen Chemikers und einer... weiter

Filmplakat zu Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück

Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück

Terence Hill spielt in "Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück" einen Mann namens Thomas, welcher der Welt den Rücken kehrt, sich auf seine Harley Davidson schwingt... mehr
Ein Lied in Gottes Ohr (Coexister, 2017)

Weitere Interviews: Fabrice Éboué "Ein Lied in Gottes Ohr"

Fabrice Eboué ist in Frankreich ein Superstar. Der 1977 geborene Komiker erobert zu... weiter
Ferzan Özpetek am Set von "Das Geheimnis von Neapel"

Ferzan Özpetek zu "Das Geheimnis von Neapel"

Ferzan Ozpetek zeiht als Korrespondent türkischer Zeitungen nach Rom, wo er... weiter
Detlev Buck ("Asphaltgorillas" 2018)

Detlev Buck zu "Asphaltgorillas"

Detlev Buck, Jahrgang 1962, schafft mit "Karniggels" und "Wir können auch anders"... weiter
© 2019 Filmreporter.de