Shanghai - 2009 | FILMREPORTER.de
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Shanghai

OriginaltitelShanghai
GenreAction
Land & Jahr USA 2009
FSK & Länge ab 16 Jahren • 104 min.
KinoDeutschland
AnbieterSenator Film Verleih
Kinostart15.09.2011
RegieMikael Håfström
DarstellerPhilip Harvey, Rosanne Wong, Lex de Groot, Cyril Gouaida, David Firestar, Yohanna Farrell-Knight
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Routiniert inszenierte Hommage an den Film Noir

Shanghai im Jahr 1941. Die von japanischen Truppen besetzte Hafenstadt wird von der Härte der Besatzer, der rohen Gewalt der Verbrecherorganisationen sowie dem Freiheitsbestrebungen der Rebellen geschüttelt. Auch Paul Soames (John Cusack) gerät in das Chaos der politischen Ereignisse. Als Reporter getarnt, arbeitet der Agent des Nachrichtendienstes der US-Marine in China an einem Geheimauftrag. Er will den Mord an seinem Kollegen aufklären, der im Dienst ermordet wurde.

Mit Hilfe einer deutschen Diplomatin (Franka Potente) bekommt Paul Zugang ins exklusive Spielgewerbe der Stadt, wo Triaden-Chef Anthony Lan-Ting (Chow Yun-Fat) die Fäden zieht. Hier lernt der Agent auch dessen Frau Anna (Gong Li) kennen, deren Schönheit er er sofort erliegt. Paul findet heraus, dass Anna in Verbindung mit der Widerstandsorganisation steht, welche die Geliebte des japanischen Geheimdienstchefs Tanaka (Ken Watanabe) entführt haben soll.

Tanaka befürchtet, dass die Entführte über geheime Militärpläne der japanischen Regierung Bescheid weiß und möchte sie mit allen Mitteln ausfindig machen. Was weiß die Frau und was wusste Pauls Kollege, dem sein Wissen zum Verhängnis wurde? Paul verstrickt sich immer tiefer in ein Geflecht aus privaten Leidenschaften und der internationalen Politik.
Eine der schönsten Anekdoten der Film-Noir-Klassiker ist die folgende: Als Howard Hawks mitten in den Dreharbeiten von "Tote schlafen fest" (1946) steckte, machte er angesichts der konfusen Geschichte schon bald die resignierende Bemerkung, dass er überhaupt nicht wisse, worum es im Film gehe. Selbst Romanautor Raymond Chandler konnte dem Rätselraten der Filmcrew kein Ende bereiten. Auch er konnte nicht mit Gewissheit sagen, wer die Schuld am Tod des Mannes in der Geschichte trägt. Nicht minder mäandernd ist die Handlung in "Casablanca", einem weiteren Kultfilm des düsteren amerikanischen Kinos. Zwar hatte Ingrid Bergman ihre Zusage zur Mitwirkung am Film schon längst gegeben, doch worum es in dem Melodram vor dem politischen Hintergrund eigentlich ging, hatte der aufstrebende Star nicht den blassen Schimmer. Zur allgemeinen Verwirrung trug zudem der Umstand bei, dass die Dreharbeiten unter der Regie von Michael Curtiz schön längst liefen, während die Autoren noch am Drehbuch feilten.

Die komplexe Handlungsstruktur des Film-Noir war nicht nur wesentliches dramaturgisches Element, sie war die adäquate formale Entsprechung des Kinos auf das durch Krieg und Nachkrieg bedingte Chaos der Welt. Die Verwirrung des Zuschauers angesichts einer höchst komplexen Handlung stand stellvertretend für das allgemeine Verunsicherungsgefühl jener Zeit, als man mit mit dem Schwinden traditioneller Werte und einer stabilen Ordnung konfrontiert war. Wenn sich Mikael Håfström mit "Shanghai" auf die Spuren des Film Noir begibt, dann kann von einem solchen engen Verhältnis zwischen Handlung/Form und Wirklichkeit kaum mehr gesprochen werden. Die Irrungen und Wirrungen der Geschichte in "Shanghai" sind dann allenfalls Pastiche, eine Reverenz an die große Epoche des amerikanischen Kinos. Es sei denn man wagt, einen Bezug herzustellen zwischen der formalen Anlage des Films und den aktuellen Krisenherden der Welt - der Finanzkrise inklusive, deren Auswirkungen die USA besonders hart spüren. Man kann die Handlung auch von der Außenwelt ablösen und als referenzlose Grundlage für die formale Anlage des Werks betrachten.

Was bei Håfström bleibt, ist eine Ästhetik ohne expliziten Zeitbezug und damit eine Konfusion der Zuschauer angesichts einer schwer zu durchschaubaren Handlung. Gesteigert wird seine Desorientierung zudem dadurch, dass Håfström und sein Autor Hossein Amini ganz offensichtlich eine Mischung aus unterschiedlichen Genres im Sinn hatten. Man mag darüber streiten, ob ihnen die Balance zwischen Melodram, Spionagethriller und Historiendrama gelungen ist oder ob sie sich unentschlossen zwischen den Genres bewegen. Fakt ist, dass Håfström und Co. das "ideale" Film-Noir-Werk im Sinn hatten und so nahezu sämtliche konstituierenden Elemente dieser Stilrichtung des Films vermengt haben. Die komplexe Handlung strotzt undurchsichtigen, moralisch zwielichtigen Figuren. Rückblenden, die mal die Erinnerungen des Ermittlers, dann wieder die auktoriale Ebene der Erzählung markieren, durchbrechen immer wieder die Handlung und bringen so eine weitere irritierende Zutat in den Film. Die meisten Szenen spielen bei Nacht und selbst der für einen Film Noir obligatorische Dauerregen fehlt nicht. Die Beleuchtung ist künstlich und auf eine stimmungsvolle Low-Key-Fotografie beschränkt. Die Kostüme sowie Aufnahmen der Stadt und ihren Etablissements lassen ein atmosphärisch dichtes Shanghai der 1940er Jahre entstehen. Dass aus dem Film letztlich kein manieristisches und gekünsteltes Hommage-Projekt entstanden ist, verdankt sich Håfströms Talent, alle Elemente miteinander ausgewogen zu haben. Nicht zuletzt überzeugt "Shanghai" auch durch seine gut aufspielende Darstellerriege, der es gelingt, den Zuschauer für das Schicksal ihrer Figuren zu interessieren.
Shanghai

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Ein als Reporter getarnter Agent der US-Marine untersucht 1941 in Shanghai den Tod eines Kollegen. Die Ermittlungen führen ihn in die Unterwelt der...  Clip starten
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Galerie:  Shanghai

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