Ritt zum Ox-Bow - 1943 | FILMREPORTER.de
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Ritt zum Ox-Bow

OriginaltitelThe Ox-Bow Incident
GenreWestern
Land & Jahr USA 1943
Kinostart    01.09.1964 (Neue Filmform Heiner Braun)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 77 min.
RegieWilliam A. Wellman
DarstellerHenry Fonda, Dana Andrews, Mary Beth, Anthony Quinn, William Eythe, Harry Morgan
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Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsGalerieDVDsbewerten

Spannender Western mit nachdenklicher Botschaft

In dem kleinen Nest in Nevada ist nicht viel los. Essen, Schlafen, Trinken, Pokern und Prügeln - das ist die ganze Auswahl an Aktivitäten. Dazu kommt eine gewisse Ablehnung gegenüber Fremden wie den Cowboys Gil Carter (Henry Fonda) und Art Croft (Harry Morgan). Unter der ruhigen Fassade schlummert in so manchem Dorfbewohner jedoch nackte Mordlust. Als ein Rancher von Viehdieben erschossen wird, wollen die Männer in Abwesenheit des Sheriffs Selbstjustiz üben. Carter und Croft schließen sich dem Lynchmob auf der Suche nach den Schuldigen an.

Kurz darauf treffen sie auf eine Postkutsche, in der Carters Verflossene Rose (Mary Beth) und ihr Ehemann mitfahren - alte Gefühle kommen hoch. Kavallerieoffizier Tetley (Frank Conroy) reißt das Kommando an sich. Bald sind die vermeintlichen Mörder um Donald Martin (Dana Andrews) und Juan Martinez (Anthony Quinn) entdeckt und ohne Widerstand gefasst. Doch Carter und Croft haben Zweifel an der Schuld der Gefangenen. Aus Angst, selbst an den Pranger gestellt zu werden, behalten sie diese jedoch vorerst für sich.
William A. Wellmans "Ritt zum Ox-Bow" ist weder ein gewöhnlicher Western oder ein simples Rachedrama. Der Film ist ein Lehrstück über das Verhalten von Bürgern in einer demokratischen Gesellschaft. 14 Jahre vor seiner Rolle in "Die Zwölf Geschworenen" und 26 Jahre vor "Spiel mir das Lied vom Tod" spielt Henry Fonda hier zwar nicht den Bösewicht, dafür aber einen differenziert umrissenen Antihelden. Er erfüllt nicht die Erwartungen an den ehrenhaften Westernprotagonisten, der im Namen einer höheren Gerechtigkeit handelt und das Unrecht bekämpft. Stattdessen hat er selbst Angst und ist machtlos gegen die geballte Mordlust des Mobs.

Fonda und Dana Andrews zeigen in "Ritt zum Ox-Bow", welch ausgezeichnete Schauspieler sie sind. Andrews mimt den zu Unrecht Beschuldigten sehr plastisch mit der ganzen Bandbreite an Emotionen, die in einer solchen Ausnahmesituation angebracht sind. Fonda spielt perfekt den aufrechten Durchschnittsbürger, dem der moralische Instinkt zwar gegeben ist, der zugleich aber kein heroischer Superheld ist. Das macht seine Rolle und den ganzen Film so realistisch, denn die Besetzung überzeugt bis in die kleineren Nebenrollen. Es geht nicht darum, dass böse Menschen Böses tun. Vielmehr wird verhandelt, dass einem Großteil der Bevölkerung der moralische Kompass und Respekt für Recht und Gesetz abgehen, sobald sie sich in einer Situation wiederfinden, in der sie Macht ausüben. Vor welchem historischen Hintergrund diese Frage verhandelt wird, ist gleichgültig.

Konsequenterweise hat der Film kein Happy End. Seine Botschaft ist zu wichtig, um ihre Aussagekraft zu schmälern. Gerade für die utilitaristisch geprägte Alltagsphilosophie, auf der die Vereinigten Staaten zu einem guten Teil beruhen, zählen nicht Gedanken und Absichten sondern Taten und ihre Folgen. Nur diese führen in die menschliche Katastrophe eines ganzen Dorfes. Wenige Filme haben dies eindrücklicher gezeigt.

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