Das Ende ist mein Anfang - 2010 | FILMREPORTER.de
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Das Ende ist mein Anfang

OriginaltitelDas Ende ist mein Anfang
AlternativLa fine è il mio inizio
UntertitelEin Vater, ein Sohn und die große Reise des Lebens
GenreDrama
Land & Jahr Deutschland 2010
Kinostart    07.10.2010 (Universum Film)
FSK & Länge ab 0 Jahren • 98 min.
RegieJo Baier
DarstellerElio Germano, Erika Pluhar, Andrea Osvárt, Nicolò Fitz-William Lay, Katja Amberger, Gianni Cavina
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Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieDVDsbewerten

Eindringliches Drama über die Sinnsuche im Leben

Tiziano Terzani hat als Mensch und Schriftsteller ein ereignisreiches Leben geführt. Es führte ihn in die entferntesten und konfliktreichsten Winkel der Erde. Asien war die große Leidenschaft des studierten Sinologen. 30 Jahre war er als Asienkorrespondent für den Spiegel tätig, unternahm Reportage-Reisen nach Singapur, berichtete über den Vietnamkrieg sowie die Konfliktregion Kambodscha. Mit China und seiner sozialistischen Weltsicht verband der Intellektuelle lange die Hoffnung auf eine gerechtere Welt. Je tiefer er jedoch in ihre Umsetzung eintauchte, umso kritischer wurde sein Verhältnis zu dem sozialistischen Land. Am Ende seines Lebens gelangt er zu der simplen Erkenntnis, dass die einzige Revolution, die nachhaltige Veränderungen bewirken kann, im Menschen selbst stattfinden muss. Zu der Erkenntnis gelangt Terzani nicht zuletzt durch die Auseinandersetzung mit der Lehre Mahatma Gandhis sowie seiner spirituellen Erfahrung als Eremit im Himalaya.

In diesem Stadium des Lebens von Terzani setzten die Drehbuchautoren von "Das Ende ist mein Anfang" den Beginn ihrer Geschichte. Sie fokussieren nicht auf den Lebensprozess des Intellektuellen, sondern interessieren sich ausschließlich für dessen spirituelle Erleuchtung. Das Ergebnis ist eine entdramatisierte Biographie, die nicht die Ursachen der Erkenntnis, das Leben in ihren einzelnen Stationen, sondern diese selbst als Folge der Erfahrung in den Mittelpunkt stellt. Von seiner Krebserkrankung gezeichnet, lebt Terzani (Bruno Ganz) am Ende seines Lebens mit seiner Frau Angela (Erika Pluhar) zurückgezogen in einem kleinen Dorf in der Toskana. Der alte Mann strahlt trotz des nahen Todes eine große Ruhe und Gelassenheit aus. Vom Leben scheiden will er nicht, ohne vorher seine Kinder Folco (Elio Germano) und Saskia (Andrea Osvárt) zu sehen. Den Sohn bittet er früher zu sich, weil er ihm seine Lebensgeschichte diktieren will, die dieser aufzeichnen und als Buch veröffentlichen soll.
Die Entscheidung Terzanis, seine Erkenntnis weiterzugeben, kann man durchaus als eitle Selbstdarstellung interpretieren, also als einen Akt, welcher der spirituellen Weltanschauung des Charakters widerspricht. Das liegt sicher nicht in der primären Absicht Tiziano Terzanis, ist jedoch ein Punkt, der nicht selten bei der Rezeption mitschwingt. Ein Manko des Films ist diesen Widerspruch thematisch nicht aufgegriffen, sondern ihn fraglos hingenommen zu haben.

In die gleiche Kategorie fällt auch das Motiv der Aufzeichnung der Lebenserinnerungen mit Hilfe eines elektronischen Aufnahme-Gerätes. Es fragt sich, ob es nicht nur persönlicher, sondern auch der Spiritualität angemessener wäre, wenn Terzani seine Anschauungen in Augenblicken höchster innerer Ruhe aufgeschrieben und die Mitteilung seinem Sohn Folco und der Öffentlichkeit vermacht hätte. Vor diesem Hintergrund ist auch die nicht konfliktfreie Vater-Sohn-Beziehung als problematisch zu betrachten. Diese - sowie das Verhältnis des Sterbenden zu seiner Frau bieten zwar genug Stoff für einige anrührende Szenen und geben zudem Einsicht in die Psychologie der jeweiligen Charaktere, dennoch widersprechen diese dramatischen und gefühlvollen Einlagen dem Thema des Films, in dem es ja gerade um das Losgelöst-Sein von der irdischen Existenz geht.

Als gelungen kann man hingegen die Entscheidung ansehen, die Handlung kammerspielartig anzulegen und das Personal klein zu halten. Das ist umso bemerkenswerter, als Terzani ein Leben hinter sich hat, das gefüllt war mit spannenden persönlichen und denkwürdigen politischen Ereignissen. Ein Leben also, das genug Stoff für prächtige Bilder und eine Interessante Erzählung geboten hätte. Trotzdem verweilt die Erzählung ausschließlich bei Terzani und seinem Zuhörer. Dadurch wird der Film entdramatisiert, was der Spiritualität zugutekommt. In der Erinnerung liegt die ewige Wahrheit verborgen, sagte bereits Augustinus sinngemäß und diese in Bilder umzuwandeln, würde die Gefahr heraufbeschwören, die Immaterialität der Wahrheit zugunsten der Materialität der Historie zu untergraben. Dass in der Abbildung von Geschichte und konkreten Ereignissen auch die Wahrheit aufscheinen kann, dürfte den Machern von "Das Ende ist mein Anfang" sicher bewusst gewesen sein. Doch wäre dann ein anderes Werk entstanden.

Dennoch besteht ein Film nicht nur aus Monologen, Dialogen und Imagination, sondern verlangt auch nach Bildern. Als hätte Regisseur Jo Baier diesen Mangel gespürt, bereichert er das Schwelgen in Erinnerungen mit Natur- und Landschaftsaufnahmen. Dabei will die Überwältigung Terzanis angesichts der Schönheit und Erhabenheit der natürlichen Welt nicht auf den Zuschauer übergreifen. Dafür greifen die Bilder, die überdies von einer aufdringlichen musikalischen Untermalung unnötig pathetisch aufgeladen werden, zu kurz, um als Abbildungen des ewigen Weltmysteriums zu bestehen.
Das Ende ist mein Anfang

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Das Ende ist mein Anfang

Kurz vor seinem Tod bittet der sterbenskranke Journalist und Schriftsteller Tiziano Terzani seinen Sohn Folco zu sich, um ihm seine ereignisreiche...  Clip starten
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"Das Ende ist mein Anfang" basiert auf den Erinnerungen des verstorbenen Schriftstellers Tiziano Terzani. Das Drama konzentriert sich auf die Erinnerungen des sterbenden Mannes. mehr
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