Die Höhle der vergessenen Träume (3D) - 2010 | FILMREPORTER.de
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Die Höhle der vergessenen Träume (3D)

OriginaltitelCave of Forgotten Dreams
GenreDokumentarfilm
Land & Jahr Kanada/USA/Frankreich 2010
FSK & Länge ab 6 Jahren • 90 min.
KinoDeutschland
AnbieterAscot Elite Entertainment Group
Kinostart03.11.2011
RegieWerner Herzog
DarstellerWerner Herzog, Charles Fathy, Maurice Maurin, Maria Malina, Wulf Hein, Nicholas Conard
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Werner Herzogs Höhlenmalerei in beeindruckendem 3D

"Die Höhle der vergessenen Träume" beginnt mit einem vorsichtigen Herantasten an diesen heiligen Ort. Die Kamera bewegt sich langsam auf ein Felsmassiv zu, in dem eine Höhle verborgen ist. Es handelt sich um die Chauvet-Höhle - benannt nach deren Entdecker, dem Speläologen Jean-Marie Chauvet - die tausende Jahre durch einen Felssturz verschüttet war und erst 1994 entdeckt wird. Was die Wissenschaftler hier entdecken, wird seither als eines der bedeutendsten Zeugnisse der prähistorischen Kunst gewertet.

Zu bestaunen sind hier neben Wandmalereien, die von Experten auf über 30.000 Jahre geschätzt werden, auch Überreste von Menschen und Tieren. Mit einem kleinen Filmteam durfte Werner Herzog als erster Filmemacher diesen Ort erkunden. Entstanden ist dabei ein wunderschöner Dokumentarfilm über die erhabene Schönheit der Kunst und die Größe des menschlichen Geistes.
Werner Herzog setzt seine Neugier - wie die der Wissenschaftler - zunächst mit dem Eindringen in eine nicht nur schöne, sondern auch höchst fragile Welt gleich. Um die Ursprünglichkeit des Ortes nicht zu zerstören, wird die Größe des Filmteams von den Behörden auf ein Minimum beschränkt und so sind neben Herzog lediglich drei weitere Mitarbeiter an den Dreharbeiten vor Ort beteiligt. Beim Betreten der Höhle fallen die ersten Spuren des menschlichen Eingreifens auf. Man sieht Treppen, Geländer, Wege aus Metallplatten, die von den Wissenschaftlern unmittelbar nach der Entdeckung eingebracht wurden. Wie ein Fremdkörper nimmt sich der moderne Mensch in diesem erhabenen Ort aus, wozu Herzog übrigens auch sich selbst und seine Kamera zählt.

So sehr er sein Eindringen selbst bedauert, weiß Herzog doch auch, dass der Schritt notwendig ist, um den Ort und die darin enthaltenen Schätze zu erfassen. Die wissenschaftliche Bestandsaufnahme und Objektsicherung ist ein Thema seiner Dokumentation. Das Ziel der Forschung ist es, die Spuren auf ihre raumzeitliche Kontinuität zurückzuführen. Dabei können die Forscher einige Erfolge vorweisen. Einzelne Bilder, etwa die sich überlappenden Pferdeköpfe, lassen sich zeitlich recht präzise einordnen. Bei anderen Spuren gestaltet sich die Datierung schwieriger. So fanden die Wissenschaftler in der Höhle Fußspuren eines Jungen und eines Wolfes, ohne genau bestimmen können, ob diese einer oder mehreren Zeitepochen angehören. "Wir sind in der Geschichte", sagt Herzog über diese Bilder, "die Menschen von damals sind es nicht".

Von der Erkenntnis der Zeitlosigkeit, der Schönheit und der Größe des Fundes sind die Bilder Herzogs geprägt. Die Neugier der Filmkamera aber auch der Wissenschaft weicht im Angesicht des Vorgefundenen schnell einem Staunen. Man solle einen Moment innehalten, sagt ein Forscher, dann könne man den eigenen Herzschlag hören. Es sei nicht nur das Pochen des eigenen Herzens, so Herzog, sondern auch das der Höhlenbewohner. Damit scheint er Recht zu haben, wenn man in jenen Spuren tatsächlich den Jungen und den Wolf zu erkennen glaubt. Was Herzog in der Höhle vorfindet, sind Überreste eines perfekt ausgebildeten Handwerks, Kohlezeichnungen an der Wand, Konturen von Tieren und Menschen, aber auch sichtbarer Ausdruck des Geistigen. Wir Menschen, sagt ein anderer Forscher zu Herzog, müssten eigentlich nicht Homo sapiens heißen, sondern Homo spiritualis. Der Mensch könne unmöglich alles wissen, dafür sei seine spirituelle Veranlagung grenzenlos, nicht gebunden an Raum und Zeit. Das gelte für den modernen und das gelte in besonderem Maße für den prähistorischen Menschen. Ein anderer Forscher erzählt eine Anekdote über einen modernen Aborigine. Als dieser über die Bilder befragt wurde, die er an eine Wand gemalt hatte, sagte er: "Ich male nicht, der Geist in mir malt"

Vor dem Geistigen im Körperlichen, dem allzeit Lebendigen in den Überresten des Verstorbenen steht Herzog in "Die Höhle der vergessenen Träume" voller Bewunderung. Wenn er am Ende mit seiner Kamera an den Wänden entlang gleitet, dann verstummt er ebenso ehrfurchtsvoll, wie einst Andrej Tarkowskijs im Angesicht der Ikonen "Andrej Rubljow" in seinem gleichnamigen Film. Wie der russische Metaphysiker benutzt auch der vor allem Erhabenen staunende Deutsche die Musik, um das Sakralen zu akzentuieren. Wie Tarkowski greift auch Herzog zu einer neuen Technik, um dem Erhabenen mit den bescheidenen Mitteln des Kinos Tribut zu zollen - bei dem russischen Regisseur war es der Farbfilm, bei dem deutschen die 3D-Technik.
Die Höhle der vergessenen Träume (3D)

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Die Höhle der vergessenen Träume

Die Chauvet-Höhle war tausende Jahre durch einen Felssturz verschüttet. Als Forscher sie 1994 entdecken, stoßen sie auf eines der bedeutendsten Zeugnisse...  Clip starten
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Werner Herzog begibt sich mit "Die Höhle der vergessenen Träume" auf die Spuren der Chauvet-Höhle, die viele Jahrtausende verschüttet war und erst 1994 von Forschern... mehr
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