Filmkritik: Terrence Malicks unkonventionelle Mission | FILMREPORTER.de
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Feature

Cate Blanchett und Christian Bale in "Knight of Cups"
Existenzielle Sinnsuche durch Los Angeles

Terrence Malicks unkonventionelle Mission

Regisseur Terrence Malick ist in "Knight of Cups" erneut in unkonventioneller Mission unterwegs und besticht durch eine meisterliche Federführung. Drehbuchautor Rick (Christian Bale) ist ein Sinnsuchender in Los Angeles, der sein hedonistisches Dasein satt hat und sich seiner wechselvollen Vergangenheit stellt.
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de, 10. September 2015

Christian Bale in "Knight of Cups" an einem Wendepunkt

Christian Bale in "Knight of Cups" an einem Wendepunkt

Partys, Frauen, ausschweifende Exzesse
Der erfolgreiche Drehbuchautor Rick (Christian Bale) lebt auf der Überholspur des Lebens. Sein Alltag besteht aus exklusiven Partys, schönen Frauen und ausschweifenden Exzessen. Gelangweilt von der Zügellosigkeit, fragt sich Rick nach dem tieferen Sinn seines Daseins. Er sucht in seinem Inneren nach Antworten und begibt sich dafür auf eine gedankliche Zeitreise zurück an die Orte und zu den Personen, die ihn nachhaltig geprägt haben. Der Tod seines Bruders Billy beispielsweise hat ihn nie losgelassen, worin auch Ricks gestörtes Verhältnis zu seinem Vater Joseph (Brian Dennehy) begründet ist.

Zudem erinnert er sich an seine Ehe mit der Ärztin Nancy (Cate Blanchett), sein Verhältnis mit Model Helen (Freida Pinto), die Zeit mit der Strpperin Karen (Teresa Palmer) oder an die Affäre mit der verheirateten Elizabeth (Natalie Portman). Seine Reise führt in quer durch Los Angeles, von den Hängen der noblen Hollywood Hills bis hinunter in die Niederungen des Obdachlosenviertels Skid Row.

Christian Bale und Natalie Portman in "Knight of Cups"

Christian Bale und Natalie Portman in "Knight of Cups"

Regisseur Terrence Malick bleibt seiner Verweigerungshaltung auch in "Knight of Cups" treu. Er verzichtet auf eine chronologische Abfolge, liefert keine konventionelle Handlung mit dramaturgischen Höhen und Tiefen, sondern malt eine anekdotenhafte Aneinanderreihung samt rotem Faden auf die Kinoleinwand. Der Titel verweist dabei auf eine Tarotkarte, die für Romantik, Idealismus, Freundlichkeit und Eifersucht steht. Der Zuschauer erlebt einen exzessiven Bilderrausch von höchster stilistischer Qualität. Er folgt dem Protagonisten auf seiner Sinnsuche blind und vertrauensvoll, allein weil Hauptdarsteller Christian Bale traumwandlerisch sicher durch den Gedanken-Dschungel leitet.

Malick reichert seine Darbietung darüber hinaus mythologisch und philosophisch an, verliert jedoch niemals die melancholische Grundnote. Die vielerorts bohrenden Fragen nach persönlicher Vergänglichkeit und Identität beantwortet der US-Filmemacher in seinem neuesten Werk ohne viel Worte - sowie mit poetischer Brillanz.
Timo Buschkämper, Filmreporter.de - 10. September 2015

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