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TylerDurden

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Filmkritik zu Memento - 08.10.2013 12:49

Memento von Christopher Nolan kann aufgrund seiner Ezählweise durchaus als Meilenstein des Kinos bezeichnet werden. Nachdem der inzwischen umjubelte Regisseur Nolan einen Kinoerfolg an den nächsten reiht, machte er nach einigen Kurzfilmen mit diesem Filmexperiment 2000 zum ersten Mal auf sich aufmerksam und wurde damals zurecht für einen Oscar für das beste Originaldrehbuch nominiert. Memento wird aus der Sicht Leonards erzählt, der aufgrund eines traumatischen Überfalls die Fähigkeit verliert, neue Erinnerungen zu bilden. Mit dieser Einschränkung macht sich der leidende Held auf die Suche nach dem Mörder seiner Frau. Um sein fehlendes Kurzeitgedächtnis zu kompensieren entwickelt die Hauptfigur ein kompliziertes System aus Notizen, Fotos und Tättowierungen als Erinnerungshilfen. Der Clou des Films sind die beiden Handlungsstränge, von denen einer in chronlogisch korrekter Reihenfolge abläuft, während die andere in die entgegengesetze Richtung verläuft. Somit beobachtet der Zuschauer permanent eine Handlung, dessen Vorgeschichte er nicht kennt und befindet sich demnach im selben Gedächtniszustand wie die Hauptfigur. Nach und nach erschließt sich dem Zuschauer im Gleichschritt zur Hauptfigur so die Wahrheit der Geschichte und deren ganze Tragik. Das Ergebnis des erzählerischen Experiments Nolans ist ein intelligentes und revolutionäres Krimidrama, dessen Genialität sich erst bei mehrmaligen Ansehens des Films erschließen lässt.


Filmkritik zu Herr Lehmann - 08.10.2013 12:19

Die Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Element of Crime Frontmann Sven Regener mit Christian Ulmen in der Hauptrolle. Nachem das Buch sich wochenlang in den Bestsellerlisten halten konnte und Literaturpreise erhielt, wurde das Werk 2003 unter der Regie von Leander Haußmann verfilmt. Der Film bewegt sich grundsätzlich sehr nahe am Buch, am Handlungstrang wurde nur wenig geändert, ganze Dialoge werden ins Drehbuch übernommen. Dies schadet dem Film keinesfalls. Die rasanten Dialoge und irrsinnigen Diskussionen werden von den glaubwürdigen Darstellen schön in Szene gesetzt. Allen voran Christian Ulmen in seiner ersten Hauptrolle und Detlev Buck als Karl glänzen in ihren Rollen. So erlebt der Zuschauer den Mikrokosmos des Herrn Lehmann und seiner Begleiter, die sich um die Probleme und Nöte ihres tristen Alltags in Berlin zur Zeit der Wende kümmern müssen, während das politische Weltgeschehen für sie nur periphär eine Rolle spielt.


Filmkritik zu Before Midnight - 08.10.2013 11:54

Eine weitere Episode im Leben von Jesse und Celine, die sieben Jahre nach Before Sunset ein Ehepaar bilden und Zwillinge bekommen haben. Während eines Urlaubs in Griechenland lauscht der Zuschauer wieder ihren unterhaltsamen, teils philosophischen, jedoch immer alltäglichen Gesprächen über das Leben, die Liebe und deren Vergänglichkeit. Nachdem sich im ersten Teil verliebt wurde und im zweiten Teil um eine Wiederaufnahme dieser Liebe gekämpft wurde, muss die Liebe der beiden nun dem Alltag standhalten. Dabei bleiben sich die Charaktere stets treu und haben nichts vom Charme der vergangenen Zeit verloren. Obwohl Regisseur Linklater ein toller und würdiger Nachfolger seiner Filmreihe gelungen ist, schmerzt es Kenner der ersten beiden Teile, das liebgewonnene Ehepaar in solchen Situationen und Diskussionen erleben zu müssen. Denn der Alltag holt auch die außergewöhnliche Liebe dieses Paares ein, stellt sie vor Herausforderungen und bringt sie damit fast an der Rand der Verzweiflung. Der Zuschauer wünscht sich nichts sehnlichler, als das die Liebe der beiden überlebt. Die Before-Reihe von Linklater bildet eine faszinierende und in dieser Form noch nie dagewesene Liebesgeschichte, die sich fern vom Kitsch und Klischees der sonstigen Hollywood-Produktionen bewegt.


Filmkritik zu The Place Beyond the Pines - 08.10.2013 11:26

Die Handlung von The Place Beyond the Pines erstreckt sich über 15 Jahre und erzählt die generationenübergreifende Geschichte zweier Familien über Mord, Schuld und Vergebung. Ryan Gosling besticht in diesem Film wieder als wortkarger Einzelgänger, der seine sentimentale und familiäre Ader entdeckt. Bradley Cooper spielt einen souveränen und fast langweiligen Cop, dessen Leben durch einen Unfall im Dienst einen tragischen Verlauf nimmt und auch das Schicksal des von Gosling gespielten Bankräubers beeinflusst. Die Leben der beiden Männer und das Leben ihrer Familien kreuzen sich im Laufe der Zeit immer wieder und werfen Fragen der Schuld und Vergebung auf. Ein gut inszenierter Krimi mit überraschender und anspruchsvoller Geschichte, der jedoch vor allem im letzten Teil des Films etwas langatmig und zu konstruiert wirkt.


Filmkritik zu The Wire - 08.10.2013 11:07

Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen und \"The Wire\" ebenfalls als beste Serie bezeichnen, die ich je gesehen habe. Bin auch durch das Studium darauf gestoßen und konnte danach nicht mehr loslassen. \"The Wire\" porträtiert über fünf Staffeln eine amerikanische Großstadt am Beispiel Baltimores und durchleuchtet dabei all seine Facetten und Hintergründe. Von Polizeiarbeit, der Seite des Verbrechens, bis hin zu politischen, schulischen und medialen Einflüssen wird dem Zuschauer ein komplexes Werk mit verwobenen Handlungssträngen präsentiert. Hier handelt es sich um keine typische, oberflächliche Cop-Show, sondern um ein vielschichtiges, pessimistisches Sittengemälde der postindustriellen amerikanischen Gesellschaft. Gespickt mit Einflüssen aus der antiken Theaterform der griechischen Tragödie greift Autor David Simon mehrere philosophische Ansätze auf und transportiert diese sinnvoll in die Gegenwart eines vom Drogenkrieg geplagtes Baltimore. Man kann sowohl die von Bourdieu aufgestellten Kapitaltheorien in der Serie als auch die Machtdiskurse nach Foucault in den antikapitalistischen Ansichten des Autors finden. Daher wird die Serie mittlerweile auch an vielen Universitäten weltweit aufgegriffen und wissenschaftlich behandelt. Gefilmt wirkt das Werk sehr authentisch, nüchtern, fast dokumentarisch. Auf nervenaufreibende Sequenzen,zuschauerfangende Cliffhänger wird verzichtet. Dennoch schafft es die Serie Spannung, sowie glaubwürdige und sympatische Charaktere zu erschaffen, die sich in der Fanszene größter Beliebtheit erfreuen und Kultstatus genießen. Die deutsche Synchronisation ist zwar sehr gelungen, aus Gründen der Authenzität sollte man die Serie jedoch im Orignalton schauen und sich zum besseren Verständnis der Handlung den gewünschten Untertitel wählen. Für Serienfreunde der intelligenten Unterhaltung ein absolute Empfehlung.

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