Retro-Starportrait: Zarah Leander: Diva aus dem Norden | FILMREPORTER.de
Filmreporter-RSS

RETRO Feature

Zarah Leander am Berliner Flughafen Tempelhof
Nazi-Sirene wird Schwulenikone

Zarah Leander: Diva aus dem Norden

Kaum eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkriegs kommt ohne Zarah Leanders Schlager "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen" aus. Der kraftvoll vorgetragene und voluminös orchestrierte Ohrwurm ist eine einzige vertonte Durchhalteparole. Zarah selbst erscheint in diesem Licht als Stütze des Nazi-Regimes und Mitverantwortliche für millionenfaches Leid. Erst anlässlich des 100. Geburtstages der 1981 verstorbenen Schwedin kommt es zu einer differenzierteren Auseinandersetzung.
Von  André Weikard/Filmreporter.de, 23. Mai 2017

Zarah Leander in Aktion

Zarah Leander in Aktion

Zarah Leander: Das Leben einer Diva
Einen Beitrag dazu leistet Jutta Jacobis 2006 erschienene Biografie "Zarah Leander: Das Leben einer Diva". Dort erfährt man von Triumph und Selbstinszenierung über die verhängnisvolle Verstrickung in den deutschen Propagandaapparat bis zu Alkoholsucht und Depression alles über die Schlagersängerin aus dem schwedischen Karlstad.

Ihre Karriere beginnt 1930 als Revuedarstellerin und Sängerin. Schon bald dreht sie erste Filme in Schweden, ohne damit besonderes Aufsehen zu erregen. Entscheidend für die Karriere der geborenen Sara Hedberg war die Übersiedlung nach Wien. Beziehungen zu Deutschland hatte sie schon in ihrem Elternhaus. Eine Urgroßmutter stammt aus Hamburg, der Vater studierte in Leipzig Orgelbau und Musik. Die junge Sara hat einen deutschen Klavierlehrer und ein deutsches Kindermädchen.

Zarah Leander

Zarah Leander

Zweite Marlene Dietrich?
Am 1. September 1936 zahlt sich diese Erziehung aus. In Wien feiert die Operette "Axel an der Himmelstür" Premiere. In der Hauptrolle ist nicht wie ursprünglich vorgesehen Greta Garbo, sondern die junge Schwedin zu sehen. Das Publikum - zu dem ab 1938 diktatorisch regierende Bundeskanzler des Bundesstaates Österreich gehört (seit 1936 auch Führer der österreichischen Einheitspartei Vaterländische Front) - ist hingerissen. 62 Mal zwingt das Publikum seine Leander vor die Bühne, um ihr mit stürmischem Applaus zu huldigen. Ein Star ist geboren.

Noch während dem Bühnenengagement dreht sie ihren ersten deutschsprachigen Film. Bezeichnenderweise heißt dieser "Premiere" und handelt von einem Mord bei einer Revue. Zur Besetzung gehören Karl Martell, Theo Lingen und Attila Hörbiger. Schon im Oktober 1936 nimmt die deutsche Ufa den Nachwuchsstar unter Vertrag. Wie prominent sie zu diesem Zeitpunkt schon ist, zeigen die Konzessionen, die man ihr in Berlin macht. So darf die junge Schwedin ihre Drehbücher selbst auswählen, und bekommt die Hälfte ihrer Gage in schwedischen Kronen ausgezahlt.

Seite: 1 Seite vor >>

Zum Thema

Porträt zu Zarah Leander

Zarah Leander

Darstellerin, Musik
Zarah Leander beendete ihre Filmkarriere um 1966. Die ungewisse Zeitangabe liegt wohl daran, dass alle Filme, die sie während der Nachkriegszeit... weiter
Spartacus

Weitere Retrofeatures: Die Armut trieb ihn zum Film

Kirk Douglas gehört zu den erfolgreichsten Schauspielern Hollywoods. Er arbeitete mit... weiter
Fritz Lang Sonderedition

Fritz Lang in den Fängen des Bösen

"Die Menschheit muss in einen Abgrund von Terror gestürzt werden", erklärt Dr.... weiter
Alfred Hitchcock

Brautjungfer Sir Alfred Hitchcock

Mit der Bemerkung "Immer nur Brautjungfer, nie die Braut" kommentiert Sir Alfred... weiter
© 2017 Filmreporter.de