Retronews: Drehbuch von Jean-Paul Sartre | FILMREPORTER.de
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Yves Montand und Mylène Demongeot in "Die Hexen von Salem".
"Hexenjagd" in Ostberlin

Drehbuch von Jean-Paul Sartre

Arthur Millers Theaterstück "Hexenjagd" sorgte 1952 in den USA für Wirbel. Viele fühlten sich vom anklagenden Ton angegriffen. Nun wird das literarische Werk verfilmt. Kein geringerer als Philosoph Jean-Paul Sartre arbeitet an der Drehbuchadaption des Stücks. Das Werk wird in Ostberlin unter der Regie von Raymond Rouleau gedreht.
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de, 30. Oktober 2017

Yves Montand und Mylène Demongeot.

Yves Montand und Mylène Demongeot.

Dämonische Kräfte
Das junge Mädchen Abigail Williams ist von auffallender Schönheit. Da sie ein Waisenkind ist, wird sie von John Proctors Familie aufgenommen. Abigail lässt sich auf ein Verhältnis mit dem Ehemann ein. Als die Affäre auffliegt, wird sie verjagt. Sie dürstet nach Rache und beschuldigt Elisabeth Proctor, eine Hexe zu sein. Das Magazin Film Revue berichtet am 26. November 1956 über die Dreharbeiten. Jean-Paul Sartre hat aus Arthur Millers Bühnenstück "Hexenjagd" das politisch erstaunlich entschärfte Drehbuch zu "Die Hexen von Salem" verfasst.

Für die Verfilmung wurden große Namen verpflichtet, unter anderem Michel Piccoli, Yves Montand und Simone Signoret. Die junge Französin Mylène Demongeot ist ein frisches Gesicht auf der Leinwand, aber nicht unerfahren. Sie war letztes Jahr neben Louis De Funès in "Frou-Frou, die Pariserin" zu sehen. Auf der deutschen Seite sind Alfred Adam und Aribert Grimmer mit am Start. In die Rolle des um Gerechtigkeit bemühten Richters Danforth schlüpft Regisseur Raymond Rouleau gleich selbst.

Mylène Demongeot als Verführerin Abigail.

Mylène Demongeot als Verführerin Abigail.

Politische Dimensionen
"Die Hexen von Salem" hatte seine Premiere am 4. Oktober 1957 in Ostdeutschland. Das Drama wurde mit der aus der ehemaligen DDR stammenden Produktionsfirma DEFA gedreht. Amerikanische Studios hatten sich zuvor geweigert, ein Stück aus Joseph McCarthys Schwarzer Liste zu verfilmen. Arthur Miller reagierte kritisch auf die antikommunistische Linie der US-Regierung. "Hexenjagd" ist daher als Metapher für die Grundstimmung der 1950er Jahre in den USA zu verstehen.

Die vielen Parallelen zwischen der amerikanischen Hetzjagd auf Kommunisten und der Hexenjagd von Salem war auch der Grund, wieso sich Millers Freund und Regisseur Elia Kazan weigerte, das Stück am Broadway zu inszenieren. Aus politischen Gründen wurde das Drama in französischer Sprache gedreht und mit damals der kommunistischen Partei nahe stehenden französischen Stars besetzt.
Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de - 30. Oktober 2017
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