Interview: Tim Burton zu Big Fish - der Zauber, der ein Leben zur Legende macht | FILMREPORTER.de
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Interview

Regisseur Tim Burton am Set von Big Fish
Hollywood-Zauberer Tim Burton

Feen, Gnomen und Fantasiegestalten

In seiner Kindheit ist Tim Burton einer jener Jungen, die keiner versteht. Einer, der sich in seine Traumwelt aus Feen, Gnomen und Fantasiegestalten zurückzieht, als ob in die Außenwelt nichts anginge. Unbewusst legt er damals den Grundstein für seine erfolgreiche Karriere als Regisseur von ungewöhnlichen Filmen mit dem magischen Flair. "Big Fish - der Zauber, der ein Leben zur Legende macht" ist das neueste Werk aus seiner Sammlung. Die Vater-Sohn-Geschichte ist, so Burton im Interview mit Ricore, andeutungsweise autobiografisch. Er spricht über große Fische, frühe Einflüsse und das seltsame Erlebnis der Geburt seines Sohnes mit Freundin Helena Bonham Carter.
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  3. April 2004

Regisseur Tim Burton am Set von Big Fish

Regisseur Tim Burton am Set von Big Fish

Ricore: Sie sind ein Meister des Geschichtenerzählens - wie kamen Sie auf diese?

Tim Burton: Die Herausforderung bei diesem Film lag in der Natur der Vater/Sohn-Beziehung. Jede Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist einzigartig und meist schwierig, aber nichts ist komplizierter als eine Beziehung zwischen Vater und Sohn. Dann machte ich es mir auch noch selbst schwer und erzählte den Film in zwei verschiedenen Epochen. Das bedeutete zweifache Besetzung derselben Rollen. Ich fand mich vor einem riesigen Puzzle und musste die Teile so setzen, dass sie auch zusammen passten. Dazu kam noch, dass wir nicht chronologisch drehen konnten, wir wechselten drei-, viermal am Tag die Location, und es war als ob wir jeden Tag einen neuen Film beginnen würden. Wir machten ein Zirkus-Movie, einen Familienfilm, eine romantische Komödie, usw. Das trug natürlich auch dazu bei, dass es immer spannend blieb.

Ricore: Wenn man Ihre Filmographie betrachtet, findet man einen roten Faden, der sich durchzieht: Sie erzählen Ihre Geschichten immer vom Standpunkt des Outsiders, der Person, die gegen den Strom schwimmt. Warum?

Burton: In diesem Fall war das Timing wichtig. Mein Vater war ein Jahr vor den Dreharbeiten gestorben. Ich stand ihm nicht sehr nahe, trotzdem hinterließ sein Tod eine große Leere. Ich begann über unser Verhältnis nachzudenken und wie schwer es ist, es in Worte zu fassen. Dann bekam ich das Drehbuch und es befasste sich mit all den Dingen, über die ich gerade nachdachte. Das war sehr reinigend für die Seele. Denn auf einmal war ich fähig diese Beziehung von beiden Seiten zu betrachten. Ich identifizierte mich mit Billy, ich identifizierte mich mit Ed Bloom und ich identifizierte mich sogar mit dem seltsamen Poeten, den Steve Buscemi spielt. Ich hatte Glück mit diesem Film. Ich musste mich nicht dazu zwingen, Situationen zu finden, in die mich hineinversetzen konnte. Es war eine persönliche Geschichte, die ich vollkommen verstand.

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